Sonntag, 28. April 2013

Google Drive für simple Webhostingzwecke nutzen

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass man das Google Drive auch für das Hosting von Webinhalten verwenden kann. Warum sollte man das tun? Weil man so eine einfach zu nutzende, gut integrierte Plattform bekommt, die mit einigen einzigartigen Möglichkeiten wie der Echtzeitkollaboration aufwarten kann. Ich denke dabei nicht, dass man seine produktiven Webserver oder Content Management Systeme durch das Google Drive ersetzen kann (oder sollte), aber für Prototyping und das schnelle Onlinestellen von Inhalten, über die man mit anderen noch diskutieren will, ist das eine interessante Alternative.  

Wie es genau funktioniert 

Die Beschreibung von Google dazu ist recht spartanisch und richtet sich eher an Entwickler, die über auf das Drive zugreifende Anwendungen automatisch ganze Webauftritte publizieren wollen. Auf der Lifehacker Webseite gibt es aber eine bessere Beschreibung. Diese kann man so übersetzen:
  1. Man gründet einen eigenen Ordner im Drive und gibt diesen öffentlich frei (die öffentliche Freigabe ist heute offenbar eine notwendige Voraussetzung. Für streng geheime Inhalte ist das Drive Hosting damit nicht geeignet).
  2. Aus dem Freigabedialog kopiert man sich die URL. Hier ein Beispiel:

    https://drive.google.com/folderview?id=0B0ttwGA5GF3USzQtMHRKZ1dRSzg&usp=sharing
  3. Von diesem Link interessiert nur die ID, hier 0B0ttwGA5GF3USzQtMHRKZ1dRSzg. Damit baut man sich dann die Hosting Adresse:

    https://googledrive.com/host/0B0ttwGA5GF3USzQtMHRKZ1dRSzg/
Freigabeeinstellungen und Link
Voila, das Google Drive Hosting ist fertig. Wenn man eine index.html Datei in das Verzeichnis legt wird diese direkt angezeigt, ganz wie man es gewohnt ist. Aus den im Verzeichnis abgelegten HTML Dateien heraus kann man andere Dateien mit CSS- und JS-Code aufrufen, natürlich auch Bilder. Unterverzeichnisse funktionieren ebenfalls.

Anwendungsfall Prototyping

Meine erste produktive Nutzung des Drive Hostings bestand in einem Prototyping: Es ging darum von bestimmten Seiten einer unserer J2EE Anwendungen mehrere alternative Überarbeitungen zum Vergleich vorzustellen. Da die dynamischen Serverkomponenten nicht gebraucht wurden reichte es statische Abzüge zu bearbeiten und die Links dazu dann per eMail für die weitere Diskussion verschicken zu können. Mit dem Google Drive Hosting lies sich das dann so lösen:
  • Anlegen eines neuen Verzeichnisse auf einem Windows PC. Das Verzeichnis befindet sich in einem Bereich, der vom Google Drive Client synchronisert wird und wandert so automatisch in die Cloud. 
  • In das Verzeichnis wird eine statische Kopie der zu bearbeitenden Webseite gelegt. Nach meiner Erfahrung ist hier Opera am besten geeignet: Nur Opera speichert auch in CSS Dateien referenzierte Bilder mit ab.
  • Nun kann man schon mit Windows Werkzeugen (in meinem Fall Eclipse) anfangen die statische Kopie zu bearbeiten. Die Änderungen gehen gleich in die Cloud. Wenn man die Inhalte direkt im Drive bearbeiten will bieten sich Tools wie das Neutron Drive an. Wenn man allerdings viel STRG-R Entwicklung macht ist es schneller lokal zu arbeiten.
  • Am Ende (oder auch am Anfang) veröffentlicht man dann das neue Verzeichnis wie oben beschrieben und kann den Link an die Personen verschicken, die das fertige Werk begutachten sollen.
Ich denke bei mir wird das Drive Hosting einen festen Platz in der Arbeitsroutine bekommen.

Sonntag, 21. April 2013

Zum Stand der Browser Kriege || Wühlen in Statistiken 03/2013

Ein Jahr ist schon wieder vergangen seit dem letzten Blogpost zum Stand der Browserkriege. In dieser Zeit hat sich die grundlegende Veränderung der Marktanteile der Webbrowser weiter fortgesetzt und gleichzeitig sind neue Trends auszumachen wie die Auswirkungen der sogn. Post-PC-Ära und der Aufstieg der Webkit Browser.

Kurzkritik an NetMarketShare

Bevor es in die Zahlen geht ist wieder - noch stärker als vor einem Jahr - die Frage zu stellen auf welchen der beiden großen Webstatistiker man sich verlässt. Die Zahlen von NetMarketShare und StatCounter haben sind in den letzten 12 Monaten noch weiter auseinander entwickelt und zeigen nun sogar gegenläufige Trends auf. Ich verlasse mich weiterhin auf StatCounter. Gegen NetMarketShare sprechen aus meiner Sicht weiterhin diese Gründe:
  1. Die statistische Basis ist offenbar deutlich kleiner.
  2. Die Transparenz der Zahlen ist sehr gering da nicht klar ist wie sich die Browseranteile auf die unterschiedlichen Länder verteilen.
  3. Der Versuch NetMarketShares einzelne Benutzer zu identifizieren macht das Verfahren noch intransparenter.
  4. Die so aufbereiteten Benutzerzahlen werden auf Basis von inkonsistenten Bevölkerungstabellen gewichtet, wodurch z. B. China ein sehr starkes Gewicht bekommt.
  5. Den Ausschluss von Zugriffen aus Chromes Prerendering Funktion halte ich bei NetMarketShare (nicht bei StatCounter) weiterhin für einen konzeptionellen Fehler.
  6. Tablets werden nicht zu den Desktoprechnern gezählt.
Also weiter mit StatCounter. Wichtig ist es sich daran zu erinnern, dass StatCounter die Anzahl der gezählten Webseitenabrufe auswertet und nicht versucht irgendwelche Aggregationen der Daten zu machen.

Die weltweiten Marktanteile 

Die weltweiten Marktanteile der Desktop Browser sehen bei den beiden Statistikern nun so aus (die Zahlen sind etwas gerundet):

März 2013
StatCounter
NetMarketShare
Chrome
38%
16,5%
Internet Explorer
29,3%
55,8%
Firefox
20,9%
20,2%
Safari
8,5%
5,3%
Opera
1,2%
1,7%

Chrome hat also bei StatCounter heute mit deutlichem Abstand die Führung übernommen. Die Entwicklung der letzten 12 Monate sieht dort so aus:


Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share


Auf Sitepoint hat man sich die Mühe gemacht die relativen Änderungen in den letzten 12 Monaten auszurechnen.

Die Verteilung in den 20 Ländern mit den meisten Internetnutzern

In den Ländern mit den vermutlich meisten Internetnutzern (Quelle) sieht es bei den Desktopbrowsern so aus:

März 2013ChromeInternet ExplorerFirefox
China24,7% (+)55,6% (-)3,3%
USA26%40,3% 16,3%
Indien48,8% (+)15,7% (-)30,4% (-)
Japan22,3% (+)52,4%14,3%
Brasilien60,7% (+)18,9% (-)17,1%
Russland39% (+)16,1% (-)22,6%
Deutschland21% (+)22,8% (+)45,2% (-)
Indonesien29,7% (+)2,5%60% (-)
England33,6%32%16% (-)
Frankreich34,3% (+)25,5% (-)28,1% (-)
Nigeria22,1%18,8%43,5%
Mexiko48,8% (+)30,6% (-)13% (-)
Iran18,3% (+)33,6% (-)42,5% (+)
(Süd-)Korea20,4%71,5%2,9% (+)
Türkei54,9% (+)33,4% (-)9,8%
Italien38,9%31%19,6% (-)
Philippinen63,8% (+)6%23,4% (-)
Spanien42,7% (+)25,6% (-)22% (-)
Vietnam52,3% (+)11,1% (-)29,4% (-)
Ägypten40,3% (+)14,5% (-)40,6% (+)
#
11 (+)4 (-)5
Quelle: StatCounter

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Liste verändert, sowohl in der Reihenfolge wie auch in den enthaltenen Ländern. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass gerade in sehr stark gestiegenen Ländern wie Indien oder Indonesien der Anteil der Internetnutzung über mobile Geräte viel schneller zu wachsen scheint als es in den 'alten' Internetländern der Fall ist.

