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Montag, 27. Mai 2013

StatCounter vs. NetMarketShare: Die Frage ist nun entschieden

Wenn man sich für die Entwicklung der Marktanteile der verschiedenen Webbrowser interessiert, stand man seit Anfang 2012 vor einem Problem: Die beiden wichtigsten Anbieter solcher Statistiken - StatCounter und NetMarketShare - begannen ungefähr zu dieser Zeit deutlich unterschiedliche - in einigen zentralen Aspekten sogar komplett gegensätzliche - Tendenzen auszuweisen. Bei meinen früheren Betrachtungen der Browsermarktanteile war daher immer die Frage zu klären auf welche 'Seite' man sich schlägt.

Ich habe mich damals für StatCounter entschieden und dies auch begründet. Die dort genannten Argumente finde ich weiterhin überzeugend, trotzdem handelte es sich letztlich um Mutmaßungen. Aber nun gibt es ein hartes Faktum, welches endlich eine Frage klärt, welcher Statistiker die besseren Daten liefert:

Google I/O: Chrome hat nun 750 Millionen Benutzer

Ein ganz wesentlicher Gegensatz zwischen StatCounter und NetMarketShare besteht in der Entwicklung der Marktanteile von Googles Chrome Browser. Während der Anteil bei StatCounter seit Jahren kontinuierlich ansteigt und nun bei ca. 40% liegt weist NetMarketShare Chrome seit langer Zeit eine sinkende Tendenz zu. Da von der Frage welchen Marktanteil Chrome hat letztlich auch der Anteil der anderen Browser abhängt - insbesondere der des Internet Explorers -  reicht es eine belastbare Zahl für Chrome zu bekommen. Und diese Zahl wurde auf der gerade beendeten Google I/O Entwicklerkonferenz genannt:

Chrome Wachstum, aus der Keynote der Google I/O 2013
In der Keynote wurde 750 Millionen als die Anzahl der Chrome Nutzer im letzten Monat genannt (siehe die Keynote ab 52:00). Innerhalb eines Jahres ist demnach die Nutzerzahl von 450 Millionen auf diesen neuen Wert gestiegen. Ein ungeheures Wachstum also. Der vortragende Sundar Pichai nennt Google in einem Nebensatz am Anfang der Keynote denn auch den weltweit meistgenutzten Browser.

Es ist mir dabei nicht völlig klar wie Google die Nutzer zählt: Werde ich zum Beispiel 8-fach gezählt, da ich Chrome auf so vielen Geräten verwende und auf den Android Geräten teilweise noch die stabile und die Beta Version parallel? Oder nur einmal, da ich mich in den Browserinstanzen jeweils mit meinem Google Account eingeloggt habe? In jedem Fall gehen in die Google Zahlen auch die mobilen Nutzungen ein und gerade hier hat es in den letzten 12 Monaten ein starkes Wachstum gegeben.

Chrome Browser Desktop Anteil der letzten 12 Monate  bei StatCounter

Chrome Browser Mobil Anteil der letzten 12 Monate bei StatCounter
Wenn man Google nicht zutraut die Welt schlicht zu belügen spricht das Wachstum der Nutzerzahlen bereits ein klares Urteil: StatCounter zeigt grundsätzlich die richtige Tendenz für die Entwicklung von Chrome. NetMarketShare würde nur dann richtig liegen, wenn die Zahl der Internetnutzer in den letzten 12 Monaten noch viel stärker gewachsen sei. Daher bleibt die Frage: Wie viele NutzerInnen hat eigentlich das Internet?

Wie groß ist das Internet

Niemand weiß wirklich, wie viele Menschen heute bereits Zugang zum Internet haben. Und selbst wenn man dies wüsste würde man vermutlich gleich in die Diskussion einsteigen, in wie weit ein Mensch in einem Entwicklungsland, der einmal im Monat in die nächste Stadt geht um ein Internetcafe zu besuchen, mit einem Menschen in den industrialisierten Teilen der Welt vergleichbar ist, der mit einem Highend Smartphone über ein LTE Netz quasi keine Offline Phasen mehr kennt. Es kann sich hier also nur um grobe Schätzungen handeln. Es gibt verschiedene Zahlen:
  • Internet World Stats: Nennt 2,4 Milliarden mit Stand von Juni 2012
  • WDR Bericht über YouTube: In diesem Bericht von Anfang Mai wird YouTubes Nutzerzahl von einer Milliarde als knapp die Hälfte aller Internetbenutzer bezeichnet.
Man kann noch weitere Zahlen ergoogeln, aber wenn man von einem Wert um ca. 2,5 Milliarden ausgeht liegt man heute vermutlich nicht falsch. 

Damit würde der Anteil der Chromenutzer bei ca. 30% aller Internetnutzer liegen. Deutlich mehr als die knapp über 16%, die NetMarketShare ausweist, selbst wenn man den mobilen Anteil noch hinzu nimmt.
Zu StatCounter passt die Zahl hingegen gut: Da dort nicht versucht wird einzelne Benutzer zu identifizieren, sondern rein die Zahl der registrierten Webzugriffe gezählt werden. kann man sich vorstellen das der heute gezeigte Wert von 40% realistisch ist: Für Chrome entscheiden sich die meisten Benutzer bewusst, da dieser Browser außer auf Android Nexus und ChromeOS Geräten nicht vorinstalliert ist. Solche Benutzer sind vermutlich auch im Durchschnitt intensivere Webbenutzer als andere.

And the winner is: StatCounter

Für mich ist damit klar, dass die frühere Einschätzung zu StatCounter stimmt und dieser Anbieter wirklich die besseren Zahlen liefert. NetMarketShare muss hingegen entweder ein besonders unrepräsentatives Segment der Internetnutzerschaft betrachten, oder verdirbt seine Zahlen durch die 'Normalisierungen' und Extrapolationen. Leider geben viele Blogs NetMarketShare den Vorzug, weil es sich scheinbar naheliegend anhört, dass dieser Anbieter verspricht Zahlen über einzelne Nutzer - und nicht über Nutzungen - zu liefern. Die Probleme in der Methodik erkennen viele Blogger erst garnicht.

Ist Chrome heute das größere Ökosystem von Google?

