Dienstag, 13. September 2011

Baut das Internet neu? Versteht erst einmal das existierende!

Die Internetgesellschaft und ihre Visionäre sind schon einmal abgestürzt. … Im Spätsommer 2011 wird deutlich, dass dem ganzen Internet das Fundament fehlt. Es könnte zum neuerlichen Rückschlag kommen. -- Thomas Fischermann | Götz Hamann in der DIE ZEIT Nr. 37

Mit diesen Worten endet in der aktuellen Ausgabe der ZEIT ein Artikel mit dem Titel ‘Baut ein neues Internet!’. Der Link zur Seite hat sogar einen noch drastischeren Titel: Zerschlagt-das-Internet. Der Artikel ist unglaublich nervig, da er – offenbar als Vehikel zur Präsentation des frisch erschienenen Buchs der beiden Autoren – in plattester Weise auf der Anonymous oder LulzSec zugeschriebenen Hackingwelle der letzten Monate reitet. Aber an statt die Hintergründe aufzuzeigen, Bedrohungen einzuordnen und vielleicht sogar ein paar konkrete Vorschläge (etwa zu sicherem Onlinebanking) zu geben übt sich der Text in einem gnadenlosem Schüren der eh’ schon geradezu sprichwörtlichen deutschen Angst vor dem Neuen, vor allem wenn es so ungreifbar ist wie das weltweite Netz. Das abgründige Niveau des Textes – der nicht wirklich zum sonstigen Stil der ZEIT passt – fordert eine Auseinandersetzung mit seinen Thesen geradezu heraus. Also los:

 

Die Grundthese: Am Internet ist etwas grundsätzlich falsch

Die übergreifende These des Texts – wenn das nicht zu viel gesagt ist – besteht darin, dass das  Internet auf Grund seiner ursprünglichen, hierarchiefreien Struktur für heutige Anforderungen unpassend, ja sogar gefährlich sei. Das wird unterlegt mit aus dem Kontext gerissenen Zitaten verschiedener Gründerväter des Netzes. Leider ist diese These vollkommener Unsinn, und die Art wie sie ‘belegt’ wird mehr als abenteuerlich. Es beginnt schon mit dem Intro.

 

Intro: Facebook wird am 5. November zerstört

Der Artikel startet mit einer Art Teaser auf die uns allen bevorstehenden Internetschrecken und wie bei jedem guten Teaser hält man sich nicht mit Details auf, sondern setzt auf atemlose Spannung: Irgendwelche Hacker haben angekündigt bzw. dazu aufgerufen am 5. November einen Angriff auf Facebook zu starten. Die Autoren nehmen das todernst:

…nun wollen ein paar Hacker darüber entscheiden, ob Facebook existieren darf.

Ob es überhaupt realistisch ist, dass Facebook erfolgreich angegriffen wird? Keine Frage! Als Beleg dafür wird hier Facebooks Belohnungssystem für gefundene Sicherheitslücken angeführt: Wenn Facebook so etwas macht, dann muss doch was dran sein an der Bedrohung! Das etwa Google so ein Belohungssystem schon lange beim Chrome Browser hat? Irrelevant (oder den Autoren nicht bekannt). Überhaupt hat uns die Hackerwelt ja sowieso schon komplett in der Hand:

Hacker-Aktivisten verwirklichen nicht alle ihre Pläne. Aber wenn, dann heben sie die vertraute Internetwelt aus den Angeln.

Ist das so? Während der hier als Referenz genannten Operation Payback habe ich keine Auswirkungen gespürt. Und die Leserinnen und Leser der ZEIT wohl erst recht nicht, Amazon hat schließlich den Angriffen widerstanden. Nachdem man sich hier in einer uninspirierten und undifferenzierten Auflistung einiger Sicherheitsvorfälle ergangen hat folgt schnell das q. e. d. in Form des Satzes

Die Sache ist also ernst, und das wissen auch die Verantwortlichen von Facebook.

Also wenn das nicht überzeugt. Wir sind offenbar wirklich verloren (obwohl, was wäre so schlimm wenn Facebook mal ein paar Tage ausfällt? Etwa der dramatische Anstieg der Produktion durch dann nicht mehr abgelenkte Angestellte?). Vor allem da die Autoren sich ja sogar zu den geheimen Hackertreffpunkten gewagt (wohliges Schaudern beim Leser, vermutlich waren die Autoren auf dieser Seite) und deren geheime Kommunikation (‘DESTROOOOOOOOOOOOOOOOOOOY’) abgehört haben. So sieht investigativer Journalismus im und über das Netz aus. Aber das war nur der Auftakt.

 

Niemand kann den Hackern widerstehen

Im nächsten Abschnitt wird der wilde Ritt durch das schlimme Internet fortgesetzt. Es beginnt mit einem Verweis auf staatliche Hacker, die ja noch viel schlimmer seien als die ‘Halbstarken’ von denen bisher die Rede war. Der dramatische Höhepunkt liegt in der kurz angerissenen Sabotage iranischer Atomanlagen durch den Stuxnet Wurm. Der Name Stuxnet wird den Lesern dabei nicht zugemutet genauso wenig wie die  Information, dass sowohl die Auftraggeber dieses bisher einmaligen Computerschädlings wie auch sein Ziel nur Spekulationen sind. Auch dass das Internet bei diesem Angriff wohl eher keine Rolle spielte wird hier unter den Tisch gekehrt. Schon vorher kommt aber der Hammersatz des ganzen Artikels:

Die Zwischenfälle, die ihnen [den staatlichen Hackern] zugeschrieben werden, wiegen mittlerweile so schwer, dass sie die Sicherheit und den Wohlstand der westlichen Welt bedrohen.

Ja, unter dem Untergang der gesamten westlichen Welt tut es ein Katastrophenjournalist der auf sich hält natürlich nicht. Als Fallbeispiele werden hier der Diebstahl von Konstruktionsplänen eines US-amerikanischen Kampfjets und von Klimazertifikaten genannt. Vor dem Internet gab natürlich keine Industriespionage und Banküberfälle waren quasi unbekannt.