Die inzwischen verfügbaren Weltkarten bei StatCounter geben die Änderungen schön auf einen Blick wieder:
März 2012
März 2013
 Das 'Grün' von Chrome hat sich deutlich ausgebreitet, das 'Braun' von Firefox ist heute mehrheitlich in Afrika zu finden. Das 'Blau' des Internet Explorers ist geringer geworden und die roten Flecken von Opera sind verschwunden. Aber nun zu den einzelnen Browsern:

Chrome

Der Google Browser konnte seinen unglaublichen Aufsteig weiter fortsetzen und hat nun einen komfortablen Vorsprung vor dem Internet Explorer. Dies gilt um so mehr, wenn man noch die einzelnen Browserversionen unterscheidet:


Wenn man nach Kontinenten geht, so ist Chrome nun in Europa, Afrika und Asien führend, in Südamerika ist die Dominanz bereits so groß geworden, dass sie an den IE erinnert:



Nur in Nordamerika stagniert der Browser mehr oder weniger. Dafür ist sein Wachstum in den Ländern mit der am schnellsten wachsenden Internetnutzerschaft ungebremst, hier z. B. Indien:


Dies und die Tatsache, dass Chrome auch bisher schon Generationswechsel bei den PC Betriebssystemen offenbar ohne große Nutzerverluste überstanden hat lassen die Vermutung zu, dass der Google Browser noch nicht am Ende seines Aufstiegs angekommen ist. Im Gegensatz zum Internet Explorer und Firefox gibt es in den 20 Ländern mit den meisten Internetbenutzern auch kein einziges, in dem Chrome nicht bereits eine wesentliche Nutzerbasis errungen hat. 

Auch in technischer Hinsicht und beim Marketing lässt Google keine 'Ermüdungserscheinungen' erkennen und hat offenbar weiterhin Großes vor. Einige Stichpunkte dazu:
  • Google entwickelt mit RoboHornet und Octane weitere moderne Benchmarks, die die Browserentwicklung voran treiben sollen. 
  • Das Commitment zur Betriebssystemvariante ChromeOS wird in dem superteuren Chromebook Pixel sichtbar. 
  • Neben SPDY als HTTP Nachfolgeprotokoll hat Google mit Arbeiten an dem UDP Nachfolger QUIC begonnen. 
  • Bis vor kurzem setzte Chrome auf Webkit, nun hat Google aber angekündigt einen eigenen Fork mit Namen Blink zu gründen. Dazu unten mehr. 
  • Die Arbeiten an der Javascript Nachfolgesprache Dart gehen immer weiter. 
  • Google veranstaltet weiterhin seine Pwnium Wettbewerbe, in denen Sicherheitsexperten aufgefordert werden gegen immer höhere Belohnungen Lücken in Chrome/ChromeOS zu finden.

Internet Explorer

Der Microsoft Browser liegt inzwischen mit seiner verbreitetsten Version 9 hinter den kombinierten Nutzungszahlen nicht nur von Chrome, sondern auch von Firefox:


Microsoft hat in den letzten Jahren zwar gezeigt, dass sie den Kampf um einen konkurrenzfähigen Browser nicht aufgegeben haben, aber bei den Marktanteilen scheint sich die nicht ausgezahlt zu haben. Ein Grund lag möglicherweise darin, dass Microsoft seine neueren Browser ab Version 9 nicht mehr für die immer noch in großer Zahl verwendeten alten Betriebssystemversionen wie XP verfügbar gemacht hat. Die modernste Version 10 wurde erst kürzlich für Windows 7 verfügbar und ist daher bisher kaum verbreitet.

Die sicherste Basis hat der IE weiterhin in den Vereinigten Staaten und asiatischen Ländern wie China, Japan und Südkorea:


Firefox

Die freie Browser setzt seinen langsamen Abstieg fort, was allerdings nicht unbedingt bedeuten muss, dass er tatsächlich von weniger Menschen verwendet wird, da sich das Netz immer noch in neue Teile der Welt ausbreitet. Mozilla hat inzwischen auf den gleichen, sehr schnellen Releasewechsel umgestellt, den Google mit Chrome vorgemacht hat, und die Stimmen, die deshalb stark gegen Firefox gesprochen haben, scheinen in den letzten Monaten verstummt zu sein. Dafür hat Mozilla gezeigt, dass sie auch schnell sein können mit Innovationen und Firefox liefert sich heute ein echtes Rennen mit Chrome. Meine pessimistische Prognose von 2011 scheint damit nicht einzutreffen. Das Vorzeigeland für Firefox ist weiterhin Deutschland:

Safari

Apples Safari Browser ist als einziger heute fest an die Geräteplattform des Herstellers gebunden, da Apple die Windows Version von Safari vor einiger Zeit eingestellt hat. In der Statistik hat dies zu keinem Einbruch geführt, wohl ein Zeichen dafür, dass Apples Entscheidung zur Einstellung auf die Erfolglosigkeit des Browsers außerhalb der eigenen Betriebssysteme zurückzuführen ist. 

Der kontinuierliche Aufstieg von Safari ist damit ein direktes Zeichen des Erfolgs von Apple Geräten. In der StatCounter Statistik werden dabei iPads richtigerweise ebenfalls als Desktoprechner gewertet. Dieser Erfolg ist mehr oder weniger auf die reichen westlichen und asiatischen Länder beschränkt, ist dort aber teilweise enorm:

Neue Gruppen

Ergänzend zu den gewohnten Betrachtungen der wichtigsten Browser möchte ich dieses Mal noch Gruppen betrachten, die sich auch meiner Sicht als besonders relevant erwiesen haben. 

Neue Gruppen I: Die Schnellupdater

Als erste Gruppe möchte ich die Schnellupdater definieren. Das sind die Browser, die vom früher normalen jährlichen Releasezyklen abgerückt sind und nun alle paar Wochen neue Hauptversionen auf die Benutzer loslassen. Diese Gruppe wurde ursprünglich von Google gegründet, inzwischen gehört aber auch Mozilla mit Firefox dazu.

Diese Gruppe hat nun einen Marktanteil von 38%+20% = 58%. In diese Berechnung gehen alle Chrome Versionen und alle Firefox Versionen ab 5 ein.

Man muss sich einmal verdeutlichen, was dies bedeutet: Mehr als die Hälfte der Internetnutzung erfolgt heute über zwei Browser, die sehr schnell weiterentwickelt werden und die in der Lage sind ihre Nutzerschaft über stille Updates in kürzester Zeit mit neuesten Versionen zu versorgen. Es gab wohl noch nie eine bessere Grundlage für eine rapide Weiterentwicklung des Netzs und seiner Basistechnologien.

Die Chancen stehen gut, dass der Anteil noch weiter steigt, da sich Firefox wie beschrieben stabilisiert zu haben scheint und Chrome weiter auf Wachstumskurs ist. Man kann auch noch kleinere Browser wie Opera und Yandex zu dieser Gruppe zählen, die heute auf dem Chromium Projekt beruhen.