Auf der Google I/O wurde noch eine andere Zahl genannt und zwar die der bisher von Google gezählten Aktivierungen von Android Geräten:

Android Aktivierungen, aus der Keynote der Google I/O 2013
Diese gigantische Zahl von nun 900 Millionen wird ab 7:30 genannt und stellt ebenfalls ein astronomisches Wachstum dar. Da allerdings nicht mehr alle dieser Geräte aktiv sein werden kann man vermuten, dass Chrome und das darin steckende Ökosystem heute vermutlich genauso groß ist wie das Android Ökosystem. Es wird spannend sein zu sehen wie sich die Zahlen in einem Jahr entwickelt haben werden. Chrome kann dabei potentiell weiterhin 'größer' sein, da es sich nicht nur auf Android Geräten, sondern auch auf der iOS Plattform ausbreiten kann (dort allerdings mit funktionalen Einschränkungen).

Wer will kann sich die Keynote auch direkt ansehen: Ich bin eigentlich kein Fan von solchen in die Länge gezogenen Produktvorstellungen, aber bei Google ist das Innovationstempo gerade so hoch, dass man nicht viel Zeit mit Selbstbeweihräucherung verschwendet:

Sonntag, 28. April 2013

Google Drive für simple Webhostingzwecke nutzen

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass man das Google Drive auch für das Hosting von Webinhalten verwenden kann. Warum sollte man das tun? Weil man so eine einfach zu nutzende, gut integrierte Plattform bekommt, die mit einigen einzigartigen Möglichkeiten wie der Echtzeitkollaboration aufwarten kann. Ich denke dabei nicht, dass man seine produktiven Webserver oder Content Management Systeme durch das Google Drive ersetzen kann (oder sollte), aber für Prototyping und das schnelle Onlinestellen von Inhalten, über die man mit anderen noch diskutieren will, ist das eine interessante Alternative.  

Wie es genau funktioniert 

Die Beschreibung von Google dazu ist recht spartanisch und richtet sich eher an Entwickler, die über auf das Drive zugreifende Anwendungen automatisch ganze Webauftritte publizieren wollen. Auf der Lifehacker Webseite gibt es aber eine bessere Beschreibung. Diese kann man so übersetzen:
  1. Man gründet einen eigenen Ordner im Drive und gibt diesen öffentlich frei (die öffentliche Freigabe ist heute offenbar eine notwendige Voraussetzung. Für streng geheime Inhalte ist das Drive Hosting damit nicht geeignet).
  2. Aus dem Freigabedialog kopiert man sich die URL. Hier ein Beispiel:

    https://drive.google.com/folderview?id=0B0ttwGA5GF3USzQtMHRKZ1dRSzg&usp=sharing
  3. Von diesem Link interessiert nur die ID, hier 0B0ttwGA5GF3USzQtMHRKZ1dRSzg. Damit baut man sich dann die Hosting Adresse:

    https://googledrive.com/host/0B0ttwGA5GF3USzQtMHRKZ1dRSzg/
Freigabeeinstellungen und Link
Voila, das Google Drive Hosting ist fertig. Wenn man eine index.html Datei in das Verzeichnis legt wird diese direkt angezeigt, ganz wie man es gewohnt ist. Aus den im Verzeichnis abgelegten HTML Dateien heraus kann man andere Dateien mit CSS- und JS-Code aufrufen, natürlich auch Bilder. Unterverzeichnisse funktionieren ebenfalls.

Anwendungsfall Prototyping

Meine erste produktive Nutzung des Drive Hostings bestand in einem Prototyping: Es ging darum von bestimmten Seiten einer unserer J2EE Anwendungen mehrere alternative Überarbeitungen zum Vergleich vorzustellen. Da die dynamischen Serverkomponenten nicht gebraucht wurden reichte es statische Abzüge zu bearbeiten und die Links dazu dann per eMail für die weitere Diskussion verschicken zu können. Mit dem Google Drive Hosting lies sich das dann so lösen:
  • Anlegen eines neuen Verzeichnisse auf einem Windows PC. Das Verzeichnis befindet sich in einem Bereich, der vom Google Drive Client synchronisert wird und wandert so automatisch in die Cloud. 
  • In das Verzeichnis wird eine statische Kopie der zu bearbeitenden Webseite gelegt. Nach meiner Erfahrung ist hier Opera am besten geeignet: Nur Opera speichert auch in CSS Dateien referenzierte Bilder mit ab.
  • Nun kann man schon mit Windows Werkzeugen (in meinem Fall Eclipse) anfangen die statische Kopie zu bearbeiten. Die Änderungen gehen gleich in die Cloud. Wenn man die Inhalte direkt im Drive bearbeiten will bieten sich Tools wie das Neutron Drive an. Wenn man allerdings viel STRG-R Entwicklung macht ist es schneller lokal zu arbeiten.
  • Am Ende (oder auch am Anfang) veröffentlicht man dann das neue Verzeichnis wie oben beschrieben und kann den Link an die Personen verschicken, die das fertige Werk begutachten sollen.
Ich denke bei mir wird das Drive Hosting einen festen Platz in der Arbeitsroutine bekommen.

Sonntag, 21. April 2013

Zum Stand der Browser Kriege || Wühlen in Statistiken 03/2013

Ein Jahr ist schon wieder vergangen seit dem letzten Blogpost zum Stand der Browserkriege. In dieser Zeit hat sich die grundlegende Veränderung der Marktanteile der Webbrowser weiter fortgesetzt und gleichzeitig sind neue Trends auszumachen wie die Auswirkungen der sogn. Post-PC-Ära und der Aufstieg der Webkit Browser.

