Sonntag, 30. Dezember 2012

Android dominiert die Welt; Wer dominiert Android?

“The future of computing, the future of the internet, the future of music, of gaming, of television, of newsmedia, of banking and credit cards and even cash itself. The platform that will be in our cars, soon in our clothes and eventually embedded within humans - all that will be owned and controlled by Google..” - Tomi Ahonen

Schon mein letzter Blogpost bezog sich auf die Analysen von Tomi Ahonen und die Frage welche Smartphone Plattform das Rennen machen wird. Damals war die Prognose es würde Android sein. Nachdem nun die Absatzzahlen des Q3/2012 vorhanden sind hat Ahonen seine Aussage noch einmal drastischer gemacht und erklärt Android zum Sieger. Hier ein paar Zitate aus seinem Text ‘Android Won. Windows Lost. Now what? The Battle of the Century is Decided’:

  • ‘We have passed the tipping point now, the balance has tipped and can’t be flipped.’
  • ‘...at one level, the platform level definitely, the winner is Google with Android.’
  • ‘This is like Gulliver and the Lilliputs. Android is the only giant around with the tiny people.’
  • ‘When the data comes in for Q3, 2013, Android will have a larger total ecosystem of devices in use powered by that operating system, than all Windows devices globally in use.’
  • ‘The platform that will be in our cars, soon in our clothes and eventually embedded within humans – all that will be owned and controlled by Google

Ahonen stellt in seinem Text noch einige Zahlenspielereien dazu an wann Android eine Milliarde, zwei Milliarden und irgendwann sogar drei Milliarden Nutzer haben werde - als erste ‘Marke’ überhaupt, die dies jemals geschafft haben wird. Viel dreht sich auch um das Thema mobilen Bezahlens, welches Ahonen als das Zukunftsthema überhaupt ansieht. Alles sehr interessante Gedanken, aber um was es mir heute geht ist der fett markierte Teil des letzten Zitats:

...all that will be owned and controlled by Google

Ich persönliche denke wie Ahonen Android hat ‘gewonnen’ und wird für viele Jahre das weltweit dominierende System sein. Selbst wenn Apple nach einigen Zahlen im Weihnachtsgeschäft in den USA zugelegt hat wird dies Androids Aufstieg nicht wesentlich beeinflussen. Android hat möglicherweise sogar das Potential Windows in Teilen der Welt zu verdrängen, wie es der Chrome Browser mit dem Internet Explorer vermocht hat.

Aber die Frage wer dieses System mit bald Milliarden von Nutzern auf unterschiedlichsten Geräten in den kommenden Jahren beherrschen und kontrollieren wird finde ich nicht so eindeutig zu beantworten. Dabei wie selbstverständlich anzunehmen es werde Google sein bzw. bleiben ist denke ich zu einfach. Ich möchte daher ein paar denkbare Kandidaten durchdeklinieren und in ein paar Jahren werden wir sehen, ob ich damit richtig lag oder nicht.

Für mich sind neben Google auch Samsung, Amazon und China wesentliche Kandidaten für eine Machtübernahme in der Android Welt. Und das sind ihre Stärken:

Google

“Google will know soon, through Android, just about everything one could ever hope to find out, about anyone.” - Tomi Ahonen

Fangen wir mit dem naheliegenden Kandidaten an: Google hat Android nicht nur erfunden (oder gekauft, wie auch immer man will), sondern bis heute die Weiterentwicklung mehr oder weniger (siehe Amazon) fest in der Hand gehalten.

Google stellt Android zwar aller Welt frei zur Verfügung, aber die Weiterentwicklung findet hinter verschlossenen Türen statt und die Möglichkeit einzelnen Geräteherstellern früher Einblick in die kommenden Funktionen zu geben oder gar eine Version komplett unter Verschluss zu halten - wie beim unglücklichen Honeycomb geschehen - gibt Google einen durchaus wirksamen Hebel. Das ist aber nicht der einzige Hebel:

Der Play Store

Android ist offener als Apples iOS oder Microsofts Windows Phone, im Prinzip können Benutzer Apps aus beliebigen Quellen beziehen. Trotzdem ist es der von Google betrieben Play Store, der in weiten Teilen der Welt die einzig relevante Quelle für Apps ist und der mit seinem Umfang alle anderen Android App Stores weit hinter sich lässt.