Nun folgt noch eine Trophäenliste der LulzSec Hacker, die sich für den Laien beeindruckend liest und nur den Schluss zulässt, dass niemand diesen Hackern wiederstehen kann. In dieser Liste darf natürlich auch der berühmteste ‘Erfolg’ der Hacker nicht fehlen: Der CIA ‘Hack’ (wieder ein Schaudern beim Leser, vielleicht vermischt mit etwas antiamerikanischer Schadenfreude). Was die Autoren vergessen haben – vielleicht wussten sie es auch nicht besser – ist das Angriffe wie der auf die CIA in Sicherheitshinsicht in etwa so spektakulär sind wie ein umfallender Sack Reis in China. Dieser XKCD Cartoon fasst die Relevanz des CIA ‘Hacks’ und die disparate Wahrnehmung treffend zusammen.

Eine besondere Frechheit ist in diesem Kontext die Zitation des renommierten US-Kryptologen Bruce Schneier. Dieser wird mit der Frage zitiert ‘Ist da eigentlich eine Hackerepidemie ausgebrochen?’. Die Antwort, die sich Schneier selbst gibt, wird dem unmündigen Leser allerdings vorenthalten. Sie passt ja auch so gar nicht zu den Thesen des Texts. Hier ist sie, in der Form wie sie sich in Schneiers Cryptogram vom 15. August nachlesen lässt:

 

Is There a Hacking Epidemic?

….

The apparent recent hacking epidemic is more a function of news reporting than an actual epidemic. Like shark attacks or school violence, natural fluctuations in data become press epidemics, as more reporters write about more events, and more people read about them. Just because the average person reads more articles about more events doesn't mean that there are more events -- just more articles.

Schneiers These ist es also, dass es faktisch nicht mehr Hackerangriffe gab, es wurde nur ausführlicher darüber berichtet, ähnlich wie es auch bei anderen spektakulären Angriffen oder Unglücksfällen der Fall ist. Und die Autoren dieses ZEIT Artikels bestätigen Schneiers These sehr eindrucksvoll.

 

Onlinebanking ruiniert uns

Aus der Welt der Staaten und Großunternehmen geht es dann ins Private: Das Onlinebanking, welches nach der These der Autoren die meisten Bürger ja erst ins Netz gebracht hat, wächst sich zu einer enormen Gefahr aus, die uns alle persönlich ruinieren wird. Unterfüttert mit dem ausgewalzten Fallbeispiel einer ausgeplünderten Onlinebankingnutzerin werden hier Thesen gestreut wie die, dass es quasi kein sicheres Onlinebanking gäbe und wir bald alle wieder persönlich zum Bankschalter gehen werden.

Zeigen die Autoren Lösungen auf? Nein, natürlich nicht. Es werden furchterregende Beispiele wie ein gefundener Rechner genannt, auf dem sich tausende von Computerschädlingen getummelt haben sollen. Diese Information ist in etwa so relevant wie die Information das es Leute gibt, die mit 5,6 Promille noch Radfahren können.

Wird Bezug auf aktuelle Rechtsprechungen genommen, in denen selbst grobst fahrlässiges Verhalten von Onlinebankingnutzern zu einer Schadensersatzpflicht für die Banken führt (siehe den Fall des Onlinebankingsbenutzers, der 100 (!) TANs auf einer gefälschten Bankingwebseite eingetragen hat und trotzdem sein Geld von der Bank zurück bekommen hat)? Nein, es wird statt dessen von ‘unbegrenzter Haftung’ für die Onlinebankingnutzer gesprochen. Gibt es Hinweise auf sichere Betriebssysteme wie ChromeOS, Linux oder sogar MacOS, die von den beschriebenen Trojanerangriffen nicht oder fast nicht betroffen sind? Natürlich nicht.

 

Fazit: Weitestgehende Ahnungslosigkeit der Autoren

Der Text geht noch weiter und hält sein niedriges Niveau: Eine Melange aus nur kurz angerissenen Sicherheitsvorfällen, aus dem Kontext gerissenen Zitaten von Personen die mal Gründerväter des Internets waren (und damit dem Artikel nach irgendwie verantwortlich sind für die heutige ‘Misere’) und flankierenden Statements von Wissenschaftlern, deren besonders betonte Eigenschaft der Besitz eines Hauses an einem See ist.

Die ZEIT bringt dann auch noch einen weiteren Text der beiden Autoren mit dem Titel ‘Forderungen an das nächste Netz’ mit einer Sammlung von Forderungen, die zum Teil allseits bekannte Binsenweisheiten sind (Steuerunganlagen von Atomkraftwerken gehören nicht an das offene Internet gekoppelt) und zum Teil Rufe nach noch mehr Regulierung, Strafe und Verfolgung (Schadenersatz bei Datenverlusten) darstellen. Die Frage welcher Schaden den tatsächlich bei Datendiebstählen wie etwa bei Sony entstanden ist scheint die Autoren weniger zu beschäftigen: Wenn alle darüber berichten, dann muss ja ein Schaden entstanden sein.

Die zwischenzeitlich fallenden Sätze wie ‘Die Computer, das Netz, ja die gesamte Informationstechnik versagt nun im großen Stil’ zeigen wie wenig die Autoren gewillt oder in der Lage sind sich in die Thematik wirklich zu vertiefen. Was ist genau das Versagen? Gibt es überhaupt irgendeinen Zusammenhang zwischen einem Stuxnet Wurm und Wikileaks Anhängern, die sich den LOIC installieren um so auf ihre Weise im Netz zu demonstrieren? Fragen über Fragen, aber es wäre wohl zu viel verlangt hier Differenzierung zu erwarten, wo es doch darum geht die GROSSE THESE von der Gefahr (oder dem Gefährder?) Internet aufzubauen.