Neue Gruppen II: Die Vertreter der Post-PC-Ära

Eine andere wichtige Gruppe sind die Browser, die nicht mehr auf der Windows Plattform ausgeführt werden. Schaut man in die Betriebssystemstatistik der Desktopbrowser, so ist Windows  dort immer noch extrem dominant, aber iOS und Android (auf Tablets) kommen inzwischen schon auf mehr als 5%:


Zwar verschiebt sich das Verhältnis von mobiler und Desktopnutzung nur langsam, aber es verschiebt sich:

Und in einigen Ländern hat sich der Anteil bereits umgekehrt:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share
Gerade die Tablets und die im Android Bereich in immer größerer Zahl angebotenen Übergangsformen zwischen Telefon und Tablet ('Phablets') werden sicher für viele Menschen ein nahezu vollwertiger PC Ersatz sein und den klassischen Desktop PC immer stärker in den Bereich der Arbeit bzw. professionellen Anwendung drängen.

Bei den Mobilbrowsern an sich ist die Landschaft deutlich unübersichtlicher als bei den Desktopbrowser, da sich hier auf Grund der Vielfalt der Geräte und der Betriebssysteme noch ganz andere Anbieter behaupten können:
Android dominiert hier, wobei Chrome (sowohl unter Android wie auch iOS) bisher nur eine Nische ausfüllt. 

Neue Gruppen III: Der Aufstieg (und plötzliche Fall) der Webkit Browser

Schließlich gibt (oder gab) es noch eine dritte interessante Gruppe und das sind die auf Apples Webkit Framework beruhenden Browser. Dies sind heute
  • Safari 
  • Chrome 
  • Android Browser 
  • Opera 
  • Yandex 
und noch einige andere. Diese Browser haben im Desktopbereich bereits einen Anteil von knapp unter 50%, im Mobilbereich sind sie erdrückend. So erdrückend, dass Microsoft sich hier in die ungewöhnte Rolle gedrängt sieht die Webentwickler zu Standardkonformität anhalten zu müssen, damit ihre Window Phones und Windows RT Geräte mit den für mobile Zugriffe optimierten Seiten zurecht kommen können.

Allerdings hat sich - wie oben erwähnt - Google vor kurzem entschlossen Webkit den Rücken zuzukehren und mit Blink eine abgeleitete, eigene Version weiter zu entwickeln. Damit fällt Chrome aus der Webkit Zählung raus, aber auch Opera, Yandex und noch weitere kleine Vertreter.

Es kann daher sein, dass in einer zukünftigen Version vom Aufstieg der Blink Browser die Rede ist und für Webkit dann das gleiche gilt, dass oben zu Safari gesagt wurde, nämlich dass es auf Apples Hardware beschränkt ist. Da Google ein viel klarer definiertes Ziel in der Weiterentwicklung des Webs hat als Apple kann man davon ausgehen, dass Blink schon bald Webkit überflügeln wird.

Samstag, 6. April 2013

Ein Abstieg in die Windows Crapware Hölle (Plädoyer für das ChromeBook)

Eigentlich dränge ich mich schon lange nicht mehr bei Bekannten und Verwandten für die Lösung von Problemen auf, die ’irgendwas mit Computern’ zu tun haben. Vor ein paar Tagen war es dann doch mal wieder so weit. Da ich selbst schon lange keinen Windows PC mehr erworben habe fand ich die dabei gewonnenen Eindrücke so interessant, dass ich sie einmal aufschreiben will.

Teil 1: Die verfluchte ASK Toolbar

Der erste Teil war leicht und der Grund warum ich mich überhaupt auf die Sache eingelassen habe. Es begann mit dem Satz der Bekannten ’Also seit gestern bin ich mit Google fertig!’. Das konnte ich natürlich nicht ignorieren und auf die Frage was dahinter steckt stellte sich heraus, dass der von mir empfohlene Chrome Browser seit einiger Zeit eine nervige Toolbar zeigte und auch die Suchmaschine verstellt sei.

Ich denke jeder, der sich um Windows Rechner zu kümmern hat, weis welche Toolbar hier gemeint ist: Natürlich die supernervige ASK Toolbar, die Oracle einem nun bei den viel zu häufig notwendigen Java Updates unterschiebt. Wer will kann sich an dieser Petition beteiligten, die sich gegen dieses Vorgehen richtet.

Für mich war das der Grund nicht nur Ask zu deinstallieren, sondern auch Java komplett von diesem Rechner zu entfernen. Kein leichter Schritt für mich als Java Entwickler, aber Oracle treibt es hier gerade eindeutig zu weit und angesichts der jede Woche neu auftauchenden Sicherheitsprobleme kann man eigentlich niemandem mehr zumuten Java ohne Not auf seinem Rechner zu behalten.

Teil 2: Der nagelneue, aber unbrauchbare Windows 8 Laptop

Da ich nun schon mal dabei war ging es danach an den kostengünstigen, frisch beim Media Markt erworbenen Toshiba Laptop mit Windows 8. Hier war eigentlich nur die Frage zu klären was bestimmte, immer wieder auftauchende Warnungen zu bedeuten haben. Aber nun begann der Teil, der mehr als zwei Stunden dauern und einiges an Nerven kosten sollte.

Wie man es gewohnt ist habe ich erst einmal Windows die aufgelaufenen Updates installieren lassen. Das geht ja normalerweise recht schnell. Hier dauerte dieser automatische Vorgang mehr als eine Stunde. Und wenn ich mehr als eine Stunde sage meine ich das wortwörtlich.

Auch der erste Start nach dem Update dauerte enorm lange. Der fünf Jahre alte Laptop, den ich am vergangenen Wochenende auf Windows 8 aktualisiert hatte, ist dazu im Vergleich rasend schnell.

Endlich auf der Wir-dürfen-sie-nicht-mehr-Metro-nennen Oberfläche angekommen wurde dann auch klar warum das nagelneue Gerät so unglaublich langsam war: Tonnen von Crapware, die den Laptop schon out of the box zu einer verkrüppelten Schnecke machten. Die folgende Software habe ich dann - mit vielen Reboots - deinstalliert. Die Reihenfolge geht grob von ‘harmlos, aber unnötig’ hin zu einer Sache, die ich für einen echten Täuschungsversuch halte:
  • Ein Programm, welches einen Amazon Link auf den Desktop legt.
  • Nero: Das hatte ich in Erinnerung als Programm zum CD und DVD Brennen. Aber in diesem 800MB großen Monster muss sich heute alles mögliche verbergen. Gelöscht, da Windows 8 für Datensicherungen etc. völlig ausreichende Möglichkeiten schon mitbringt.
  • McAfee: Ein Virenscanner ist unter Windows notwendig, aber Microsoft hat mit dem Defender inzwischen selbst ein entsprechendes Produkt in Windows 8 integriert. Also runter damit.
  • Irgendein Downloadhelfer, der sich in allen Browsern eingeklinkt hatte und dessen Icon selbst nach der Deinstallation nicht verschwinden wollte. Unnötig.
  • Ein Program für ‘Internet Anonymität’. Ich habe es mir nicht genauer angesehen, aber Browser wie Chrome haben mit dem Inkognito Modus selbst bessere Mittel schon integriert. Weg damit, im Zweifelsfall ist damit auch eine potentielle Spionagesoftware entfernt.
  • Ein ‘PC Beschleuniger’. Nach dessen Deinstallation verschwanden die meisten der irritierenden Meldungen und der Laptop wurde spürbar schneller!
  • Ein ‘App Store’ von Intel. Auf einem Rechner mit AMD Prozessor. Runter damit.
  • Eine Spieleplattform. Sie zeichnete sich dadurch aus, dass man bei der Deinstallation jedes der ca. 20 angebotenen Spiele separat für die Deinstallation auswählen muss. Geht es noch stumpfer? Ja:
  • Noch ein paar Programme, die sich tief in den Browsern eingenistet hatten. Das scheint ein Trend zu sein um die Benutzer in der heute wichtigsten Anwendung auf dem PC beeinflussen und vielleicht auch beobachten zu können. Eines dieser Programme hatte einen Deinstaller, der die vorausgewählte Option hatte mit der Deinstallation gleich eine andere Müllsoftware zu installieren.
  • Eines dieser Programme war vermutlich für die Änderung der Suchmaschine und der Startseite im frisch installierten Chrome Browser verantwortlich. Das ist der Teil, den ich für hart an der Grenze zu einer böswilligen Täuschung halte: Hier wurde ohne den Benutzer zu fragen die mir bis dato unbekannte Delta Search eingestellt. Der folgende Screenshot zeigt sie:


Selbst ich habe einen Moment gebraucht um zu bemerken, dass ich hier nicht in der Google Suche gelandet war, denn die fetten Werbeanzeigen erst kommen sobald man mit der Seite interagiert. Wenn man sich die Links oben anschaut, so führen diese teilweise sogar zu Google Diensten. Wirklich frech und offensichtlich so gestaltet, dass sie bei den Nutzern den Eindruck der gewohnten Google Suche erwecken sollen. Ob Google diese Seite kennt?