Kurzkritik an NetMarketShare

Bevor es in die Zahlen geht ist wieder - noch stärker als vor einem Jahr - die Frage zu stellen auf welchen der beiden großen Webstatistiker man sich verlässt. Die Zahlen von NetMarketShare und StatCounter haben sind in den letzten 12 Monaten noch weiter auseinander entwickelt und zeigen nun sogar gegenläufige Trends auf. Ich verlasse mich weiterhin auf StatCounter. Gegen NetMarketShare sprechen aus meiner Sicht weiterhin diese Gründe:
  1. Die statistische Basis ist offenbar deutlich kleiner.
  2. Die Transparenz der Zahlen ist sehr gering da nicht klar ist wie sich die Browseranteile auf die unterschiedlichen Länder verteilen.
  3. Der Versuch NetMarketShares einzelne Benutzer zu identifizieren macht das Verfahren noch intransparenter.
  4. Die so aufbereiteten Benutzerzahlen werden auf Basis von inkonsistenten Bevölkerungstabellen gewichtet, wodurch z. B. China ein sehr starkes Gewicht bekommt.
  5. Den Ausschluss von Zugriffen aus Chromes Prerendering Funktion halte ich bei NetMarketShare (nicht bei StatCounter) weiterhin für einen konzeptionellen Fehler.
  6. Tablets werden nicht zu den Desktoprechnern gezählt.
Also weiter mit StatCounter. Wichtig ist es sich daran zu erinnern, dass StatCounter die Anzahl der gezählten Webseitenabrufe auswertet und nicht versucht irgendwelche Aggregationen der Daten zu machen.

Die weltweiten Marktanteile 

Die weltweiten Marktanteile der Desktop Browser sehen bei den beiden Statistikern nun so aus (die Zahlen sind etwas gerundet):

März 2013
StatCounter
NetMarketShare
Chrome
38%
16,5%
Internet Explorer
29,3%
55,8%
Firefox
20,9%
20,2%
Safari
8,5%
5,3%
Opera
1,2%
1,7%

Chrome hat also bei StatCounter heute mit deutlichem Abstand die Führung übernommen. Die Entwicklung der letzten 12 Monate sieht dort so aus:


Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share


Auf Sitepoint hat man sich die Mühe gemacht die relativen Änderungen in den letzten 12 Monaten auszurechnen.

Die Verteilung in den 20 Ländern mit den meisten Internetnutzern

In den Ländern mit den vermutlich meisten Internetnutzern (Quelle) sieht es bei den Desktopbrowsern so aus:

März 2013ChromeInternet ExplorerFirefox
China24,7% (+)55,6% (-)3,3%
USA26%40,3% 16,3%
Indien48,8% (+)15,7% (-)30,4% (-)
Japan22,3% (+)52,4%14,3%
Brasilien60,7% (+)18,9% (-)17,1%
Russland39% (+)16,1% (-)22,6%
Deutschland21% (+)22,8% (+)45,2% (-)
Indonesien29,7% (+)2,5%60% (-)
England33,6%32%16% (-)
Frankreich34,3% (+)25,5% (-)28,1% (-)
Nigeria22,1%18,8%43,5%
Mexiko48,8% (+)30,6% (-)13% (-)
Iran18,3% (+)33,6% (-)42,5% (+)
(Süd-)Korea20,4%71,5%2,9% (+)
Türkei54,9% (+)33,4% (-)9,8%
Italien38,9%31%19,6% (-)
Philippinen63,8% (+)6%23,4% (-)
Spanien42,7% (+)25,6% (-)22% (-)
Vietnam52,3% (+)11,1% (-)29,4% (-)
Ägypten40,3% (+)14,5% (-)40,6% (+)
#
11 (+)4 (-)5
Quelle: StatCounter

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Liste verändert, sowohl in der Reihenfolge wie auch in den enthaltenen Ländern. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass gerade in sehr stark gestiegenen Ländern wie Indien oder Indonesien der Anteil der Internetnutzung über mobile Geräte viel schneller zu wachsen scheint als es in den 'alten' Internetländern der Fall ist.

Die inzwischen verfügbaren Weltkarten bei StatCounter geben die Änderungen schön auf einen Blick wieder:
März 2012
März 2013
 Das 'Grün' von Chrome hat sich deutlich ausgebreitet, das 'Braun' von Firefox ist heute mehrheitlich in Afrika zu finden. Das 'Blau' des Internet Explorers ist geringer geworden und die roten Flecken von Opera sind verschwunden. Aber nun zu den einzelnen Browsern:

Chrome

Der Google Browser konnte seinen unglaublichen Aufsteig weiter fortsetzen und hat nun einen komfortablen Vorsprung vor dem Internet Explorer. Dies gilt um so mehr, wenn man noch die einzelnen Browserversionen unterscheidet:


Wenn man nach Kontinenten geht, so ist Chrome nun in Europa, Afrika und Asien führend, in Südamerika ist die Dominanz bereits so groß geworden, dass sie an den IE erinnert:



Nur in Nordamerika stagniert der Browser mehr oder weniger. Dafür ist sein Wachstum in den Ländern mit der am schnellsten wachsenden Internetnutzerschaft ungebremst, hier z. B. Indien:


Dies und die Tatsache, dass Chrome auch bisher schon Generationswechsel bei den PC Betriebssystemen offenbar ohne große Nutzerverluste überstanden hat lassen die Vermutung zu, dass der Google Browser noch nicht am Ende seines Aufstiegs angekommen ist. Im Gegensatz zum Internet Explorer und Firefox gibt es in den 20 Ländern mit den meisten Internetbenutzern auch kein einziges, in dem Chrome nicht bereits eine wesentliche Nutzerbasis errungen hat. 

Auch in technischer Hinsicht und beim Marketing lässt Google keine 'Ermüdungserscheinungen' erkennen und hat offenbar weiterhin Großes vor. Einige Stichpunkte dazu:
  • Google entwickelt mit RoboHornet und Octane weitere moderne Benchmarks, die die Browserentwicklung voran treiben sollen. 
  • Das Commitment zur Betriebssystemvariante ChromeOS wird in dem superteuren Chromebook Pixel sichtbar. 
  • Neben SPDY als HTTP Nachfolgeprotokoll hat Google mit Arbeiten an dem UDP Nachfolger QUIC begonnen. 
  • Bis vor kurzem setzte Chrome auf Webkit, nun hat Google aber angekündigt einen eigenen Fork mit Namen Blink zu gründen. Dazu unten mehr. 
  • Die Arbeiten an der Javascript Nachfolgesprache Dart gehen immer weiter. 
  • Google veranstaltet weiterhin seine Pwnium Wettbewerbe, in denen Sicherheitsexperten aufgefordert werden gegen immer höhere Belohnungen Lücken in Chrome/ChromeOS zu finden.