Und das ist mein größter Vorwurf an diesen Text: Es baut hemmungslos Ängste auf und bietet nicht die geringste Lösung: Wenn die ‘gesamte Informationstechnik’ versagt und die Experten nicht helfen (die einen sind ja inkompetent, die anderen haben sich zurückgezogen und üben sich im Tautreten) was soll es dann bringen ein neues Netz aufzubauen, was ja eine Schlussthese des Textes ist?

Es ist schon irgendwie traurig, dass Die ZEIT die ersten drei Seiten ihres Wirtschaftsteils für so eine armselige Textsammlung vergeudet.

PS: Auf Netzpolitik.org gibt es ein kurzes Statement zu dem Buch, welches die beiden Autoren mit ihren Texten bewerben. Ich werde es mir nicht zulegen.

Donnerstag, 1. September 2011

Zum Stand der Browserkriege || Wühlen in Statistiken 08/2011

Mit dem Eintritt Googles in den Browsermarkt hat ein Kampf um die weltweiten Marktanteile begonnen, der heute immer noch anhält. Da sich gerade so viel bewegt ist es spannend sich einmal mit den aktuellen Statistiken zu beschäftigen.

Stand Ende August 2011

Die beiden großen Webstatistiker geben uns folgende Zahlen zur aktuellen Lage im Browserweltmarkt:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die erste Statistik kommt von NetMarketshare, und die zweite von StatCounter. Beide Dienste werten die Zugriffe auf Millionen von Webseiten aus und ziehen daraus ihre Schlüsse. Hier die 4 wichtigsten Browser im Vergleich:

Browser/Statistik NetMarktshare StatCounter
Internet Explorer 55,3% 41,89%
Firefox 22,6% 27.49%
Chrome 15,5% 23,16%
Safari 4,6% 5,19%

Die deutlichen Abweichungen beider Statistiken erklären sich aus den Auswertungsstrategien: Bei NetMarketshare wird versucht individuelle Browserbenutzer zu ermitteln und zu zählen, bei StatCounter wird die reine Anzahl an Seitenaufrufen gezählt, Browser mit sehr internetaffinen Nutzern haben hier einen Vorteil. In beiden Auswertungen werden inzwischen die mobilen Geräte separat gezählt, gehen also nicht in die Statistiken der Desktopbrowser ein.

In den folgenden Ausführungen wird auf die StatCounter Statistiken gesetzt, da sich hier Teilauswertungen nach Regionen und Ländern frei abrufen lassen. Es werden dabei immer die letzten 6 Monate betrachtet. Nach meinem Eindruck ist die Auswertung nach Seitenabrufen an Stelle von Nutzern auch die letztlich sinnreichere Strategie, da sich hier Veränderungen im Verhalten der Browsernutzer schneller ausdrücken.

Wie sieht die Entwicklung weltweit aus:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Kurz gesagt fällt der IE, Firefox stagniert mit negativem Trend, Chrome steigt weiter auf und Safari wächst minimal. Was bedeutet das im Detail und welche Besonderheiten gibt es?

Chrome

Das Wachstum des Chrome Browsers geht scheinbar ungebrochen weiter, er saugt die Verluste der anderen Browser mehr oder weniger komplett auf. In Südamerika ist der Browser besonders erfolgreich:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Südamerika könnte damit zum ersten Kontinent werden, in dem Chrome der führende Browser wird. In einzelnen Ländern ist Chrome bereits der mit Abstand führende Browser, wobei die Philippinen darunter wohl das Land mit den meisten Internetnutzern sind:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Hier liegt der Anteil bereits bei mehr als 50%. In Europa hat Chrome im vergangenen Monat in England den Firefox überrundet, in Italien wird dies im kommenden Monat der Fall sein:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es gibt nur wenige Länder in denen Chrome stagniert, eines davon ist Deutschland (siehe den Chart im Abschnitt zum IE). Spannend wird es sein, wie lange Google den bereits unglaublich lange anhaltenden Aufstieg von Chrome fortsetzen kann.

Firefox

Firefox konnte im August mit Indien das Land mit der drittgrößten Zahl an Internetnutzern der Welt gewinnen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Allerdings wird dieser Sieg wohl nur einen Monat Bestand haben, danach muss die Krone an Chrome weitergereicht werden. In Afrika könnte Firefox bald die Vorherschaft über einen Kontinent gewinnen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

In Europa, wo der Browser am Jahresanfang für kurze Zeit die Marktführerschaft errang, nur um sie wenig später wieder an den IE abzugeben, bleibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Deutlich wird allerdings, dass der Firefox im wesentlichen stagniert. Die Überrundungen des IE an einigen Stellen sind dem Chrome Browser zu verdanken, der weiterhin Marktanteile des IE aufsaugt und diesen damit unter die gleichbleibenden Firefox Anteile drückt. In angestammten Firefox Ländern wie Deutschland sieht es sogar eher schlecht aus (siehe den folgenden Abschnitt zum IE), hier verliert der Browser stark. Insgesamt scheint Firefox daher mit seinem neuen schnellen Releasezyklus noch keine positive Wirkung auf seinen Marktanteil entfaltet zu haben.

Internet Explorer (IE)

Der Internetexplorer fällt zwar weiterhin in den meisten Regionen, aber es gibt Beispiele wie Deutschland, in denen er sich seit einigen Monaten wieder im Aufwand befindet:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in anderen eher ‘wohlhabenden’ Ländern kann man diese Tendenz beobachten und vermuten, dass sie mit der Verbreitung von Windows 7 und dem nur auf diesem Betriebssystem verfügbaren IE 9 zusammenhängt. Der IE 9 hat mehr oder weniger Anschluss an den technischen Stand von Chrome gefunden und bietet weniger Anlass für einen Browserwechsel als die Vorgängerversionen.