Zusätzlich baut Google den Play Store nach und nach zu einem Medienangebot aus, welches in der Lage sein soll mit Angeboten von Amazon und Apple zu konkurrieren. Google ist dabei noch lange nicht am Ziel angekommen, aber trotzdem viel weiter als es jeder Android Gerätehersteller in absehbarer Zeit sein kann.

Google ist dabei in der Lage die Ergebnisse seines einzigartigen und schon seit fast 10 Jahren betriebenen Books Projektes zu nutzen, durch Kooperationen mit vielen Musik- und Filmanbietern sind nun Angebote wie Google Music und der Filmverleih möglich.

Nicht unterschätzen darf man auch die Bemühungen von Google die Zahlungsmöglichkeiten im Play Store auszuweiten, so gibt es inzwischen Vereinbarungen mit Mobilfunkanbietern um Abrechnungen über die Telefonrechnung zu ermöglichen und zumindest in den USA auch Gutscheinkarten, die Einkäufe ohne Kreditkarte erlauben.

Wenn Google einem Gerätehersteller den Zugang zum Play Store verweigert würde dies die Vermarktungsfähigkeit eines Smartphones in den meisten Fällen sehr schwierig machen.

Die Kontrolle über einige der wichtigsten Dienste der Welt

Google hat nicht nur die Suche als wesentlichen Dienst, auch GMail, YouTube und Google Maps sind Angebote, die für viele Nutzer kaum verzichtbar erscheinen. Dies hat gerade die Aufregung über das Verschwindung von Google Maps vom iPhone gezeigt.

Ein Android Gerät, welches keinen Zugang zu den Google Diensten hat, würde essentielle Funktionen verlieren. Dazu zählen auch die Spracherkennung, eingebaute Kontakt- und Kalendersynchronisation und Google Now.

Gleichzeitig ist es für Konkurrenten schwierig ähnliche leistungsfähige Dienste selbst aufzubauen, denn Google bietet seine Dienste nicht nur auf Android Smartphones an, sondern immer schon auch als webbasierte Versionen und in den letzten Monaten zusätzlich in starkem Umfang als Apps auf iOS Geräten.

Die Google Dienste verlieren damit in gewisser Weise ihre Eigenschaft als Alleinstellungsmerkmal von Android, aber Google hat so eine vielfach größere Nutzerschaft zur Verfügung, über deren Verhalten die Dienste wiederum verbessert werden können.

Eigene Hardware: Die Nexus Linie und Motorola

Google hat bereits in 2010 damit begonnen Hardware unter dem Nexus Label zu vertreiben, allerdings wurden diese Geräte in eher kleinen Stückzahlen abgesetzt und hatten den Ruf die Zielgruppe der Entwickler und Android Enthusiasten zu bedienen.

Mit dem Mitte 2012 zu einem äußerst günstigen Preis vorgestellten Nexus 7 Tablet ändert sich dies: Hier wollte Google Android den Weg in den Tablet Markt öffnen, etwas, das den Android Geräteherstellern bis dahin kaum gelungen war. Das Nexus 7 war das erste Nexus Gerät welches massenhaften Absatz fand und offenbar in Millionenstückzahlen verkauft wurde.

Beim im Herbst vorgestellten Nexus 4 Smartphone wurde der Markt von Google komplett unterschätzt und eine bis heute anhaltende Knappheit an Geräten verursacht. Auch wenn unklar ist, wie viele Geräte hier letztlich verkauft wurden, ist Google heute ein wesentlicher Geräteanbieter geworden.