Internet Explorer

Der Microsoft Browser liegt inzwischen mit seiner verbreitetsten Version 9 hinter den kombinierten Nutzungszahlen nicht nur von Chrome, sondern auch von Firefox:


Microsoft hat in den letzten Jahren zwar gezeigt, dass sie den Kampf um einen konkurrenzfähigen Browser nicht aufgegeben haben, aber bei den Marktanteilen scheint sich die nicht ausgezahlt zu haben. Ein Grund lag möglicherweise darin, dass Microsoft seine neueren Browser ab Version 9 nicht mehr für die immer noch in großer Zahl verwendeten alten Betriebssystemversionen wie XP verfügbar gemacht hat. Die modernste Version 10 wurde erst kürzlich für Windows 7 verfügbar und ist daher bisher kaum verbreitet.

Die sicherste Basis hat der IE weiterhin in den Vereinigten Staaten und asiatischen Ländern wie China, Japan und Südkorea:


Firefox

Die freie Browser setzt seinen langsamen Abstieg fort, was allerdings nicht unbedingt bedeuten muss, dass er tatsächlich von weniger Menschen verwendet wird, da sich das Netz immer noch in neue Teile der Welt ausbreitet. Mozilla hat inzwischen auf den gleichen, sehr schnellen Releasewechsel umgestellt, den Google mit Chrome vorgemacht hat, und die Stimmen, die deshalb stark gegen Firefox gesprochen haben, scheinen in den letzten Monaten verstummt zu sein. Dafür hat Mozilla gezeigt, dass sie auch schnell sein können mit Innovationen und Firefox liefert sich heute ein echtes Rennen mit Chrome. Meine pessimistische Prognose von 2011 scheint damit nicht einzutreffen. Das Vorzeigeland für Firefox ist weiterhin Deutschland:

Safari

Apples Safari Browser ist als einziger heute fest an die Geräteplattform des Herstellers gebunden, da Apple die Windows Version von Safari vor einiger Zeit eingestellt hat. In der Statistik hat dies zu keinem Einbruch geführt, wohl ein Zeichen dafür, dass Apples Entscheidung zur Einstellung auf die Erfolglosigkeit des Browsers außerhalb der eigenen Betriebssysteme zurückzuführen ist. 

Der kontinuierliche Aufstieg von Safari ist damit ein direktes Zeichen des Erfolgs von Apple Geräten. In der StatCounter Statistik werden dabei iPads richtigerweise ebenfalls als Desktoprechner gewertet. Dieser Erfolg ist mehr oder weniger auf die reichen westlichen und asiatischen Länder beschränkt, ist dort aber teilweise enorm:

Neue Gruppen

Ergänzend zu den gewohnten Betrachtungen der wichtigsten Browser möchte ich dieses Mal noch Gruppen betrachten, die sich auch meiner Sicht als besonders relevant erwiesen haben. 

Neue Gruppen I: Die Schnellupdater

Als erste Gruppe möchte ich die Schnellupdater definieren. Das sind die Browser, die vom früher normalen jährlichen Releasezyklen abgerückt sind und nun alle paar Wochen neue Hauptversionen auf die Benutzer loslassen. Diese Gruppe wurde ursprünglich von Google gegründet, inzwischen gehört aber auch Mozilla mit Firefox dazu.

Diese Gruppe hat nun einen Marktanteil von 38%+20% = 58%. In diese Berechnung gehen alle Chrome Versionen und alle Firefox Versionen ab 5 ein.

Man muss sich einmal verdeutlichen, was dies bedeutet: Mehr als die Hälfte der Internetnutzung erfolgt heute über zwei Browser, die sehr schnell weiterentwickelt werden und die in der Lage sind ihre Nutzerschaft über stille Updates in kürzester Zeit mit neuesten Versionen zu versorgen. Es gab wohl noch nie eine bessere Grundlage für eine rapide Weiterentwicklung des Netzs und seiner Basistechnologien.

Die Chancen stehen gut, dass der Anteil noch weiter steigt, da sich Firefox wie beschrieben stabilisiert zu haben scheint und Chrome weiter auf Wachstumskurs ist. Man kann auch noch kleinere Browser wie Opera und Yandex zu dieser Gruppe zählen, die heute auf dem Chromium Projekt beruhen.

Neue Gruppen II: Die Vertreter der Post-PC-Ära

Eine andere wichtige Gruppe sind die Browser, die nicht mehr auf der Windows Plattform ausgeführt werden. Schaut man in die Betriebssystemstatistik der Desktopbrowser, so ist Windows  dort immer noch extrem dominant, aber iOS und Android (auf Tablets) kommen inzwischen schon auf mehr als 5%:


Zwar verschiebt sich das Verhältnis von mobiler und Desktopnutzung nur langsam, aber es verschiebt sich:

Und in einigen Ländern hat sich der Anteil bereits umgekehrt:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share
Gerade die Tablets und die im Android Bereich in immer größerer Zahl angebotenen Übergangsformen zwischen Telefon und Tablet ('Phablets') werden sicher für viele Menschen ein nahezu vollwertiger PC Ersatz sein und den klassischen Desktop PC immer stärker in den Bereich der Arbeit bzw. professionellen Anwendung drängen.

Bei den Mobilbrowsern an sich ist die Landschaft deutlich unübersichtlicher als bei den Desktopbrowser, da sich hier auf Grund der Vielfalt der Geräte und der Betriebssysteme noch ganz andere Anbieter behaupten können:
Android dominiert hier, wobei Chrome (sowohl unter Android wie auch iOS) bisher nur eine Nische ausfüllt. 

Neue Gruppen III: Der Aufstieg (und plötzliche Fall) der Webkit Browser

Schließlich gibt (oder gab) es noch eine dritte interessante Gruppe und das sind die auf Apples Webkit Framework beruhenden Browser. Dies sind heute
  • Safari 
  • Chrome 
  • Android Browser 
  • Opera 
  • Yandex 
und noch einige andere. Diese Browser haben im Desktopbereich bereits einen Anteil von knapp unter 50%, im Mobilbereich sind sie erdrückend. So erdrückend, dass Microsoft sich hier in die ungewöhnte Rolle gedrängt sieht die Webentwickler zu Standardkonformität anhalten zu müssen, damit ihre Window Phones und Windows RT Geräte mit den für mobile Zugriffe optimierten Seiten zurecht kommen können.