In den ‘ärmeren’ Ländern wie dem oben gezeigten Indien befindet sich der IE hingegen weiterhin in einer Art freiem Fall. Trotzdem hat der IE weiterhin weltweit seine großen Bastionen, die scheinbar nicht zu bewegen sind. Das deutlichste Beispiel ist hier China:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es wäre interessant einmal eine weltweite Browserstatistik zu erhalten, in der nur China herausgerechnet ist. Vermutlich würde der IE dann gleich ein ganzes Stück abrutschen.

Safari

Apples Browser spielt vermutlich nur auf Apple Rechnern eine Rolle, auch wenn er für Windows verfügbar ist. Er sollte sich damit in etwa parallel zum Wachstum der MacOS Rechner ausbreiten. Interessanterweise hat seine Nutzung aber gerade in Nordamerika, wo er mit einem Anteil von >10% eine vergleichsweise hohe Verbreitung hat, im letzten Monat einen kleinen Rückgang erfahren:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Was könnte hierfür die Erklärung sein? Vielleicht das überdurchschnittlich viele Apple Kunden auch gleichzeitig ein iPad besitzen und einen immer größeren Teil ihrer Onlinezeit auf diesem Gerät verbringen und so den Safari Anteil kannibalisieren?

Weitere Trends

In den kommenden Monaten wird es neben den Auseinandersetzungen zwischen den Desktopbrowsern auch spannend sein zu beobachten, wie sich das Verhältnis zwischen Desktop- und mobilem Browsen verschiebt:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share

Mit der schnell wachsenden Zahl von Smartphones und Tablets entsteht hier ein ganz anderes Browserschlachtfeld, in dem noch viel mehr Akteure eine Rolle spielen und dementsprechend noch mehr Dynamik zu finden ist:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile OS Market Share

Es bleibt spannend!

Dienstag, 5. Juli 2011

Google+ macht Picasa zum GMail der Onlinefotoalben

Es kommt nur noch selten vor, aber manchmal stößt man noch auf sie: Die Nutzer von eMaildiensten wie web.de, bei denen man ein Mailkonto mit Größenbeschränkungen von wenigen Megabyte (kein Tippfehler) erhält. Dann fühlt man sich wie aus der Zeit gefallen, ist man doch inzwischen seit mehr als einen halben Jahrzehnt an Gratispostfächer mit vielen Gigabyte Speicherplatz gewöhnt. Es ist an dieser Stelle wert sich noch einmal daran zu erinnern wie es zu diesem explosionsartigem Wachstum kam, war es doch bis 2005  Gang und Gäbe nur wenige Megabyte große Postfächer zu haben: 

Der ‘Aprilscherz’ GMail

Der Anstoß wurde hier von Google mit der Einführung von GMail gegeben. GMail bot am Anfang 1 GB Speicherplatz, eine damals so ‘unvorstellbare’ Größe, dass die zufällig auf den 1. April 2004 gefallene Ankündigung des Dienstes zunächst für einen Aprilscherz gehalten wurden. Sieben Jahre später haben die meisten Freemailanbieter nachgezogen, auch wenn GMail mit heute ca. 7,6 GB Speicherplatz weiterhin einen der umfangreichsten Speicherplätze anbietet.

ScreenShotGMail

Es ist auch für Vielmailer relativ schwierig dieses Volumen auszufüllen und mit dem Luxus des scheinbar niemals endenden Speicherplatzes gingen tiefgreifende Veränderungen in der Nutzung von eMail einher. Das gilt zumindest für mich, aber über ähnliche Beobachtungen habe ich schon oft im Netz gelesen:

  1. Es wird keine eMail mehr gelöscht. Wozu auch? Und wer weiß, wofür man sie noch einmal braucht? Der wichtigste Schalter in der GMail Oberfläche ist ‘Archivieren’, welcher eine eMail einfach in die endlose Liste der empfangenen Mails einreiht. Man denkt gar nicht mehr darüber nach ob eine eMail Wert des Aufhebens ist und spart allein dadurch schon jede Menge Zeit bei der Mailbearbeitung.
  2. Suchen statt ordnen: Durch das permanente Wachstum des eMailarchivs, welches inzwischen Jahrzehnte überspannen kann (viele haben beim Umstieg auf GMail ihre Archive von anderen Adressen mitgebracht) wird das Suchen wichtiger. Es ersetzt das sinnlos gewordene Kategorisieren, Sortieren und Eintüten in hunderte von Ordnern, welches wohl jedeR einmal am Anfang seiner oder ihrer Mailkarriere versucht hat. Und gescheitert ist. Oder irgendwann das Fazit zog, dass Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen. In GMail kann man eMails kategorisieren, aber die Nutzung der Suchfunktion ist unendlich viel effizienter.

Natürlich macht die Großartigkeit von GMail mehr aus als nur das reine Speichervolumen. Aber das war es, was damals die eigentlichen Sensation bei der Einführung war. Und möglicherweise stehen wir nun wieder an einer ähnliche Schwelle, nur dass es dieses Mal um die Verwaltung von Bildern im Netz geht. Und möglicherweise sind die zu erwartenden Veränderungen in unserem Verhalten genauso umfassend, wie es bei der eMail war.

Google+

Erst vor wenigen Tagen hat Google sein brandneues Projekt Google+ gestartet, welches gemeinhin als nächster Versuch eines Einstiegs in die sozialen Netze und damit als Konkurrenz zu Facebook und Twitter angesehen wird. Der Fokus der Diskussion liegt heute meist noch auf neuartigen Funktionen wie dem Gruppenvideochat, aber das eigentlich spannende sind die Veränderungen, die mit Google+ an dem bisher etwas angestaubt wirkenden Bilderdienst Picasa vollzogen worden sind:

Faktisch unbegrenzter Bildspeicherplatz im Netz

Bisher schon konnte man Bilder im Gesamtvolumen von 1 GB hochladen, danach musste weiterer Speicherplatz von Google gemietet werden. Anfang 2011 gab es die erste Änderung: von da an zählten Bilder mit einer maximalen Seitenlänge von 800 Pixeln nicht mehr auf dieses Quota. Solche Bilder sind allerdings nur für einige Darstellungen im Web geeignet und kein Ersatz für eine Originaldatei.