Nach diesen Schritten war der Rechner dann schon besser nutzbar. Übrig blieben nur ca. 10 Anwendungen von Toshiba. Da nicht unmittelbar klar war welche sie Funktion haben - vielleicht wichtig - habe ich mich darauf beschränkt die Apps zu deinstallieren, die durch Meldungen nervten und alle entsprechenden Icons von der ‘Metro’ Oberfläche zu entfernen.

Eigentlich hätte der Abend dann in einem Erfolg enden können. Allerdings stellt sich dann das Problem ein, dass die Maus nach dem Benutzerlogin nicht mehr funktionierte. Erst am nächsten Tag löste sich das Problem, da plötzlich (meint: ohne Zutun von irgendjemandem) alles wieder funktionierte. Irgendwie dubios und wenig Vertrauen erweckend.

Windows 8 ist kompliziert, die ‘Verbesserungen’ machen es unbrauchbar

Ich befasse mich erst seit ein paar Tagen intensiver mit Windows 8. Grundsätzlich sieht es meiner Meinung nach an vielen Stellen schicker aus als je zuvor. Und wenn man sich ein paar Tastenkombinationen wie STRG+ESC, Windowstaste+C und Windowstaste+X merkt kommt man gut voran.

Trotzdem ist es ein tief gespaltenes System, welches die altbekannte Desktopmetapher mit der neuen ‘Metro’ Oberfläche ergänzt, dabei aber noch keine durchgehende Linie erkennen lässt. Ein produktiveres Arbeiten ist damit meiner Meinung nach nicht möglich, zu oft muss man zwischen den verschiedenen Gesichtern des Betriebssystems umdenken und wie ich jemanden ohne große Kenntnisse im Umgang mit Computern erklären sollte was man wo am besten macht hat sich mir bisher nicht erschlossen.

Wenn dann noch Massen von ‘Verbesserungssoftware’ vorinstalliert sind, die den neuen Windows Nutzer mit Warnungen und Hinweisen anspringen, wird die ohnehin schon steile Lernkurve unüberwindlich.

Microsoft müsste seine Marke besser schützen

Die Verkaufszahlen von Windows 8 sind offenbar alles andere als gut. Abgesehen von den Problemen, die Microsoft sich selbst zuzuschreiben hat, verschlimmert das offene Modell der Distribution von Windows Geräten die Situation jetzt noch weiter.

Dieses Problem ist in der Windows Welt nicht neu, aber angesichts der schon grundsätzlich bei Windows 8 vorhandenen Akzeptanzprobleme - und der wachsenden Konkurrenz durch sehr einfach zu bedienende Geräte wie Tablets - sind Kunden heute glaube ich weniger bereit so etwas als gegeben hinzunehmen und die Schuld für grauenhaft funktionierende Rechner bei sich selbst zu suchen.

Vermutlich müsste Microsoft versuchen seine Hersteller und den Vertrieb hier stärker an die Kandare zu nehmen. Oder die selbst hergestellten Surface Produkte aggressiver vertreiben und so in Konkurrenz zu den anderen Herstellern treten. Dies sind aber alles keine Lösungen, die sich schnell durchsetzen lassen. Vermutlich ist es schlicht am einfachsten Windows 8 komplett zu vermeiden.

ChromeBooks: Die problemlose Alternative

Nach diesen Erfahrungen in der Windows 8 Welt empfehle ich jedenfalls erst recht bei der Neuanschaffung eines Laptops ernsthaft über ein ChromeBook nachzudenken. Inzwischen sind diese Geräte auch in Deutschland verfügbar, Google hat dazu eine eigene Startseite aufgebaut.

Welche Argumente für ein ChromeBook sprechen hatte ich vor langer Zeit schon einmal in einem ziemlich umfangreichen Post beschrieben. In Kurzform sind es für mich weiterhin diese Punkte:
  1. ChromeBooks sind extrem simpel zu verwendende Geräte: Die erste Einrichtung geht in Minuten (es geht dabei eigentlich nur um die WLAN Konfiguration), danach muss nichts mehr gemacht werden.
  2. Die Sicherheit von ChromeOS ist die beste, die man heute als Endverbraucher von einem Betriebssystem bekommen kann. Das Konzept macht Virenscanner etc. überflüssig. Auch wer beim Onlinebanking bisher immer ein schlechtes Gefühl hatte sollte überlegen zu wechseln.
  3. Ein ChromeBook lässt sich einfach mit vielen verschiedenen Personen teilen, die einzelnen Benutzer sind dabei komplett voneinander getrennt und können sich nicht in die Daten schauen.
  4. Die Preise sind meist deutlich niedriger als bei Windows Geräten.
  5. Ein ChromeBook startet extrem schnell, aus dem Schlafmodus heraus ist es ähnlich schnell verfügbar wie ein Tablet.
  6. Die Oberfläche von ChromeOS ist Windows Benutzern vertrauter als die von Window 8.
  7. Keine nervigen Updates von allen möglichen Programmen. Das Betriebssystem aktualisiert sich still im Hintergrund und das war es auch schon.
  8. Es gibt gar keine Möglichkeit für die Geräteanbieter oder den Vertrieb irgendwelche Crapware zu installieren.
  9. Google aktualisiert ChromeOS oft und baut die Funktionen alle paar Wochen aus. 
  10. Das System verstopft nicht im Laufe der Zeit - wie von Windows gewohnt - mit Überresten von alten Programmen und wird immer langsamer. Google verspricht hingegen, dass das System mit der Zeit eher schneller wird. Nach meiner Erfahrung mit einem ChromeBook stimmt das.
Trotzdem sind ChromeBooks nicht für jeden Zweck geeignet. Wenn z. B. das Microsoft Office in vollem Umfang gebraucht wird oder irgendeine auf Java basierende Software (z. B. das ELSTER Programm und auch die Elster Online Webseite) muss über Alternativen nachgedacht werden.

Aber man sollte vor einer Neuanschaffung in jedem Fall einmal einen Blick auf die Option ChromeBook werfen

Dienstag, 22. Januar 2013

Erfahrungen mit der Google Maps Navigation

An diesem Wochenende sind wir in zwei Etappen von der Ostsee wieder ins heimische Ostwestfalen zurück gekehrt und dabei lief die ganze Zeit die Google Maps Navigation auf dem Nexus 4 Smartphone. Die Navigation nutzten wir dabei nicht primär um den Weg zu finden - der ist ja nicht so kompliziert - sondern um eventuelle Staus und Unfallstellen zu erkennen. Die dabei gemachten Erfahrungen habe ich hier aufgeschrieben.