Die Nexus Geräte werden dabei von anderen Herstellern wie Samsung, LG, Asus oder HTC produziert. Mit dem Kauf von Motorola hat Google allerdings nun auch eine eigene Hardwaresparte und damit eine gewisse Unabhängigkeit von den asiatischen Geräteherstellern.

Die Marke ‘Android’ und die Open Handset Alliance

Schließlich gehört Google die Marke ‘Android’ und darf von Geräteherstellern nur mit Googles Zustimmung verwendet werden. Und es gibt noch die Open Handset Alliance. Von der OHA hört man wenig und auf der Homepage sind die letzten Meldung von 2011, aber offenbar ist diese Vereinigung nicht ganz zahnlos: So gab es in 2012 Gerüchte, wonach Google über die OHA einen Gerätehersteller ‘auf Kurs’ gezwungen habe, der mit einem - aus Google Sicht - allzu dreist plagiierenden chinesischen Anbieter zusammen arbeiten wollte.

Google hat also jede Menge Trümpfe in der Android Hand. Wer könnte ihnen da in die Quere kommen?

Samsung

Samsung today has sold nearly half of all Android devices in use worldwide. The biggest thank-you from the Googleplex needs to go to Seoul to Samsung's HQ.” - Tomi Ahonen

Von vielen Kommentatoren wird immer wieder das Verhältnis von Google zu den Geräteherstellern betrachtet. Dieses Verhältnis ist einfach und kompliziert zugleich:

Google ‘verschenkt’ ein sehr leistungsfähiges Betriebssystem, welches lange Zeit das einzig zu iOS konkurrenzfähige System war, und gibt auch noch einzigartige Dienste dazu. Die Gerätehersteller können Android einfach nehmen, an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen und müssen nur wenige Bedingungen erfüllen. Wer sollte da nein sagen?

Auf der anderen Seite macht es Android als gemeinsame Basis den Herstellern schwer ihre Kunden an ihre Marke zu binden: Wenn ein modernes Smartphone mehr oder weniger nur noch ein Bildschirm ist und das Betriebssystem überall identisch wie soll man sich differenzieren? Vor allem wenn die Kunden eher an die Google Dienste gebunden sind und ein Wechsel von einem Smartphone zum nächsten dadurch extrem einfach gemacht wird? Und Google von den Androiderweiterungen der Gerätehersteler lernt, gute Lösungen in neue Android Versionen übernimmt und so für alle verfügbar macht? Und selbst anfängt Geräte zu bauen und diese zu extrem niedrigen Preisen zu vertreiben?

Bisher scheint das Verhältnis zwischen Google und den Gerätehersteller ungetrübt zu sein. Ein Grund liegt vermutlich darin, dass kein Gerätehersteller im Konkurrenzkampf mit Apple eine Chance gehabt hätte ein eigenes System zu entwickeln. Dies kann man wohl auch daran erkennen wie schwer es Microsoft und Nokia mit ihren Window Phones haben.

Nun gibt es aber mit Samsung inzwischen einen Gerätehersteller, der ein gewaltiges Gewicht nicht nur in der Android Welt gewonnen hat. Samsung ist in Rekordzeit zum größten Hersteller von Mobiltelefonen im Allgemeinen und Smartphones im Speziellen geworden und hat Nokia und Apple weit überflügelt. Samsung verkauft knapp die Hälfte der heute weltweit abgesetzten Android Geräte und macht dabei sehr ordentliche Gewinne, während für andere Gerätehersteller - abgesehen von Apple - zur Zeit eher wenig übrig bleibt.

Warum hat Samsung diesen Aufstieg geschafft, während z. B. HTC eher dahin dümpelt? Hier kann man vielleicht zum einen die Agressivität und das Selbstbewußtsein von Samsung nennen, mit denen sie insbesondere in die Auseinandersetzung mit Apple gegangen sind und bei der sie sich auch durch Niederlagen nicht haben abschrecken lassen.