Mit dem Start von Google+ hat Picasa zum einen die sehr wichtige Funktion für das Teilen und Veröffentlichen von Bildern erhalten. So ist es mit wenigen Klicks und in Sekundenschnelle möglich aus einen speziellen Album (den Instant Uploads oder Sofort-Uploads) heraus Bilder online zu stellen.

Wichtiger ist aber die Erhöhung der Schwelle bis zu der nun Bilder nicht mehr unter das Quota fallen: Dies sind nun satte 2048 Pixel. Damit sind Bilder bis zu einer Größe von 2.048 * 2.048 = 4.194. 304 Pixeln plötzlich unbegrenzt speicherbar! Bei mir hat dies zum Beispiel dazu geführt, dass nach meiner Freischaltung für Google+ mein schon halb volles Picasa Konto nun nur noch einen Füllstand von 17% aufweist.

ScreenShotGooglePlusUpload

Und da 2048 Pixel für heutige Bildschirmgrößen völlig ausreichend sind kann man nun tatsächlich ernsthaft in Erwägung ziehen sein komplettes Bildarchiv (völlig gleichgültig, wie groß es ist!) in hoher Qualität online abzulegen. Google macht den Upload einfach: Wenn man über Google+ die Bilder hochlädt werden sie automatisch skaliert. Man kann natürlich weiterhin die Picasa Desktop Software nutzen, allerdings bietet diese zur Zeit noch keine Skalierung auf den Wert von 2048 an, sondern nur auf 1600.

Automatischer Upload vom Smartphone

Eine weitere revolutionäre Idee ist bereits in der Android App von Google+ verwirklicht: Diese kann alle auf dem Smartphone neu abgelegten Bilder (aber auch alte) automatisch zu Picasa hochladen, wobei auch hier die automatische Skalierung auf 2048 Pixel gemacht wird.

Dieser automatische Upload funktioniert völlig reibungslos und im Regelfall findet man seine zuletzt geschossenen Bilder bei Wechsel an den Laptop bereits bei Google+ vor, wo man sie dann entweder veröffentlichen, bearbeiten, in andere Alben verschieben oder einfach vergessen kann.

Und an dieser Stelle schließt sich für mich der Kreis zur GMail Einführung: In den ersten Tagen der Nutzung von Google+ und der Android Bildsynchronisierung hat man noch das Bedürfnis die schlechten Bilder zu löschen. Aber je vertrauter der Anblick der automatisch einströmenden Bilder und je deutlich die ‘Unendlichkeit’ des gebotenen Speicherplatzes wird, desto weniger interessiert man sich hier – wie schon früher bei den eMails – für das Aufräumen. Und wer weis für welchen Verfremdungseffekt man ein verwackeltes Bild noch mal brauchen kann?

Es entsteht hier quasi ein automatisches Fototagebuch, zumindest dann, wenn man sein Smartphone tatsächlich zum Fotografieren nutzt. Was daraus einmal entstehen wird ist noch völlig unabsehbar. Aber es wird zumindest mein Verhältnis zu den selbst gemachten Bildern noch einmal nachhaltig verändern.

Kein vollständiges Backup

Bei alle der Euphorie muss klar sein, dass Picasa oder – wie es offenbar bald heißen wird – Google Photo kein vollständiger Ersatz für ein normales Backup der gemachten Bilder ist, da abgesehen von ganz simplen Handykameras in jedem Fall eine gewisse Verschlechterung der Bilder durch die Skalierung beim Hochladen eintritt. Um also sicher zu gehen einen vielleicht wirklich wichtigen / schönen Schnappschuss auch später noch in Postergröße entwickeln lassen zu können muss man die Bilddaten zumindest vorerst noch direkt vom Handy auf irgendeine Sicherung übertragen. Zu diesen Originaldateien kann man dann über den in Picasa sichtbaren Dateinamen gelangen.

Aber wer weis: vielleicht sind einem diese höher aufgelösten Bilddateien bald gar nicht mehr so wichtig?

Fazit

Ähnlich wie mit GMail wird Google mit Picasa in Google+ unser Verhältnis zur Onlinespeicherung von Daten erneut nachhaltig verändern. Mit vermutlich ähnlich weitreichenden Konsequenzen etwa für die Bereitschaft (und überhaupt Fähigkeit) Bilder mit Freunden und der Welt zu teilen. Es wird spannend werden zu sehen, was daraus entsteht und wie unsere Bildertagebücher in einigen Jahren aussehen werden.

Montag, 28. Februar 2011

Welchen Wert haben Umfragen im Netz bei politischen Themen?

Eine der Parteien in unserer Heimatstadt hat auf ihrer Homepage einen Onlinefragebogen zu einem der strittigen Neubauthemen in Borgholzhausen geschaltet um auf diese Weise einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung zu leisten.

Zum Fragebogen 'Soll Ihrer Meinung nach der Hardenberg bebaut werden?' der SPD

Nun stößt man im Netz permanent auf Fragebögen, in denen man seine Meinung zu unterschiedlichsten Themen mit einem Klick kundtun kann. Nichts ungewöhnliches also.

Ein Problem wird ein solcher Onlinefragebogen aber dann, wenn sein Ergebnis in einen politischen Meinungsbildungsprozess eingebracht und dabei sein Ergebnis unhinterfragt akzeptiert wird. Vor allem wenn – wie in diesem Fall – der Fragebogen mit einfachsten technischen Mitteln umgesetzt wird.

Meiner Ansicht nach ist der Fragebogen in seiner jetzigen Form weitestgehend wertlos und das gerade angezeigte Ergebnis nach ca. 2.600 Stimmabgaben:

  • Ja, warum nicht?  20%
  • Ja, auch mit einen neuen Markt. 26%
  • Nein, auf keinen Fall.  48%
  • Wenn überhaupt nur Wohnbebauung. 1%
  • Mir egal 2%

kann von jeder beliebigen Person bis zum geplanten Abstimmungsende am 6.3. in jede beliebige Richtung verzerrt werden. Warum das so ist und wie man es vielleicht besser machen könnte, darum soll sich der Rest des Textes drehen.