Allerdings hat sich - wie oben erwähnt - Google vor kurzem entschlossen Webkit den Rücken zuzukehren und mit Blink eine abgeleitete, eigene Version weiter zu entwickeln. Damit fällt Chrome aus der Webkit Zählung raus, aber auch Opera, Yandex und noch weitere kleine Vertreter.

Es kann daher sein, dass in einer zukünftigen Version vom Aufstieg der Blink Browser die Rede ist und für Webkit dann das gleiche gilt, dass oben zu Safari gesagt wurde, nämlich dass es auf Apples Hardware beschränkt ist. Da Google ein viel klarer definiertes Ziel in der Weiterentwicklung des Webs hat als Apple kann man davon ausgehen, dass Blink schon bald Webkit überflügeln wird.

Samstag, 4. August 2012

Wie man eine IP Adresse aus den USA bekommt

Schon bei der Bestellung meines Nexus One hatte ich eine Beschreibung eingebaut, wie man seinen Rechner so konfiguriert, dass er eine IP Adresse aus den USA hat. Und dann entsprechende Onlineangebote nutzen kann. Hier die Beschreibung in einer aktualisierten und kompakteren Form:

Tor ist der Schlüssel

Ich halte weiterhin den Anonymisierungsdienst Tor sowohl für den einfachsten wie auch den sichersten Weg. Die Nutzung von Proxys ist im Vergleich dazu nach meiner Erfahrung viel unzuverlässiger und man weis letztlich nie, was der Proxybetreiber so alles mit den über sein System laufenden Daten anstellt. Das Tor Setup ist seit der Nexus One Bestellung in 2010 auch noch einmal einfacher geworden und erfordert nur wenige Schritte:

  1. Download des Tor Browser Bundles. Das TBB ist ein Paket, welches gleich mit einem passend konfigurierten Browser kommt. Man muss also nicht mehr seinen normalen Browser umkonfigurieren, was die Tor Nutzung noch viel umstandloser macht.
  2. Das Paket nach den Anweisungen auf der Seite installieren.
Danach kann man einen ersten Test machen um sich an die Umgebung zu gewöhnen und um zu prüfen ob alles funktioniert. Man wird normalerweise gleich feststellen, dass die Internetnutzung über Tor deutlich langsamer ist als ohne.

Anpassung von Tor

Wenn Tor so weit läuft folgt der Schritt, der uns die US IP Adresse bringt. Dazu ein winziger Exkurs in die Funktionsweise von Tor: Dieser Dienst leitet Internetzugriffe über ein Netzwerk von Knoten (nodes) um auf diese Weise die Herkunft einer Abfrage zu verschleiern. Der Webdienst, den man aufrufen möchte, sieht damit die IP Adresse des letzten Knotens (des Ausgangsknotens / exitnodes) und nicht mehr die des Ausgangsrechners.

Da viele Knoten in den USA sind kann es zufällig schon ohne weitere Einstellungen an Tor so sein, dass man eine US IP Adresse hat, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Man kann dies aber erzwingen und zwar mit einer einzigen Zeile in der Tor Konfigurationsdatei torrc. Diese findet man im Verzeichnis

..\Tor Browser\Data\Tor\torrc

In dieser Datei fügt man am Ende diese Zeile hinzu:

ExitNodes {US}

Diese Änderung sollte man machen während Tor nicht läuft, sonst kann es passieren, dass wieder die Originalversion hergestellt wird. Zur Bearbeitung kann man die Datei temporär in torrc.txt oder so umbenennen, damit man unter Windows den Standardeditor verwenden kann.

Voila, damit ist man fertig. Wenn man Tor jetzt startet bemerkt man meist einen längeren Startvorgang als zuvor, da erst entsprechende Knoten gesucht werden müssen. Wenn man dann Online ist wird sich die Geschwindigkeit oft nochmal verringert haben, aber man gilt jetzt aus Sicht des Internets als Surfer aus den USA:)

Andere Länder

Der gleiche Trick funktioniert natürlich auch mit anderen Ländern. Man muss dazu nur das US in der Zeile durch einen entsprechenden anderen Ländercode ersetzen. Aber: Das funktioniert nur, wenn es in dem entsprechenden Land tatsächlich Knoten gibt. Bei mir ist der Versuch einen Knoten in UK zu verwenden 
z. B. bei verschiedenen Gelegenheiten gescheitert, in diesem Fall startet Tor letztlich gar nicht.

Sonntag, 3. Juni 2012

Auch Picplz macht die Schotten dicht

Heute morgen fand ich diese eMail in meinem Postfach:


Das ist dann der zweite der von mir genutzten Bilderdienste, der vom Netz geht, nachdem Lightbox angekündigt hatte Mitte Juni dicht zu machen. Gleichzeitig hat der größte (oder mindestens bekannteste) Bilderdienst im Web, Instagram, vor ungefähr einem Monat bekannt gegeben für die gigantische Summe von nahezu einer Milliarde Dollar von Facebook aufgekauft worden zu sein. Auch das Team - aber nicht die Dienste - von Lightbox gehen zu Facebook, während Picplz offenbar einfach geschlossen wird.

Ausleseprozess der Bilderdienste

Man gewinnt den Eindruck eines gerade heftig wütenden Ausleseprozesses unter den Bilderdiensten. Der wesentliche Auslöser dürfte dabei der Kauf von Instagram durch Facebook sein, denn damit hat nun das größte soziale Netz der Welt seinen Bedarf an so einem Dienst gedeckt. Man hätte erwarten können, dass dieser unglaublich teure Kauf den Bilderdiensten einen weiteren Schub geben würde, aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Denn wer ist jetzt noch übrig, der so einen Dienst kaufen könnte?