Hintergrundinfos

Zuerst in paar Hintergrundinfos für diejenigen, die Google Maps noch nicht auf dem Smartphone als Navigationsgerät verwendet haben: Im Prinzip hat man hier die gleiche Routensuchmöglichkeit wie in der Google Maps Webseite, allerdings mit weniger Optionen (dazu unten mehr). Man kann auf dem Android Smartphone - und neuerdings auch auf dem iPhone - die Route dann in einem echten Navigationsmodus zeigen lassen, der einem dann Schritt für Schritt zum Ziel führt. Das sieht dann z. B. so aus:



Dies ist der Übersichtsmodus, der die komplette noch zu fahrende Strecke zeigt. Die Farbkodierungen zeigen dabei Verkehrsbelastung des jeweiligen Streckenteils an. Normalerweise fährt im anderen Modus, der immer das gerade vor einem liegende Straßenstück zeigt.

In beiden Modi ist aber insbesondere die Anzeige unten links zu sehen (hier die Ziffern 12:39), welche neben der geschätzten Fahrtzeit / Ankunftszeit über einen farbigen Punkt (hier in gelb) einen sofortigen Eindruck vermittelt, ob man auf der bevorstehenden Strecke mit Stauungen zu rechnen hat.

Daran, dass dieser Punkt die Farbe wechselt bzw. wenn die berechnete Zeit sich plötzlich deutlich verlängert kann man erkennen, dass eine Verkehrsbehinderung vorliegt. Das technisch interessante daran ist, dass die Informationen über die Verkehrslage nicht von den üblichen Verdächtigen, also der Polizei bzw. den Autobahnmeistereien kommen, sondern von den Autofahrern bzw. ihrem Smartphones selbst. Wie das genau funktioniert wird z. B. hier beschrieben. Die spannende Frage ist, wie gut dieses Verfahren funktioniert:

Etappe 1: Stau vor dem Maschener Kreuz nach Unfall an einem Sonntag

In diesen Stau am letzten Sonntag sind wir ohne Vorwarnung durch das laufende Google Navi gefahren (allerdings war der Bildschirm des Handys zu dem Zeitpunkt ausgeschaltet). Als wir das Stauende erreichten war der ‘grüne Punkt’ in der Fahrtzeitanzeige noch zu sehen. Allerdings war der Unfall noch sehr frisch, so trafen die Rettungsfahrzeuge erst nach uns ein.

Interessant war, dass in Google Maps der Stau schon zu sehen war als ich vom Navi Modus dahin umschaltete, sogar ziemlich genau in der richtigen Länge. Das Navi bekam diese Daten etwas später und zeigt dann auch den ‘roten Punkt’.

Erkenntnis daraus: Die Verkehrslagenanzeige in Google Maps wirkt sehr nah am tatsächlichen Geschehen, hier kann der Unfall erst wenige Minuten zuvor passiert sein und trotzdem war der entsprechende Stau zu sehen. Sie kann einen aber nicht in jedem Fall vorwarnen, wobei Verzögerungen bei der Datenübermittlung an die Navi Funktion - verursacht wohl auch durch die unzuverlässigen Netzverbindungen auf der Autobahn - vielleicht die Hauptrolle spielen.

Etappe 2: Fahrt in schwieriger Verkehrslage durch Berufsverkehr, Schneefall und Unfälle

Bei der Weiterfahrt von Bremen am gestrigen Montag herrschten schwierige Verkehrsverhältnisse durch den kontinuierlichen Schneefall, dadurch verursachte Unfälle, Geisterfahrer auf einer der Autobahnen in Bremen und den dort allgemein hohen Anteil von Schwerverkehr an einem normalen Wochentag.

Eine Sache, die zuerst auffiel, war der teilweise deutliche Unterschied zwischen der Reisezeit, die einem Google Now anzeigt - welches man an so einem Tag für die Planung des richtigen Abreisezeitpunkts gerne und oft nutzt - und der Reisezeit, die man nach dem Start der echten Navigationsfunktion erhält: In diesem Fall war die Zeit von Google Now deutlich niedriger, in Endeffekt war aber auch die Zeitschätzung der Navigationsfunktion angesichts der Schneelage noch zu knapp bemessen. Ob auch hier der Grund für die Abweichungen zwischen den Anzeigen in einer unterschiedlichen Aktualität der Daten bei den sich an diesem Tag schnell ändernden Verkehrslagen zu suchen ist?

Bei der Planung der besten Rückreiseroute angesichts zahlreicher Unfälle und Blockierungen hätte ich mir eine leistungsfähigere Routenauswahl gewünscht: So bot die GMaps Apps bei unserer Route nur die Wahl die ‘normale’ Autobahnstrecke über die A1 zu nehmen oder eine Route, die komplett über Landstraßen führte. Wollte man prüfen ob die Strecke über Walsrode vielleicht besser funktioniert hätte man sich auf dem Smartphone entsprechende Teilrouten einzeln heraussuchen und die Zeiten addieren müssen. Schön wäre es, wenn die in der GMaps Webseite verfügbare Möglichkeit Zwischenstationen bei der Routensuche zu definieren auch in der App verfügbar wäre.

Als wir dann die Rückreise schließlich antraten bewährte sich die Stauvorhersage sofort: Kurz bevor wir auf die A1 fuhren zeigte die Navigation plötzlich ‘rot’ an. Die Ursache für den entsprechenden Stau wurde auch in den Polizeiinformationen genannt, der Stau wird damit also tatsächlich existiert haben. Wir nutzen das Wissen um die Autobahn sofort wieder zu verlassen und das Stück zu umfahren. Das hat gut geklappt, ohne die Google Navigation wären wir sofort nach dem Start im ersten Stau gewesen.

Das Umfahren des Staus hat zwei Erkenntnisse gebracht: Zum einen funktioniert das Rerouting der Navigation gut, aber offenbar mussten erst die entsprechenden Straßen nachgeladen werden, sie waren anscheinend nicht im Cache. Das dauerte bei der instabilen Netzverbindung wieder etwas. Zum anderen gibt es keine direkte Möglichkeit dem Navi zu sagen es solle eine Alternativroute ermitteln, die eine bestimmte Stelle - die Staustelle - umgeht. Wenn wir gestern nicht zu zweit gewesen wären hätte das Umfahren des Staus wohl nicht geklappt. Anhalten um sich mit dem Navi zu beschäftigen ist auf der Autobahn schließlich nicht drin.

Bei der weiteren Rückfahrt hat die Anzeige der Verkehrslage zuverlässig gearbeitet. Zwar hat uns die Anzeige eines offenbar vor uns her fahrenden Staus manchmal nervös gemacht, aber grundsätzlich passten die Daten.

Interessant ist, dass die Google Navigation weiterhin einen starken Trend zu großen Straßen hat. Das ist jedenfalls ein Eindruck, den ich schon früher hatte. So sind wir angesichts des sich auf das Kreuz Lotte zu bewegenden Staus von der Autobahn abgebogen, bevor wir den Stau einholen konnten. Die Reisezeitschätzung der Navigation verkürzte sich daraufhin von einer Stunde auf 40 Minuten. Die Navigation sucht also nicht den schnellsten Weg heraus, sie weicht nach meinem Eindruck auch nie von selbst von der geplanten Route ab.

Fazit

Aus meiner Sicht hat sich die Verkehrslagenanzeige in Google Maps bewährt. Da der Durchdringungsgrad der Autofahrer mit Android Geräten in Zukunft noch weiter wachsen und damit die Zahl der ‘Messkörper’ für die Anzeige noch zunehmen wird kann das System nur besser werden.

In einer komplizierten Verkehrslage wie gestern und wenn man selbst aktiv nach Alternativrouten und Ausweichmöglichkeiten suchte würde man sich noch einige weitere Funktionen wünschen, die ein flexibles Reagieren für die Verkehrslage ermöglicht.

Und schließlich wäre es zumindest für mich interessant etwas mehr über die Präferenzen zu erfahren, mit denen die Google Navigation ihre Routen zusammenstellt. Spielt z. B. die aktuelle Staulage überhaupt eine Rolle bei der Routenführung? Wie sieht es mit dem Wetter aus? Bis zu welchem ‘Umwegsanteil’ bevorzugt die Navigation Autobahnen vor Landstraßen? Und so weiter....