Dann zeigt Samsung eine enorme Flexibilität bei der Geräteproduktion, offenbar wollen sie jede denkbare Nische und jede denkbare Preiskategorie mit ihren Produkten besetzen: Das geht los von Geräten, die man für unter 100€ bei Aldi erwerben kann, bis hin zum Galaxy Note II, welches teurer ist als das iPhone.

Und schließlich macht Samsung mit Android deutlich kreativere und mutigere Sachen als die anderen Hersteller, hier eine Auswahl:

  • Das schon genannten Galaxy Note: Dieses Riesentelefon wurde vor einem Jahr allgemein verspottet und als unsinnig bezeichnet. Bis Samsung davon 10 Millionen verkaufte.
  • Wiedereinführung des Stifts: Die Note Geräte bringen wieder einen Stift für die Bedienung mit wie man ihn früher z. B. von Palm Geräten kannte. Damit Apps den Stift nutzen können müssen sie entsprechende Samsung APIs verwenden.
  • Die NFC Technologie, die zuvor nur für Zahlungsfunktionen nutzbar schien, wurde von Samsung erweitert und ‘sozial’ gemacht, indem das mit ihr (auf Samsung Geräten) mögliche Austauschen von Bildern oder Filmen per Geräteberührung zu einem zentralen Bestandteil des Marketings wurde.
  • Mit der Galaxy Camera gibt es einen Fotoapparat mit Android Betriebssystem, aktueller Android Version und sehr großem Bildschirm.
  • Auf den Note Geräten ist es möglich bestimmte Apps parallel laufen zu lassen, so dass sich der Bildschirm besser nutzen lässt. Auch hier müssen App Anbieter ggf. Anpassungen vornehmen, damit ihre Apps damit funktionieren. In Standard Android ist der parallele Betrieb von Apps unverständlicherweise nicht möglich.
  • Samsung bot bei seinen Geräten zuerst einen großen zusätzlichen Cloud Speicher bei Dropbox an (HTC zog hier schnell nach).

Samsung ist daher meiner Meinung nach zu Recht an die Spitze der Smartphone Hersteller gelangt, zeigen sie doch eine immer größere Kompetenz nicht nur auf der Hardware Seite, sondern auch bei der Software. Wenn Samsung nun auf die Idee kommen sollte, dass sie Google nicht mehr brauchen, wie wären sie aufgestellt?

Ein Ersatz für den Play Store

Ohne Apps ist ein Smartphone kein Smartphone, daher müsste Samsung einen Ersatz für den Play Store bieten. Und tatsächlich haben sie so etwas bereits: Auf meinem Samsung Galaxy S II war schon ein Store von Samsung vorinstalliert, allerdings habe ich ihn quasi nie genutzt.

Für die eigene Bada Plattform, von der Samsung offenbar weiterhin größere Gerätezahlen absetzt als Microsoft Windows Phones über alle seine Anbieter, betreiben sie natürlich auch einen App Store. Auch für die kommende Tizen Plattform werden sie dies tun.

Die Erfahrung zum Betrieb eines App Stores haben sie also, sie müssten nur einen Weg finden möglichst schnell möglichst viele Apps hinein zu bekommen.

Markenfrage: Android oder Galaxy?

Eine interessante Frage ist in wie weit Käufer eines Android Gerätes eigentlich wissen, dass es ein Android Gerät ist? Steht nicht vielleicht für viele der von Samsung gut eingeführte Produktlinienname Galaxy ganz stark im Vordergrund? Würde es Kunden also stören, wenn sie in Zukunft kein Android Betriebssystem mehr vorfinden, aber die gleichen Dienste und Apps?

Ich denke Samsung ist hier schon einen guten Weg gegangen durch die oft sinnvollen Erweiterungen und Modifikationen, die sie an Android gemacht haben, und die man bei anderen Anbietern nicht finden kann.

Die Google Dienste

Das größte Problem könnte vielleicht der Ersatz der Google Dienste sein. Wobei es hier mit dem Dropbox Angebot beim Kauf eines neuen Galaxy Geräts vielleicht schon den ersten Schritt in diese Richtung gegeben hat: Wenn die Nutzer schon mal anfangen die Dropbox Cloud zu verwenden und nicht die von Google liegt hier schon mal eine Bindung weniger vor.