Google: Hat mit Google+ sein eigenes Fotoportal
Microsoft: Hat kein eigenes soziales Netzwerk
Apple: Hat ebenfalls kein eigenes soziales Netzwerk
Twitter: Kann inzwischen selbst mit Bildern umgehen

Es bliebt vielleicht noch Yahoo, die vielleicht ihrem inzwischen sehr angegrautem Flickr Dienst einen Schub geben möchten, aber insgesamt sind die Aussichten wohl für die Investoren zu vage. Und vielleicht ist daher Picplz, die in einigen Kommentaren als die Verlierer des Instgram-Facebook-Deals beschrieben wurden, nun durch seine Finanziers der Stecker gezogen worden.

Was ist mit den Daten? Und was mit den Kontakten?

Die Frage ist nun wie man seine Bilder rettet. Picplz sagt dazu nur man möge auf die Download Links bei den einzelnen Bilder klicken. Etwas mühselig, wenn man hunderte von Bildern hochgeladen hat. Bei Lightbox wird einem immerhin eine einfach zu nutzende Downloadmöglichkeit angeboten, die alle Bilder in einem Rutsch abrufbar macht.


Allerdings ist selbst dieser schöne Dienst mit Verlusten verbunden, kommen doch z. B. die Bildbeschriftungen nicht mit. Und das sind nur die Daten. Was ist mit dem Sozialen?

Communities wachsen, verändern sich und vergehen

Bilderdienste wie Instagram, Pizplc, Flickr etc. sind schon lange mehr als reine Datenhalden für Schnappschüsse, sie sind trotz der Integration in Twitter und Facebook eigene soziale Netzwerke, die sich um visuelle Ausdrucksformen anordnen. Für die engagiertesten Nutzer solcher Dienste ist daher die Interaktion mit den anderen Benutzern der eigentliche Wert. Auch ich hatte eine Zeitlang den Ehrgeiz möglichst viele Anhänger und dadurch Bestätigung in Form vieler Likes zu sammeln, bis die Sache dann nicht mehr so spannend war.


Trotzdem bleibt die Frage was ist mit den Lieblingskommentaren geschieht, die dem eigenen Ego so geschmeichelt haben? Was mit den Leuten, an die man sich gewöhnt hat und mit denen man gerne in Kontakt bleiben würde? Vermutlich ist die Antwort einfach die, dass es dazu keinen simplen Weg gibt.


Ähnlich wie sich eine Abschlussklasse verläuft nachdem das verbindende Element der Schule verloren gegangen ist kann man nur versuchen eine Botschaft zu hinterlassen in der Hoffnung, dass ihr gefolgt wird. Und selbst entsprechenden Hinweisen folgen.

Im Grunde ist der Tod solcher Dienste daher wie das Leben selbst: Man gründet Gemeinschaften auf Zeit, die sich - entweder durch innere oder äußere Einflüsse - nach einiger Zeit wieder auflösen. Und das Leben geht weiter.

Vermutlich gilt dies auch für das größte aller heutigen Netzwerke: Facebook. Nur das Facebook nun genügend Geld hat um eventuelle Konkurrenzgemeinschaften durch Aufkaufen zwangsweise einzugliedern, so wie es früher aggressive Nationalstaaten oder Königreiche mit angrenzenden Territorien taten. Aber auch hier zeigt die Geschichte, dass selbst die größten Staatengebilde irgendwann einmal wieder zerfallen.

Von daher: Macht es gut ihr Picplz Freunde, man sieht sich irgendwo, auch wenn man sich vielleicht nicht erkennt!

Dienstag, 1. November 2011

Zum Stand der Browserkriege || Wühlen in Statistiken 10/2011

Seit dem ersten Wühlen in Statistiken Ende August hat sich wieder einiges bewegt: So musste der Internet Explorer gleich auf zwei Kontinenten (Afrika und Südamerika) die Marktführerschaft abgeben und auf einem dritten Kontinent (Europa) muss er sie teilen.

Der Chrome Browser ist erstmals für jeden vierten gezählten Webseitenzugriff im StatCounter Netzwerk verantwortlich und das iPad taucht in einigen Ländern deutlich sichtbar in den Statistiken der Desktopbrowser auf, gleichzeitig nimmt in einigen Ländern der mobile Webzugriff drastisch zu. Die massiven Verschiebungen in der weltweiten Browsernutzung sind also noch lange nicht an ihrem Ende angekommen.

Warnung vor der Statistik

Eine Warnung bzw. Erinnerung vorweg: Alle Aussagen hier beruhen auf Statistiken, deren genaue Entstehung nicht weiter überprüft werden kann. Und dabei gibt es Merkwürdigkeiten: So zeigten die StatCounter Statistiken im Monat September eine Zeit lang einen starken Anstieg des Internet Explorers (allein ein Deutschland waren es fast 3 Prozentpunkte), so dass man fast vermuten konnte Microsoft habe die Kehrtwende geschafft. Im Monat Oktober wurde dieser Entwicklung aber komplett rückgängig gemacht und insgesamt betrachtet erscheint das ‘Aufblühen’ des Internet Explorers als eine Anomalie, die sich nur mit Problemen oder Umstellungen in der Erstellung der Statistik erklären lässt. Von daher sollte man zu kleinteilige Interpretationen der Zahlen vermeiden und versuchen den generellen Trend zu erkennen:

Stand Ende Oktober 2011

Hier wieder die Statistiken für den Monat Oktober 2011 von den beiden großen Statistikanbietern:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die erste Statistik kommt von NetMarketshare, und die zweite von StatCounter. Wie diese Dienste ihr Zahlen ermitteln und warum sie so unterschiedlich sind hatte ich schon im letzten Post kurz beschrieben. Hier die aktuellen Werte im Vergleich:
Browser/Statistik NetMarktshare StatCounter
Internet Explorer 52,63% 40,18%
Firefox 22,51% 26.39%
Chrome 17,62% 25%
Safari 5,43% 5,93%

In den folgenden Ausführungen wird wieder auf die StatCounter Statistiken gesetzt, da sich hier Teilauswertungen nach Regionen und Ländern frei abrufen lassen. Es werden dabei immer die letzten 6 Monate betrachtet. Hier die weltweite Entwicklung:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die Trends von der letzten Betrachtung setzen sich also offenbar fort: Der Internet Explorer bröckelt, der Firefox ebenfalls, Chrome kann fast alle diese frei werdenden Marktanteile aufnehmen und für Safari bleibt auch noch etwas übrig.