Sonntag, 30. Dezember 2012

Android dominiert die Welt; Wer dominiert Android?

“The future of computing, the future of the internet, the future of music, of gaming, of television, of newsmedia, of banking and credit cards and even cash itself. The platform that will be in our cars, soon in our clothes and eventually embedded within humans - all that will be owned and controlled by Google..” - Tomi Ahonen

Schon mein letzter Blogpost bezog sich auf die Analysen von Tomi Ahonen und die Frage welche Smartphone Plattform das Rennen machen wird. Damals war die Prognose es würde Android sein. Nachdem nun die Absatzzahlen des Q3/2012 vorhanden sind hat Ahonen seine Aussage noch einmal drastischer gemacht und erklärt Android zum Sieger. Hier ein paar Zitate aus seinem Text ‘Android Won. Windows Lost. Now what? The Battle of the Century is Decided’:

  • ‘We have passed the tipping point now, the balance has tipped and can’t be flipped.’
  • ‘...at one level, the platform level definitely, the winner is Google with Android.’
  • ‘This is like Gulliver and the Lilliputs. Android is the only giant around with the tiny people.’
  • ‘When the data comes in for Q3, 2013, Android will have a larger total ecosystem of devices in use powered by that operating system, than all Windows devices globally in use.’
  • ‘The platform that will be in our cars, soon in our clothes and eventually embedded within humans – all that will be owned and controlled by Google

Ahonen stellt in seinem Text noch einige Zahlenspielereien dazu an wann Android eine Milliarde, zwei Milliarden und irgendwann sogar drei Milliarden Nutzer haben werde - als erste ‘Marke’ überhaupt, die dies jemals geschafft haben wird. Viel dreht sich auch um das Thema mobilen Bezahlens, welches Ahonen als das Zukunftsthema überhaupt ansieht. Alles sehr interessante Gedanken, aber um was es mir heute geht ist der fett markierte Teil des letzten Zitats:

...all that will be owned and controlled by Google

Ich persönliche denke wie Ahonen Android hat ‘gewonnen’ und wird für viele Jahre das weltweit dominierende System sein. Selbst wenn Apple nach einigen Zahlen im Weihnachtsgeschäft in den USA zugelegt hat wird dies Androids Aufstieg nicht wesentlich beeinflussen. Android hat möglicherweise sogar das Potential Windows in Teilen der Welt zu verdrängen, wie es der Chrome Browser mit dem Internet Explorer vermocht hat.

Aber die Frage wer dieses System mit bald Milliarden von Nutzern auf unterschiedlichsten Geräten in den kommenden Jahren beherrschen und kontrollieren wird finde ich nicht so eindeutig zu beantworten. Dabei wie selbstverständlich anzunehmen es werde Google sein bzw. bleiben ist denke ich zu einfach. Ich möchte daher ein paar denkbare Kandidaten durchdeklinieren und in ein paar Jahren werden wir sehen, ob ich damit richtig lag oder nicht.

Für mich sind neben Google auch Samsung, Amazon und China wesentliche Kandidaten für eine Machtübernahme in der Android Welt. Und das sind ihre Stärken:

Google

“Google will know soon, through Android, just about everything one could ever hope to find out, about anyone.” - Tomi Ahonen

Fangen wir mit dem naheliegenden Kandidaten an: Google hat Android nicht nur erfunden (oder gekauft, wie auch immer man will), sondern bis heute die Weiterentwicklung mehr oder weniger (siehe Amazon) fest in der Hand gehalten.

Google stellt Android zwar aller Welt frei zur Verfügung, aber die Weiterentwicklung findet hinter verschlossenen Türen statt und die Möglichkeit einzelnen Geräteherstellern früher Einblick in die kommenden Funktionen zu geben oder gar eine Version komplett unter Verschluss zu halten - wie beim unglücklichen Honeycomb geschehen - gibt Google einen durchaus wirksamen Hebel. Das ist aber nicht der einzige Hebel:

Der Play Store

Android ist offener als Apples iOS oder Microsofts Windows Phone, im Prinzip können Benutzer Apps aus beliebigen Quellen beziehen. Trotzdem ist es der von Google betrieben Play Store, der in weiten Teilen der Welt die einzig relevante Quelle für Apps ist und der mit seinem Umfang alle anderen Android App Stores weit hinter sich lässt.

Zusätzlich baut Google den Play Store nach und nach zu einem Medienangebot aus, welches in der Lage sein soll mit Angeboten von Amazon und Apple zu konkurrieren. Google ist dabei noch lange nicht am Ziel angekommen, aber trotzdem viel weiter als es jeder Android Gerätehersteller in absehbarer Zeit sein kann.

Google ist dabei in der Lage die Ergebnisse seines einzigartigen und schon seit fast 10 Jahren betriebenen Books Projektes zu nutzen, durch Kooperationen mit vielen Musik- und Filmanbietern sind nun Angebote wie Google Music und der Filmverleih möglich.

Nicht unterschätzen darf man auch die Bemühungen von Google die Zahlungsmöglichkeiten im Play Store auszuweiten, so gibt es inzwischen Vereinbarungen mit Mobilfunkanbietern um Abrechnungen über die Telefonrechnung zu ermöglichen und zumindest in den USA auch Gutscheinkarten, die Einkäufe ohne Kreditkarte erlauben.

Wenn Google einem Gerätehersteller den Zugang zum Play Store verweigert würde dies die Vermarktungsfähigkeit eines Smartphones in den meisten Fällen sehr schwierig machen.

Die Kontrolle über einige der wichtigsten Dienste der Welt

Google hat nicht nur die Suche als wesentlichen Dienst, auch GMail, YouTube und Google Maps sind Angebote, die für viele Nutzer kaum verzichtbar erscheinen. Dies hat gerade die Aufregung über das Verschwindung von Google Maps vom iPhone gezeigt.

Ein Android Gerät, welches keinen Zugang zu den Google Diensten hat, würde essentielle Funktionen verlieren. Dazu zählen auch die Spracherkennung, eingebaute Kontakt- und Kalendersynchronisation und Google Now.

Gleichzeitig ist es für Konkurrenten schwierig ähnliche leistungsfähige Dienste selbst aufzubauen, denn Google bietet seine Dienste nicht nur auf Android Smartphones an, sondern immer schon auch als webbasierte Versionen und in den letzten Monaten zusätzlich in starkem Umfang als Apps auf iOS Geräten.

Die Google Dienste verlieren damit in gewisser Weise ihre Eigenschaft als Alleinstellungsmerkmal von Android, aber Google hat so eine vielfach größere Nutzerschaft zur Verfügung, über deren Verhalten die Dienste wiederum verbessert werden können.

Eigene Hardware: Die Nexus Linie und Motorola

Google hat bereits in 2010 damit begonnen Hardware unter dem Nexus Label zu vertreiben, allerdings wurden diese Geräte in eher kleinen Stückzahlen abgesetzt und hatten den Ruf die Zielgruppe der Entwickler und Android Enthusiasten zu bedienen.

Mit dem Mitte 2012 zu einem äußerst günstigen Preis vorgestellten Nexus 7 Tablet ändert sich dies: Hier wollte Google Android den Weg in den Tablet Markt öffnen, etwas, das den Android Geräteherstellern bis dahin kaum gelungen war. Das Nexus 7 war das erste Nexus Gerät welches massenhaften Absatz fand und offenbar in Millionenstückzahlen verkauft wurde.

Beim im Herbst vorgestellten Nexus 4 Smartphone wurde der Markt von Google komplett unterschätzt und eine bis heute anhaltende Knappheit an Geräten verursacht. Auch wenn unklar ist, wie viele Geräte hier letztlich verkauft wurden, ist Google heute ein wesentlicher Geräteanbieter geworden.

