Montag, 11. Januar 2010

Heiligenhafen nach ‘Daisy’

In unserem diesjährigen Winterurlaub in Heiligenhafen erreichen uns viel mehr Anrufe von Freunden und Verwandten als in früheren Jahren. Alle sind in Sorge. Anlass sind offenbar die recht drastischen Schilderungen der Lage nach dem Durchzug von Tief ‘Daisy’ in Fehmarn und nahen Städten, die unter Stromausfällen und starken Schneeverwehungen leiden oder litten. In Heiligenhafen war es aber nach unserem Eindruck nicht wirklich dramatisch, und damit man uns glaubt hier eine kleine Bilderstrecke von gestern und heute.

Schnee, aber nicht in Massen

Am Samstag, dem 09.01.2010, ist in Heiligenhafen fast kein Schnee gefallen, am Sonntag überhaupt keiner. Erst am heutigen Montag fällt eine nennenswerte Menge (insbesondere jetzt, während dieser Text geschrieben wird).

Die 'Famila' Kreuzung in Heiligenhafen mit Schneehaufen, H. Brune Das trotzdem an einigen Stellen durchaus gewaltige Schneewehen oder geräumte –haufen entstanden sind, liegt aber daran, dass der scharfe Wind allen in den Vortagen gefallenen Schnee wieder aufgenommen, weiter transportiert und an einigen wenigen Stellen konzentriert hat. So sieht man in der Landschaft hohe Schneewehen (man beachte im folgenden Bild den Kopf des Hundes) neben komplett blanken Äckern:

Schneewehe in Heiligenhafen, H. Brune Die flachen Äcker sahen daher bei richtig gewähltem Blickwinkel heute Nachmittag so aus, als ob in den letzten Tagen und Wochen fast kein Schnee gefallen sei:

Felder bei Heiligenhafen im Winter, H. Brune Wenn man hingegen an andere Stellen geht, so finden sich richtige Schneewehen:

Zorro auf hoher Schneewehe, H. Brune Für dieses Bild stand der Fotograph aufrecht und war nicht etwa auf Knien, Zorro ist also ungefähr auf Kopfhöhe, während er den Gipfel dieser massiven Schneewehe schon überwunden hat.

Starker Wind und Hochwasser

Wirklich extrem waren für uns Binnenländer hingegen die Windverhältnisse am Samstag und Sonntag. Für die Küstenbewohner ist so ein brausender Sturm vermutlich gewohnt, für uns war er das wesentliche Erlebnis am Wochenende. Wann haben wir bei uns schon mal einen Wind, der einen vor sich herschiebt bzw. das Vorwärtskommen auf gerade Strecke ähnlich anstrengend werden lässt wie einen Aufstieg auf unseren heimischen Teutoburger Wald?

Schneetreiben in Heiligenhafen, H. Brune Ein Wind der so hart ist, dass er schon seit Tagen liegenden Schnee wieder aufnehmen und viele Kilometer mit sich führen kann und dann auch noch zwei volle Tage lang anhält? Vermutlich nur einmal in 10 Jahren.

Eine Folge dieses Windes war denn auch ein hoher Wasserstand, der im Yachthafen die Stege zum größten Teil im Wasser versinken lies:

Stege unter Wasser in Heiligenhafen, H. Brune Sonst sind diese Stege wenigstens einen halben Meter über dem Meeresspiegel. Am Strand spuckte die aufgewühlte Ostsee jede Menge Treibgut aus:

Treibgut am Strand von Heiligenhafen, H. Brune Im Hintergrund kann man die Windräder auf Fehmarn sehen. Ob diese im Sturm wegen zu viel Wind oder weil die Stromleitungen unterbrochen waren abgeschaltet werden mussten haben wir leider nicht beobachtet.

Für die Tierwelt ist das Wetter kein Problem

Die Wetterunbilden scheinen aber eher uns Menschen zu berühren, die Natur in Form ihrer Tiere und Pflanzen ist offenbar nicht weiter beeindruckt. So sind die Enten, Möwen, Gänse, Kormorane, Wasserhühner, Saatkrähen und so weiter wie immer am Hafen, am Gras- und am Steinwarder zu beobachten:

Möwen in Heiligenhafen, H. Brune

An den von Eisschollen durchsetzen Meeresrändern gründeln die Stockenten und die Möwen scheinen mit dem Wind, und sei er noch so stark, geradezu zu spielen.

Auf den kahlen, dem Wind schutzlos ausgesetzen Äckern am Steilufer sind überall Hasen zu sehen, die in kleinen Gruppen ohne Deckung zu suchen dem Sturm und dem Schnee trotzen:

Hasen in Heiligenhafen, H. BruneOffensichtlich macht den ‘Seehasen’ dieses Wetter nicht das Geringste aus. Auch die Gürtelgalloways hinter dem Ferienzentrum stehen zwar dicht zusammengedrängt um die Futterstellen, wirken aber unter ihren unglaublich dicken Pelz völlig ungerührt und beschäftigen sich wie immer im wesentlichen mit Wiederkäuen:

Gürtelgalloway in Heiligenhafen, H. Brune So lange es friert und damit ‘trocken’ bleibt, haben sie keine Probleme. Nur das Hochwasser macht ihnen vielleicht ‘Sorgen’: Es hat noch heute große Teile ihrer Salzwiesen überschwemmt, so dass die Rinder auf ihrem Futterhügel bleiben.

Für uns Urlauber ein Erlebnis

Für uns Urlauber ist dieses aufregende Wetter schön, auch wenn es den Einheimischen wohl eher lästig fällt. Auch beim Fotografieren bietet es Motivmöglichkeiten, die von der See ganz ungewohnt und neu sind. Mit einem solchen, eher abstrakten und leicht verfremdeten Motiv endet der kurze Wetterbericht aus Heiligenhafen nach ‘Daisy’:

Distel im Schnee in Heiligenhafen, H. Brune

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