Chrome

Für Chrome waren es wieder gute Monate: Der Aufstieg des jüngsten Browsers der großen Vier setzt sich immer noch fort und es wurden zwei wichtige Meilensteine erreicht. So hat Chrome jetzt einen weltweiten Marktanteil von 25% und liegt damit nur noch knapp hinter dem Firefox. Google selbst gab kürzlich bekannt, dass Chrome nun 200 Millionen Nutzer habe. Gleichzeitig hat Chrome den ersten Kontinent ‘gewonnen’ und in Südamerika den bisher führenden Internet Explorer überrundet:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Der Aufstieg hat sich dabei in den letzten Monaten offenbar noch beschleunigt und es sieht nicht so aus, als ob hier schon das Ende erreicht wäre. Auch in Asien gab es einen wichtigen Fortschritt, dort hat Chrome den Firefox von der Position 2 verdrängt:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

In den industrialisierten Ländern hat Chrome hingegen meist bei weitem noch nicht so hohe Marktanteile errungen, aber auch hier gibt es Fortschritte. So hat Chrome inzwischen nicht nur in England den Firefox überholt, sondern auch in Italien, Norwegen und den Niederlanden.

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in Spanien wird es vermutlich bald so weit sein. Schwer tut sich Chrome weiterhin in Deutschland (siehe die Graphik  im Abschnitt zum Internet Explorer). Interessant ist, dass von ChromeOS, dem Browserbetriebssystem von Google, in den Statistiken noch keine Spuren zu finden sind.

Firefox

Der Firefox ‘gewinnt’ mit Afrika einen Kontinent vom Internet Explorer:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in Europa ist der Browser – wie schon zu Beginn 2011 – wieder an den IE herangekommen, hier ist es zur Zeit ein Kopf-an-Kopf Rennen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Trotzdem zeigen diese ‘Erfolge’ nicht die Stärke, sondern die Schwäche des Firefox, sind sie doch nicht durch eigenes Wachstum errungen worden, sondern nur durch den Abstieg des Internet Explorers bzw. den Aufstieg Chromes. Auch in Ländern wie Indien, in denen der Firefox ein starkes Wachstum zeigt, wächst Chrome noch schneller:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Insgesamt ist es also eine bestenfalls gemischte Bilanz: Auch wenn es noch Länder gibt in denen der Firefox gewinnt, so wiegt dies offenbar nicht die Verluste an anderer Stelle auf, etwas in klassischen Firefox Ländern wie Deutschland. Falls sich dieser Trend nicht schnell und deutlich ändert wird Chrome Firefox noch in diesem Jahr den lange gehaltenen Titel des zweitwichtigsten Browsers der Welt abnehmen (zumindest in dieser Statistik, bei Netmarketshare ist der Abstand noch größer). 

Internet Explorer

Der Internet Explorer hat es in den industrialisierten Ländern teilweise vermocht den Abwärtstrend zu stoppen, so z. B. in den USA:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es ist allerdings schwer zu sagen ob dies der neuen Version 9 geschuldet ist, die nur auf Windows 7 nutzbar ist, oder andere Gründe hat. Auch hat es den Anschein als würde sich der IE ‘auf Kosten’ des Firefox sanieren, während der Aufstieg von Chrome – dem eigentlichen Feindbild Microsofts – nicht aufgehalten wurde. In Deutschland hat der Internet Explorer im letzten halben Jahr – trotz der merkwürdigen Schwankungen in den letzten beiden Monaten – einige Marktanteile gutgemacht:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Hier kann man möglicherweise einen direkten Zusammenhang mit der neuen Politik von Mozilla herstellen neue Browserversionen genauso schnell wie Google zu veröffentlichen, eine Politik die insbesondere bei Firmenanwendern nicht gut ankam. Möglicherweise haben sich hier einige große Nutzer von Firefox abgewandt. Wichtig ist es auch sich immer mal wieder die große Dominanz des IE in China, Japan und Südkorea in Erinnerung zu rufen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Warum ist der IE hier eigentlich so vorherrschend? Liegt es an einer besseren Sprachanpassung? Selbst wenn Chrome hier nach und nach kleine Anteile gewinnt würde es bei diesem Tempo noch viele Jahre dauern, bis der IE erreicht wird. Auf der anderen Seite gibt es Länder wie die Philippinen, in denen der IE in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten droht:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Safari / iPad

Die Nutzung von Apples Safari Browser scheint weiterhin stark an Apples Hardware gekoppelt zu sein und wächst daher nur in den reichen Ländern signifikant. Interessant ist es aber zu sehen, dass der iPad Browser jetzt in ersten Länderstatistiken der Desktopbrowser auftaucht, wie etwa in Australien:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Version Market Share

Auch dieser Effekt ist bisher nur in den reichen Ländern zu beobachten, aber er zeigt sicher einen Trend für die Zukunft, in der sich zwischen die Smartphones und die klassischen Desktop Browser noch die Kategorie der Tablets schieben wird und zwar mit einem signifikanten Anteil an der Internetnutzung. Entsprechende Ergebnisse zeigt auch eine aktuelle Studie zur Tablet Nutzung, nach der das Surfen im Netz weiterhin deutlich vor der Nutzung von Apps kommt.

Mobile Internetnutzung

Zum Ende noch einen kurzen Ausblick auf einen weiteren wichtigen Faktor, der die weltweite Internetnutzung in den kommenden Jahren stark beeinflussen wird: der mobile Zugriff mit dem Smartphone. Mit Ländern wie Indien und Südkorea gibt es Beispiele, in denen bereits ein Großteil der Bevölkerung über mobile Geräte ins Netz geht:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share

Die Gründe sind hier vermutlich ganz unterschiedlich: In Indien kommt möglicherweise ein großer Teil der Bevölkerung überhaupt erst durch günstige internetfähige Telefone ins Netz, während in Südkorea offenbar inzwischen 40% der Bevölkerung ein Smartphone besitzen, wobei die Durchdringung mit normalen PCs vermutlich schon bei nahezu 100% liegt.