Die Nexus Geräte werden dabei von anderen Herstellern wie Samsung, LG, Asus oder HTC produziert. Mit dem Kauf von Motorola hat Google allerdings nun auch eine eigene Hardwaresparte und damit eine gewisse Unabhängigkeit von den asiatischen Geräteherstellern.

Die Marke ‘Android’ und die Open Handset Alliance

Schließlich gehört Google die Marke ‘Android’ und darf von Geräteherstellern nur mit Googles Zustimmung verwendet werden. Und es gibt noch die Open Handset Alliance. Von der OHA hört man wenig und auf der Homepage sind die letzten Meldung von 2011, aber offenbar ist diese Vereinigung nicht ganz zahnlos: So gab es in 2012 Gerüchte, wonach Google über die OHA einen Gerätehersteller ‘auf Kurs’ gezwungen habe, der mit einem - aus Google Sicht - allzu dreist plagiierenden chinesischen Anbieter zusammen arbeiten wollte.

Google hat also jede Menge Trümpfe in der Android Hand. Wer könnte ihnen da in die Quere kommen?

Samsung

Samsung today has sold nearly half of all Android devices in use worldwide. The biggest thank-you from the Googleplex needs to go to Seoul to Samsung's HQ.” - Tomi Ahonen

Von vielen Kommentatoren wird immer wieder das Verhältnis von Google zu den Geräteherstellern betrachtet. Dieses Verhältnis ist einfach und kompliziert zugleich:

Google ‘verschenkt’ ein sehr leistungsfähiges Betriebssystem, welches lange Zeit das einzig zu iOS konkurrenzfähige System war, und gibt auch noch einzigartige Dienste dazu. Die Gerätehersteller können Android einfach nehmen, an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen und müssen nur wenige Bedingungen erfüllen. Wer sollte da nein sagen?

Auf der anderen Seite macht es Android als gemeinsame Basis den Herstellern schwer ihre Kunden an ihre Marke zu binden: Wenn ein modernes Smartphone mehr oder weniger nur noch ein Bildschirm ist und das Betriebssystem überall identisch wie soll man sich differenzieren? Vor allem wenn die Kunden eher an die Google Dienste gebunden sind und ein Wechsel von einem Smartphone zum nächsten dadurch extrem einfach gemacht wird? Und Google von den Androiderweiterungen der Gerätehersteler lernt, gute Lösungen in neue Android Versionen übernimmt und so für alle verfügbar macht? Und selbst anfängt Geräte zu bauen und diese zu extrem niedrigen Preisen zu vertreiben?

Bisher scheint das Verhältnis zwischen Google und den Gerätehersteller ungetrübt zu sein. Ein Grund liegt vermutlich darin, dass kein Gerätehersteller im Konkurrenzkampf mit Apple eine Chance gehabt hätte ein eigenes System zu entwickeln. Dies kann man wohl auch daran erkennen wie schwer es Microsoft und Nokia mit ihren Window Phones haben.

Nun gibt es aber mit Samsung inzwischen einen Gerätehersteller, der ein gewaltiges Gewicht nicht nur in der Android Welt gewonnen hat. Samsung ist in Rekordzeit zum größten Hersteller von Mobiltelefonen im Allgemeinen und Smartphones im Speziellen geworden und hat Nokia und Apple weit überflügelt. Samsung verkauft knapp die Hälfte der heute weltweit abgesetzten Android Geräte und macht dabei sehr ordentliche Gewinne, während für andere Gerätehersteller - abgesehen von Apple - zur Zeit eher wenig übrig bleibt.

Warum hat Samsung diesen Aufstieg geschafft, während z. B. HTC eher dahin dümpelt? Hier kann man vielleicht zum einen die Agressivität und das Selbstbewußtsein von Samsung nennen, mit denen sie insbesondere in die Auseinandersetzung mit Apple gegangen sind und bei der sie sich auch durch Niederlagen nicht haben abschrecken lassen.

Dann zeigt Samsung eine enorme Flexibilität bei der Geräteproduktion, offenbar wollen sie jede denkbare Nische und jede denkbare Preiskategorie mit ihren Produkten besetzen: Das geht los von Geräten, die man für unter 100€ bei Aldi erwerben kann, bis hin zum Galaxy Note II, welches teurer ist als das iPhone.

Und schließlich macht Samsung mit Android deutlich kreativere und mutigere Sachen als die anderen Hersteller, hier eine Auswahl:

  • Das schon genannten Galaxy Note: Dieses Riesentelefon wurde vor einem Jahr allgemein verspottet und als unsinnig bezeichnet. Bis Samsung davon 10 Millionen verkaufte.
  • Wiedereinführung des Stifts: Die Note Geräte bringen wieder einen Stift für die Bedienung mit wie man ihn früher z. B. von Palm Geräten kannte. Damit Apps den Stift nutzen können müssen sie entsprechende Samsung APIs verwenden.
  • Die NFC Technologie, die zuvor nur für Zahlungsfunktionen nutzbar schien, wurde von Samsung erweitert und ‘sozial’ gemacht, indem das mit ihr (auf Samsung Geräten) mögliche Austauschen von Bildern oder Filmen per Geräteberührung zu einem zentralen Bestandteil des Marketings wurde.
  • Mit der Galaxy Camera gibt es einen Fotoapparat mit Android Betriebssystem, aktueller Android Version und sehr großem Bildschirm.
  • Auf den Note Geräten ist es möglich bestimmte Apps parallel laufen zu lassen, so dass sich der Bildschirm besser nutzen lässt. Auch hier müssen App Anbieter ggf. Anpassungen vornehmen, damit ihre Apps damit funktionieren. In Standard Android ist der parallele Betrieb von Apps unverständlicherweise nicht möglich.
  • Samsung bot bei seinen Geräten zuerst einen großen zusätzlichen Cloud Speicher bei Dropbox an (HTC zog hier schnell nach).

Samsung ist daher meiner Meinung nach zu Recht an die Spitze der Smartphone Hersteller gelangt, zeigen sie doch eine immer größere Kompetenz nicht nur auf der Hardware Seite, sondern auch bei der Software. Wenn Samsung nun auf die Idee kommen sollte, dass sie Google nicht mehr brauchen, wie wären sie aufgestellt?

Ein Ersatz für den Play Store

Ohne Apps ist ein Smartphone kein Smartphone, daher müsste Samsung einen Ersatz für den Play Store bieten. Und tatsächlich haben sie so etwas bereits: Auf meinem Samsung Galaxy S II war schon ein Store von Samsung vorinstalliert, allerdings habe ich ihn quasi nie genutzt.

Für die eigene Bada Plattform, von der Samsung offenbar weiterhin größere Gerätezahlen absetzt als Microsoft Windows Phones über alle seine Anbieter, betreiben sie natürlich auch einen App Store. Auch für die kommende Tizen Plattform werden sie dies tun.

Die Erfahrung zum Betrieb eines App Stores haben sie also, sie müssten nur einen Weg finden möglichst schnell möglichst viele Apps hinein zu bekommen.

Markenfrage: Android oder Galaxy?

Eine interessante Frage ist in wie weit Käufer eines Android Gerätes eigentlich wissen, dass es ein Android Gerät ist? Steht nicht vielleicht für viele der von Samsung gut eingeführte Produktlinienname Galaxy ganz stark im Vordergrund? Würde es Kunden also stören, wenn sie in Zukunft kein Android Betriebssystem mehr vorfinden, aber die gleichen Dienste und Apps?

Ich denke Samsung ist hier schon einen guten Weg gegangen durch die oft sinnvollen Erweiterungen und Modifikationen, die sie an Android gemacht haben, und die man bei anderen Anbietern nicht finden kann.

Die Google Dienste

Das größte Problem könnte vielleicht der Ersatz der Google Dienste sein. Wobei es hier mit dem Dropbox Angebot beim Kauf eines neuen Galaxy Geräts vielleicht schon den ersten Schritt in diese Richtung gegeben hat: Wenn die Nutzer schon mal anfangen die Dropbox Cloud zu verwenden und nicht die von Google liegt hier schon mal eine Bindung weniger vor.