Kontakt zu den Mobilfunkanbietern

Ein entscheidendes Element im weltweiten Handymarkt sind die Mobilfunkanbieter. Sie subventionieren Geräte oder tun es nicht und sie entscheiden oft auch über die Zulassung von Geräten, mindestens bei den neuen LTE Netzen.

Samsung hat hier offenbar heute die Macht seine Vorstellungen durchzusetzen, wie man z. B. beim schnellen weltweiten Start des aktuellen Spitzengeräts Galaxy S III sehen konnte. Google scheint hingegen eher auf Kriegsfuß mit den Mobilfunkanbietern zu stehen, jedenfalls kann man den Verzicht auf LTE beim Nexus 4 so deuten und die Auseinandersetzungen um Google Wallet, welches von manchen Anbietern blockiert wird.

Eine eigene Ecke im Android Ökosystem

Mit den eigenen APIs für die Unterstützung der Stiftbedienung und den Anpassungen von Apps für den Multifensterbetrieb gewinnt Samsung einen eigenen Einfluss auf das Android Ökosystem, selbst wenn die Apps weiterhin im Play Store angeboten werden. Durch die schiere Größe Samsungs kann es für App Entwickler eine interessante Option sein ihre Apps entsprechend anzupassen.

Eine Machtfrage könnte dann entstehen, wenn Google entsprechende Funktionen in Standard Android integrieren will, dabei aber nicht die APIs von Samsung nutzen kann oder will. Würde Samsung dann seine eigene Lösung wieder aufgeben? Oder wenn Samsung sich weigern würde, neuere Android Versionen auf ihre Geräte zu bringen.

Amazon

We often go to Amazon just to search something - to see what else Amazon recommends. We are quite literally accessing Amazon 'just to see ads'.” - Tomi Ahonen

Amazon bringe ich hier nicht deshalb ins Spiel weil man ernsthaft annehmen könnte, dass dieses Unternehmen die Android Welt beherrschen werde. Dafür ist Amazon einfach noch zu unwichtig, wenigstens so lange sie keine Smartphones anbieten. Amazon hat sich aber eine ansehnliche Nische im Tablet Markt erstritten und könnte mit seiner dabei gewählten Vorgehensweise vielleicht als Blaupause für Unternehmen wie Samsung dienen:

Amazon hat Android genommen und als Grundlage für ein eigenes Betriebssystem verwendet, welches für die Benutzer nicht mehr als Android zu erkennen ist. Amazon hat dann einen eigenen App Store aufgebaut, der sich relativ schnell mit Apps befüllen lies, da vorhandene Android Apps mit wenig Aufwand auch dort angeboten werden können. Ein solches Vorgehen wäre im Grunde auch für andere Gerätehersteller machbar. Amazon hat allerdings mehrere Vorteile gegenüber Geräteherstellern:

Zum einen hat Amazon schon eine Beziehung zu seinen Kunden und damit insbesondere auch Zahlungsdaten. Zusätzlich hat Amazon ein Medienangebot, welches möglicherweise das größte weltweit ist. Und schließlich müssen sie mit den verkauften Android Geräten kein Geld verdienen, die Gewinne erzielen sie später über die darüber getätigten Käufe bzw. durch die noch weiter verstärkte Bindung der Kunden an Amazon. Amazon ist dabei - ähnlich wie Google - auf vielen Plattformen vertreten, hat also ein Ökosystem welches über seine eigenen Geräte weit hinausgeht.

Möglicherweise wird Amazon in Zukunft seine Version von Android auch an Gerätehersteller lizensieren wie es Microsoft mit Windows Phone macht oder selbst noch weitere Geräteklassen erschließen und die Hardware wie bisher unter eigenem Namen vertreiben. Mit Sicherheit werden sie jedenfalls ihren eigenen Teil des Android Marktes beherrschen.