Dieser Trend ist vielleicht sogar noch massiver als die Umwälzungen im Bereich der Desktopbrowser, da er alle Teile der Welt betreffen könnte.

Fazit und Ausblick

Insbesondere durch das ungebrochene Wachstum von Googles Chrome Browser gibt es heute in vielen Ländern drei ‘große’ Browser, deren Marktanteile gemeinsam in einem Korridor von 10-15 Prozentpunkten liegen. Wenn man die Wichtigkeit unterschiedlicher Browser an Hand ihrer Marktanteile einschätzen möchte ist dies heute also schwieriger als jemals zuvor.

Dieser Zustand wird in der Zukunft vermutlich zur Normalität werden, sieht es doch so aus als ob die großen Browser inzwischen alle ihre jeweiligen Bastionen haben, von denen sie sich nicht einfach verdrängen lassen werden. Und den kleinsten der Vier, Apples Safari Browser, kann man auf Grund seiner speziellen, kaufkräftigen Nutzerschaft ebenfalls nicht ignorieren.

Und schließlich müssen auch die mobilen Internetnutzer bedient werden, die eine noch größere Vielfalt von Geräten und Browsern mitbringen und eigene Optimierungen für ihre kleinen Bildschirmgrößen benötigen.

Im positiven Fall könnte dies bedeuten, dass in Zukunft die Standardkonformität zu einem höheren Gut wird wird sowohl für die Browserhersteller wie auch für die Webseitenersteller. Selbst Microsoft scheint unter dem Marktdruck inzwischen auf diese Linie eingeschwenkt zu sein. Nur gibt es beispielsweise bei HTML 5 noch keinen Standard und wird ihn wohl auch in absehbarer Zeit nicht geben.

Im schlechtesten Fall steht uns eine fragmentierte Browserlandschaft bevor, in der es kaum möglich sein wird mit vertretbarem Aufwand funktionierende Webangebote für die Masse der potentiellen Nutzer zur Verfügung zu stellen. Mit einem möglichen Ergebnis, dass sich insbesondere die Nutzer von Smartphones und Tablets noch stärker in die mehr oder weniger gehegten und beschränkten App Stores des großen Anbieter gedrängt fühlen. Ob so eine Entwicklung vielleicht bereits stattfindet lässt sich leider nicht aus den Webstatistiken herauslesen.

Was die individuelle Entwicklung der Browser angeht, so sieht die Zukunft wohl für Chrome und den iPad Safari am rosigsten aus: Google wird Chrome weiterhin in dem rasenden Tempo weiterentwickeln, welches zu einem der Markenzeichen dieses Browsers geworden ist und so die Grenzen des im Internet machbaren erweitern. Die letzten großen Neuerungen sind hier der Native Client und die angekündigte neue Sprache für das Web DART. Bemerkenswert ist dabei, dass es Google bisher gelungen ist die hohe Qualität ihres Produktes zu halten, es also z. B. keine gravierenden Sicherheitslücken gab. Zusätzlich fährt Google weiterhin umfangreiche Werbekampagnen selbst im Fernsehen. Offenbar lohnt sich nach der Meinung einiger Analysen für Google die Investition in solches Marketing bzw. in Chrome generell ganz unmittelbar, da mit jedem gewonnenen Chrome Nutzer auch ein potentieller Nutzer der Google Suche gewonnen wird. Und diese Art von Traffic Acquisition Cost (TAC) ist offenbar günstiger als die Arten, die Google sonst nutzt. Für Google macht es demnach unmittelbaren finanziellen Sinn sein Browserprodukt so stark zu pushen wie es nur geht.

Das iPad verkauft sich weiterhin in riesigen Stückzahlen und Apple ist es bisher gelungen die Konkurrenz hier auf Abstand zu halten. Gerade im privaten Bereich scheint sich nach dem Erwerb eines Tablets ein wesentlicher Teil der Internetaktivitäten auf dieses Gerät zu verlagern, daher ist der Aufstieg dieser Nutzergruppe sicher noch ganz am Anfang.

Microsoft hat mit seinem aktuellen Internet Explorer 9 sicher ein Produkt, welches zu seinem Erscheinungsdatum zu den anderen Browsern aufgeschlossen hat. Da der IE 9 aber nur auf Windows 7 läuft hat Microsoft sich selbst in seiner Konkurrenzfähigkeit eingeschränkt. Dies eröffnet Konkurrenten wie Google ein möglicherweise sehr großes Zeitfenster um Nutzer zu gewinnen, die sich auf ihren weiterhin gut funktionierenden Windows XP Rechnern von Microsoft vernachlässigt fühlen. Trotzdem hat Microsoft natürlich den Vorteil mit ihrem Browser auf nahezu jedem verkauften PC bereits vertreten zu sein, während die Konkurrenten es erst schaffen müssen installiert zu werden. Die größte Bedrohung für Microsoft sind daher wohl Ansätze, die alle Dienste ins Web verlagern und damit das Betriebssystem mehr oder weniger irrelevant machen. Allerdings darf man sich nichts vormachen: Microsoft wird noch auf viele Jahre hin einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung des Netzes sein, egal wie erfolgreich die Konkurrenten sind.

Am schlechtesten sieht es im Moment wohl für den Firefox aus: Bisher hat es das Mozilla Projekt nicht wirklich vermocht dem Aufstieg von Chrome etwas entgegen zu setzen. In den letzten Monaten hat es auch den Anschein, als ob Chrome nicht mehr nur vom IE zehren würde, sondern nun auch vom Firefox. Der Sprung auf die mobilen Plattformen ist ebenfalls nicht in dem Umfang gelungen, wie es beispielsweise Opera geschafft hat. Auch wird Firefox wohl langfristig mit dem Nachteil kämpfen müssen, dass der Browser auf keinem Betriebssystem der ‘Hausbrowser’ ist. Die Frage ist daher eigentlich nicht mehr, wann der 2. Platz in der Browserhierarchie verloren gehen wird und ob er zurück erobert werden kann, sondern ob und wann Firefox noch weiter nach unten durchgereicht wird und vielleicht Safari Platz machen muss.