Kontakt zu den Mobilfunkanbietern

Ein entscheidendes Element im weltweiten Handymarkt sind die Mobilfunkanbieter. Sie subventionieren Geräte oder tun es nicht und sie entscheiden oft auch über die Zulassung von Geräten, mindestens bei den neuen LTE Netzen.

Samsung hat hier offenbar heute die Macht seine Vorstellungen durchzusetzen, wie man z. B. beim schnellen weltweiten Start des aktuellen Spitzengeräts Galaxy S III sehen konnte. Google scheint hingegen eher auf Kriegsfuß mit den Mobilfunkanbietern zu stehen, jedenfalls kann man den Verzicht auf LTE beim Nexus 4 so deuten und die Auseinandersetzungen um Google Wallet, welches von manchen Anbietern blockiert wird.

Eine eigene Ecke im Android Ökosystem

Mit den eigenen APIs für die Unterstützung der Stiftbedienung und den Anpassungen von Apps für den Multifensterbetrieb gewinnt Samsung einen eigenen Einfluss auf das Android Ökosystem, selbst wenn die Apps weiterhin im Play Store angeboten werden. Durch die schiere Größe Samsungs kann es für App Entwickler eine interessante Option sein ihre Apps entsprechend anzupassen.

Eine Machtfrage könnte dann entstehen, wenn Google entsprechende Funktionen in Standard Android integrieren will, dabei aber nicht die APIs von Samsung nutzen kann oder will. Würde Samsung dann seine eigene Lösung wieder aufgeben? Oder wenn Samsung sich weigern würde, neuere Android Versionen auf ihre Geräte zu bringen.

Amazon

We often go to Amazon just to search something - to see what else Amazon recommends. We are quite literally accessing Amazon 'just to see ads'.” - Tomi Ahonen

Amazon bringe ich hier nicht deshalb ins Spiel weil man ernsthaft annehmen könnte, dass dieses Unternehmen die Android Welt beherrschen werde. Dafür ist Amazon einfach noch zu unwichtig, wenigstens so lange sie keine Smartphones anbieten. Amazon hat sich aber eine ansehnliche Nische im Tablet Markt erstritten und könnte mit seiner dabei gewählten Vorgehensweise vielleicht als Blaupause für Unternehmen wie Samsung dienen:

Amazon hat Android genommen und als Grundlage für ein eigenes Betriebssystem verwendet, welches für die Benutzer nicht mehr als Android zu erkennen ist. Amazon hat dann einen eigenen App Store aufgebaut, der sich relativ schnell mit Apps befüllen lies, da vorhandene Android Apps mit wenig Aufwand auch dort angeboten werden können. Ein solches Vorgehen wäre im Grunde auch für andere Gerätehersteller machbar. Amazon hat allerdings mehrere Vorteile gegenüber Geräteherstellern:

Zum einen hat Amazon schon eine Beziehung zu seinen Kunden und damit insbesondere auch Zahlungsdaten. Zusätzlich hat Amazon ein Medienangebot, welches möglicherweise das größte weltweit ist. Und schließlich müssen sie mit den verkauften Android Geräten kein Geld verdienen, die Gewinne erzielen sie später über die darüber getätigten Käufe bzw. durch die noch weiter verstärkte Bindung der Kunden an Amazon. Amazon ist dabei - ähnlich wie Google - auf vielen Plattformen vertreten, hat also ein Ökosystem welches über seine eigenen Geräte weit hinausgeht.

Möglicherweise wird Amazon in Zukunft seine Version von Android auch an Gerätehersteller lizensieren wie es Microsoft mit Windows Phone macht oder selbst noch weitere Geräteklassen erschließen und die Hardware wie bisher unter eigenem Namen vertreiben. Mit Sicherheit werden sie jedenfalls ihren eigenen Teil des Android Marktes beherrschen.

China

Nachdem es bisher nur um verschiedene Unternehmen ging soll zum Schluß noch ein Staat betrachtet werden und zwar China. China ist nicht nur die Quelle eines Großteils der weltweit vertriebenen Smartphones bzw. ihrer Komponenten, das Land ist auch kurz davor zum größten Smartphone Markt der Welt zu werden und damit den USA den Rang abzulaufen.

Der chinesische Smartphonemarkt ist dabei heute fest in der Hand von Android, alle anderen Anbieter fristen nur ein Nischendasein (wobei so eine Nische auf Grund der Größe des Landes immer noch einige Millionen Geräte umfassen kann). Trotzdem ist China ein Problem für Google:

Seit Google im Jahr 2010 das Land mehr oder weniger verlassen hat um sich nicht mehr den Zensuranforderungen beugen zu müssen leiden Googles Dienste unter starken Behinderungen bis hin zu kompletten Blockaden. Es ist Google daher nicht möglich mit dem Play Store Geld zu verdienen, Kerndienste wie GMail oder selbst die Suche werden immer mal wieder abgeschaltet und Kartenmaterial für Google Maps ist nicht zu erhalten.

Im Endeffekt hat dies bereits dazu geführt, dass chinesische Anbieter auf den jeweiligen Android Varianten die Dienste anbieten, die sonst von Google kommen. Interessant ist hier, dass Apple und Microsoft mit ihren geschlossenen Systemen offenbar Arrangements mit der chinesischen Regierung geschlossen haben, sonst wären sie mit Sicherheit nicht in der Lage ihre Systeme zu betreiben und Profite daraus zu ziehen. Trotzdem sind sie Nischenanbieter geblieben.

Die Chancen, dass Google seine Prinzipien über Bord wirft und versucht durch Unterwerfung wieder in den chinesischen Markt vorzudringen erscheinen mir gering, insbesondere wenn man die neuesten Vorstellungen der chinesischen Regierung betrachtet, die auf eine komplette Kontrolle der Apps in den Apps Stores hinauslaufen. In der weitestgehenden Form würde dies erfordern, dass die App Store Betreiber den staatlichen Zensoren sogar ein Reverse Engineering der eingestellten Apps vor Veröffentlichung ermöglichen. Es wird interessant sein zu sehen wie Apple und Microsoft damit umgehen werden, wenn es so weit sein sollte. Bei Google kann ich mir das unter dem heutigen Management nicht vorstellen.

In China entsteht damit ein Smartphone Markt, der sehr stark von der Regierung beeinflusst sein wird und vermutlich lokale Anbieter, die sich unter alle Regelungen unterwerfen, deutlich bevorteilt. Dieser extrem große Markt wird sich vermutlich weitgehend vom Rest der Welt abkoppeln, vielleicht wird es sogar komplette Abspaltungen von Android geben, die dann große lokale Ökosysteme bilden.

Trotzdem wird China vermutlich weiterhin die Quelle für große Mengen extrem günstiger Android Geräte mit Google Zertifizierung bleiben, die dann außerhalb von China vertrieben werden.

Fazit

Das Android Ökosystem wird sich meiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren zu einer Gruppe von Ökosystemen entwickeln, wobei einzelne der Teilökosysteme in dieser Gruppe vermutlich die jeweils größten auf der Welt sein werden. Zwischen diesen Teilökosystemen gibt es Austausche in Form von Apps und Diensten, da sie eine gemeinsame Basis haben und damit ein leichter Übergang für die Entwickler - und vielleicht auch für die Nutzer - möglich sein sollte.

Die Herrschaft über diese ‘Android’ Ökosysteme wird aber nicht in jedem Fall Google haben.

Das muss nichts Negatives sein (nun ja, bis auf das China Beispiel vielleicht), im Grunde ist es ein Zeichen eines wahrhaft offenen Systems. Und es wird vielleicht eine Rolle bei zukünftigen Fragen spielen, ob es im Android Bereich monopolhafte Verhältnisse gibt.