On the Internet, nobody knows you’re a dog

Das Hauptproblem dieser Art von Fragebogen liegt in der Anonymität des Internets: Die Personen, die einen Fragebogen ins Netz stellen, wissen nicht wer auf ihre Webseiten klickt.hund_im_netzx Oder um ein altes Netzsprichwort zu zitieren: ‘Im Netz weiß niemand, dass Du ein Hund bist’ (Quelle).

Eigentlich ist die Anonymität im Internet bei solchen Befragungen sehr nützlich: Da niemand fürchten muss mit seiner Meinung in Verbindung gebracht zu werden, kann man eine höhere Beteiligung und vielleicht auch eine ehrlichere Stimmabgabe erwarten, ganz wie bei einer richtigen Wahl mit Urne und Wahlkabine.

Aber die Anonymität hat einen Nachteil, der die Vorteile überwiegt: Da der Fragebogen (bzw. das technische System dahinter) nicht erkennen kann wer ihn ausfüllt, kann eine mehrfache Stimmabgabe nicht wirksam verhindert werden. Und während niemand auf die Idee kommen würde sich bei der Bundestagswahl gleich mehrere Stimmzettel vom Stapel zu nehmen (er/sie würde daran auch hoffentlich von den Wahlhelfern gehindert), kann jeder bei einer Internetumfrage so oft abstimmen bis das Ergebnis passend ist oder ihn die Lust verlässt.

Der einzige Ansporn ‘anständig’ zu wählen sind die jeweiligen moralischen Maßstäbe und die kleine technische Hürde, die sich leicht überwinden lässt:

Kleiner Umfragefälscherleitfaden für Anfänger

Der bei der Hardenberg-Umfrage verwendete Gratisdienst verhindert – wie die meisten derartigen Dienste – scheinbar die mehrfache Stimmabgabe: wenn man mit seinem Webbrowser den Fragebogen später erneut besucht, sieht man nur das aktuelle Ergebnis, findet aber die Auswahlmöglichkeit nicht mehr vor. Also hat sich der Fragebogen doch gemerkt, dass man schon abgestimmt hat. Aber wie macht er das?

Der Fragebogen hinterlässt dazu im eigenen Webbrowser ein kleines Datenpaket, einen sogenannten Cookie (engl. für Keks), der ihm sagt, dass man schon abgestimmt hat.  Der einfachste Test ist es jetzt den Fragebogen noch einmal von einem anderen Rechner aus aufzurufen und voila, man kann ein zweites Mal abstimmen. Oder man installiere noch einen anderen Webbrowser auf seinem PC. Und schon kann man drittes Mal abstimmen. Und ein viertes, fünftes, sechstes Mal.

Aber es geht auch schneller und mit weniger Mühe als mit einem Rechnerwechsel oder einer Softwareinstallation: Man muss einfach nur den Cookie des Fragebogens im eigenen Browser löschen. Wie das geht, kann man für jeden Browsertyp leicht über eine Internetsuche herausfinden. Ein noch einfacherer Weg sind die Möglichkeiten zum anonymen Surfen die Browser wie Firefox oder Chrome bieten. Hier kann man so oft abstimmen wie man will. Ein oder zwei Dutzend Abstimmungen lassen sich so in einer Minute schaffen, die Zeit eines langweiligen Tatorts sollte damit reichen um der eigenen Meinung im Umfrageergebnis ein ordentliches Gewicht zu verleihen.

Umfragefälschung für Profis

Aber das ist noch nicht das Ende: Wenn jemand etwas tiefer gehendes technisches Verständnis hat, so kann er sich leicht ein kleines Programm erstellen, welches automatisiert abstimmt. Dabei kann man so vorgehen, dass die ‘Abstimmung’ langsam vor sich geht und nicht weiter auffällt. Höchstens dadurch, dass irgendwann einmal mehr ‘Personen’ abgestimmt haben als Borgholzhausen Einwohner hat.

Fazit: Die Umfrage wird ein beliebiges Ergebnis haben

Die gerade beschriebenen Wege zur Überwindung der Fragebogentechnik sind keine besonders raffinierten Tricks oder gar illegal. Es gibt auch eine genügend große Anzahl von Personen, die auf diese Weise mit Internetseiten umgehen können. Selbst wenn es nur eine einzige Person gibt, die über die notwendigen technischen Fertigkeiten verfügt (und selbst im Nest Borgholzhausen gibt es entsprechend kompetente Personen) so ist die Aussagekraft des Fragebogens komplett in das Belieben dieser einen Person gestellt, und nicht wie es eigentlich sein sollte in das der kompletten Bürgerschaft.

Das Ergebnis des Fragebogens – sowohl das aktuelle wie auch das endgültige - erlaubt daher keinerlei Rückschlüsse auf das tatsächliche Meinungsbild in der Bevölkerung, zumindest kann man von niemanden ernsthaft erwarten, das Ergebnis der Umfrage anzuerkennen. Damit ist sie für eine politische Meinungsbildung ungeeignet.

Wie könnte man es besser machen?

Bei allen Onlinebefragungen gibt es immer das Spannungsfeld zwischen den Aspekten:

  • Anonymität der Beteiligung,
  • Zuverlässigkeit der Abstimmung,
  • Aufwand und nicht zuletzt der
  • Repräsentativität

In der Hardenberg-Umfrage ist die Anonymität hoch und der Aufwand niedrig, aber die Zuverlässigkeit wie beschrieben zu gering. Im Bereich der professionellen Evaluierungen, in denen sowohl Anonymität als auch Zuverlässigkeit hoch sein müssen, wird oft mit Fragebögen gearbeitet, die eine pseudonyme Nutzung ermöglichen: Dazu erhält jeder potentielle Teilnehmer einen eigenen Schlüssel, der aber vorher verteilt werden muss. Hier ist also der Aufwand entsprechend hoch.