China

Nachdem es bisher nur um verschiedene Unternehmen ging soll zum Schluß noch ein Staat betrachtet werden und zwar China. China ist nicht nur die Quelle eines Großteils der weltweit vertriebenen Smartphones bzw. ihrer Komponenten, das Land ist auch kurz davor zum größten Smartphone Markt der Welt zu werden und damit den USA den Rang abzulaufen.

Der chinesische Smartphonemarkt ist dabei heute fest in der Hand von Android, alle anderen Anbieter fristen nur ein Nischendasein (wobei so eine Nische auf Grund der Größe des Landes immer noch einige Millionen Geräte umfassen kann). Trotzdem ist China ein Problem für Google:

Seit Google im Jahr 2010 das Land mehr oder weniger verlassen hat um sich nicht mehr den Zensuranforderungen beugen zu müssen leiden Googles Dienste unter starken Behinderungen bis hin zu kompletten Blockaden. Es ist Google daher nicht möglich mit dem Play Store Geld zu verdienen, Kerndienste wie GMail oder selbst die Suche werden immer mal wieder abgeschaltet und Kartenmaterial für Google Maps ist nicht zu erhalten.

Im Endeffekt hat dies bereits dazu geführt, dass chinesische Anbieter auf den jeweiligen Android Varianten die Dienste anbieten, die sonst von Google kommen. Interessant ist hier, dass Apple und Microsoft mit ihren geschlossenen Systemen offenbar Arrangements mit der chinesischen Regierung geschlossen haben, sonst wären sie mit Sicherheit nicht in der Lage ihre Systeme zu betreiben und Profite daraus zu ziehen. Trotzdem sind sie Nischenanbieter geblieben.

Die Chancen, dass Google seine Prinzipien über Bord wirft und versucht durch Unterwerfung wieder in den chinesischen Markt vorzudringen erscheinen mir gering, insbesondere wenn man die neuesten Vorstellungen der chinesischen Regierung betrachtet, die auf eine komplette Kontrolle der Apps in den Apps Stores hinauslaufen. In der weitestgehenden Form würde dies erfordern, dass die App Store Betreiber den staatlichen Zensoren sogar ein Reverse Engineering der eingestellten Apps vor Veröffentlichung ermöglichen. Es wird interessant sein zu sehen wie Apple und Microsoft damit umgehen werden, wenn es so weit sein sollte. Bei Google kann ich mir das unter dem heutigen Management nicht vorstellen.

In China entsteht damit ein Smartphone Markt, der sehr stark von der Regierung beeinflusst sein wird und vermutlich lokale Anbieter, die sich unter alle Regelungen unterwerfen, deutlich bevorteilt. Dieser extrem große Markt wird sich vermutlich weitgehend vom Rest der Welt abkoppeln, vielleicht wird es sogar komplette Abspaltungen von Android geben, die dann große lokale Ökosysteme bilden.

Trotzdem wird China vermutlich weiterhin die Quelle für große Mengen extrem günstiger Android Geräte mit Google Zertifizierung bleiben, die dann außerhalb von China vertrieben werden.

Fazit

Das Android Ökosystem wird sich meiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren zu einer Gruppe von Ökosystemen entwickeln, wobei einzelne der Teilökosysteme in dieser Gruppe vermutlich die jeweils größten auf der Welt sein werden. Zwischen diesen Teilökosystemen gibt es Austausche in Form von Apps und Diensten, da sie eine gemeinsame Basis haben und damit ein leichter Übergang für die Entwickler - und vielleicht auch für die Nutzer - möglich sein sollte.

Die Herrschaft über diese ‘Android’ Ökosysteme wird aber nicht in jedem Fall Google haben.

Das muss nichts Negatives sein (nun ja, bis auf das China Beispiel vielleicht), im Grunde ist es ein Zeichen eines wahrhaft offenen Systems. Und es wird vielleicht eine Rolle bei zukünftigen Fragen spielen, ob es im Android Bereich monopolhafte Verhältnisse gibt.
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