Als Alternative zu solchen Arten der Befragung findet man heute immer stärker Gruppen in sozialen Netzwerken wie Facebook: Die Abstimmung erfolgt hier einfach durch das Anklicken von ‘Gefällt mir!’ an der entsprechenden Stelle. Hier ist recht zuverlässig sichergestellt, dass eine Person nur einmal abstimmt. Allerdings sind dafür die Hürden für die Teilnahme viel höher: nicht nur ist eine Mitgliedschaft im entsprechenden Netzwerk notwendig, zusätzlich müssen die Abstimmenden bereit sein ihre Einstellung zumindest ihrem Umfeld im Netz öffentlich zu dokumentieren.

Ganz grundsätzlich muss man schließlich bei reinen Onlinebefragungen weiterhin die Repräsentativität in Frage stellen, denn für wesentliche Teil der Bevölkerung ist es noch nicht selbstverständlich sich im Netz zu bewegen, selbst wenn ein Internetzugang vorhanden sein sollte.

Von daher ist die Zeit für Onlineumfragen im politischen Bereich einfach noch nicht gekommen.

Samstag, 26. Februar 2011

Javascript Performance von Android Browsern

Nachdem ich in der vergangenen Woche die Zukunftsaussichten von Firefox unter anderem deshalb bezweifelt hatte, weil die Unterstützung der Mobilplattformen so schlecht scheint, überrascht uns Mozilla in dieser Woche mit einer neuen Beta Version von der die Firefox Entwickler selbst behaupten, sie würde den mit Android mitgelieferten Browser in allen Javascript Tests schlagen, in einigen dabei sogar sehr deutlich. Da vorgestern Abend endlich das Gingerbread Update auf mein Nexus One kam will ich das einmal selbst testen.

Bei den Tests habe ich zum Vergleich meinen aktuellen PC Browser ganz an den Anfang gestellt und noch ein paar andere Android Browser zum Vergleich hinzugezogen. In allen Fällen wurden die Tests jeweils mindestens drei Mal ausgeführt und das beste Ergebnis genommen. Die Tests mit den Android Browsern wurden dabei in einem Rutsch auf dem Nexus One gemacht, es wurden keine anderen Apps in der Zwischenzeit gestartet.

Browser/JS Test SunSpider v 0.9.1
(kleiner ist besser)
V8 v 6
(größer ist besser)
Chrome 10.0.648.119 auf PC mit Win XP mit Intel Core i5 CPU, 2,53GHz, 3GB RAM (Batteriebetrieb)
318 ms

7815
Android 2.3.3 Stock Browser 5599 ms 226
Firefox 4 Beta v 4.0b5 2843 ms 380
Opera Mini v 5.1.1 Bleibt mittendrin hängen Nicht ausführbar oder extrem langsam
Dolphin HD v 4.3.0 5534 ms 214
Skyfire (beta)  v 3.2.1 5781 ms 199
Mirren v 1.2 5302 ms 232

Zwar hatte ich einige Probleme damit den Firefox überhaupt zur Ausführung des V8 Tests zu bewegen (oft blieb der Bildschirm leer und andauernd kommt ein Warnfenster hoch), aber das Ergebnis ist in der Tat eindeutig: Der Firefox schlägt sich in den Tests hervorragend.

Wenn bald die stabile Version in den Market kommt und dabei kleinere Fehler wie das unglückliche Rendering von kleiner Schrift beseitigt werden könnte Firefox davon profitieren, dass es für Google auf Grund der Fragmentierung von Android keine richtige Möglichkeit gibt den mit dem Betriebssystem verbundenen Browser zu aktualisieren. Hier könnte es viele Besitzer von Android Geräten mit früheren Versionen reizen tatsächlich den Wechsel zu machen.

DSC_0650

Und hoffentlich motiviert Firefox Google auf diese Weise dazu neben all den anderen Android Themen auch noch an seinen Browser zu denken:)

Sonntag, 20. Februar 2011

Hat Firefox eine Zukunft?

“For the first time in years, energy and resources are being poured into browsers, the ubiquitous programs for accessing content on the Web. Credit for this trend—a boon to consumers—goes to two parties. The first is Google, whose big plans for the Chrome browser have shaken Microsoft out of its competitive torpor and forced the software giant to pay fresh attention to its own browser, Internet Explorer. Microsoft all but ceased efforts to enhance IE after it triumphed in the last browser war, sending Netscape to its doom. Now it's back in gear. “ - Rich Jaroslovsky in der Business Week vom 25.02.2010.

Wirft man einen Blick in die aktuellen Webbrowser Nutzungsstatistiken von StatCounter für Europa, so sieht man etwas Bemerkenswertes:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Im vergangenen Dezember hat Firefox zum ersten Mal seinen alten Rivalen – den Internet Explorer von Microsoft – überholt! Zwar sieht die weltweite Statistik noch anders aus und in anderen Statistiken wie denen von Net Applications nimmt sich der Anteil von Firefox bescheidener aus, aber trotzdem ist das ein enormer Erfolg, wenn man an die absolute Dominanz des IE denkt, die die Mozilla Gemeinschaft Schrittchen für Schrittchen gebrochen hat. Ist also alles Gut im Hause Firefox?

Stillstand ist Rückschritt

Wenn man sich den weltweiten Verlauf der Browserverteilung für die vergangenen 12 Monate anschaut, so ist neben dem permanenten Fallen des IE Marktanteils und dem ungebrochenen Aufstieg von Google Chrome vor allem die Stagnation des Firefox Anteils auffällig:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Offenbar gehen die vom IE verlorenen Marktanteile nicht mehr wie in früheren Jahren direkt auf Firefox über, sondern im wesentlichen an Chrome. Wie dieser Wechsel tatsächlich vor sich geht kann nur vermutet werden, aber da Chrome in technisch orientierten Webseiten einen noch höheren Marktanteil hat kann man vermuten, dass weiterhin ein signifikanter Wechsel von IE Nutzern zum Firefox stattfindet, gleichzeitig aber Firefox bei den Nutzern, die viel im Web unterwegs sind, an Chrome verliert.

Die Frage ist an dieser Stelle welche Konsequenzen sich daraus für eines des besten Beispiele für erfolgreiche Open Source Produkte ergeben. Steht Firefox ein massiver Absturz bevor, sobald Microsoft mit dem IE 9 herauskommt und Google sein ChromeOS veröffentlicht?

Microsoft nahm Firefox nie ernst und wird es auch nie tun

Warum hat Microsoft in den vergangenen Jahren eigentlich mehr oder weniger untätig zugesehen, als der Marktanteil des eigenen Browsers immer weiter abnahm? Weil Firefox nie eine ernsthafte Bedrohung des MS Geschäftsmodells darstellte.

Erst nach Googles Einstieg in den Browsermarkt hat sich Microsoft plötzlich wieder gerührt und steht jetzt kurz davor mit der Version 9 des IE einen Browser zu veröffentlichen, der tatsächlich von sich behaupten kann in nahezu allen relevanten Bereichen State-of-the-Art oder gar führend zu sein, sei es Geschwindigkeit, dem Datenschutz und auch bei der Befolgung von Standards.

Warum hat es Google gebraucht um Microsoft hier aufzuwecken bzw. auf einen Weg zu schicken, den sie vielleicht nie gehen wollten? Weil sich bei Google der Browser mit einer Strategie verbindet, die die Microsoft Geldkühe Windows und Office ersetzen will. Dazu brauchte es einen Browser der extrem schnell, besonders sicher und vom Benutzerinterface her besonders schlank ist. Keine dieser Eigenschaften traf auf Firefox zu als Google Chrome Ende 2008 veröffentlicht wurde.

Heute hat es sogar den Anschein als seien auch Apples Safari und Opera an Firefox an vielen Stellen vorbeigezogen, allen bisherigen Bemühungen Mozillas zum Trotz.

In der Zange der Großindustrie

Nicht nur wenn man sich die Browsercharts ansieht kann man den Eindruck gewinnen, dass Firefox zunehmen in die Zange zwischen Microsoft und Google gerät: Was hat Firefox einem extrem verbesserten IE 9 entgegen zu setzen, hinter dem die riesigen Entwicklerressourcen eines Unternehmens stehen, welches sich in seinem ureigenstens Geschäft bedroht sieht?

Wie kann man mit Google konkurrieren, dass seine ubiquitären Marketingmöglichkeiten im Netz für eine massive Bewerbung seines Browsers nutzt und sogar die Städte mit Plakaten übersät? Ganz abgesehen davon, dass Chrome schneller, sicherer und einfacher ist und mit unglaublicher Geschwindigkeit weiter entwickelt wird?

Es ist daher nicht unrealistisch anzunehmen Firefox habe seien absoluten Höhepunkt erreicht und vermutlich schon überschritten. In diesem Jahr wird vermutlich der Abstieg beginnen, wozu neben der erstarkten Konkurrenz auch die Versäumnisse in folgenden Bereichen beitragen werden:

Vertane Chance 1: Der Browser als Betriebssystem

Google wird in wenigen Monaten Chrome OS herausbringen, ein auf Linux basierendes Betriebssystem, welches als einzige Anwendung den Chrome Browser zur Verfügung stellt. In diesem System ist der Browser und der Internetzugriff alles, jeder genutzte Dienst ist webbasiert. Auf der anderen Seite kann auf dieser Plattform kein anderer Browser installiert werden, jeder mit Chrome OS verkaufte Rechner ist dauerhaft ein Chrome Nutzer mehr im globalen Marktanteil.

chrome

Im Grunde hätte sich die Grundidee eines Linux System mit Browser auch gut mit Firefox implementieren lassen und tatsächlich gab es auch kleinere Versuche in dieser Hinsicht. Allerdings sah man nie die große Vision und die Antriebskraft im Mozilla Umfeld, um auf diese Weise einen echten Gegenentwurf zur Microsoft Welt zu schaffen, wie es Google jetzt versucht.

Eher wahrscheinlich ist es das Microsoft oder vielleicht Apple einen ähnlichen Weg gehen wie Chrome OS und stark reduzierte Versionen ihrer Betriebssysteme auf dem Markt bringen, auf denen natürlich die eigenen Browser dominieren werden.

Vertane Chance 2: Die mobilen Plattformen

Wenn man nach Firefox mobile sucht gelangt man in diese Seite des Mozilla Projektes. Dort kann man Firefox für Nokia Geräte herunterladen. Keine Links zu Android oder gar iOS Versionen. Zwar gibt es eine Android Version, aber die ist noch im Beta Stadium und spielt heute keine Rolle.

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Mit dem rasanten Aufstieg von iPad und Android im vergangenen Jahr und der in 2011 erwarteten Flut von Tablets sollte man meinen auch die Firefox Entwickler hätten sich diesem Feld zugewandt. Aber dem ist nicht so. Statt dessen dominieren die von Apple und Google mitgelieferten Browser (die auch ganz hervorragend sind) sowie Opera.

Angesichts der technologischen Rückständigkeit z. B. bei der Geschwindigkeit und der bisher geringen Erfahrungen mit Touch Screen Oberflächen ist hier ein großer Durchbruch auch nicht zu erwarten. Schon heute taucht hingegen der iOS Browser gelegentlich in globalen (und nicht mobilspezifischen) Statistiken auf, ein klares Zeichen dafür, dass die mobilen Browser die Gesamtmarktanteile in Zukunft stark beeinflussen werden. Auch hier steht Firefox also unter Druck.

Problem: Wer will schon für den Drittbesten arbeiten

Vielleicht wirkt meine Betrachtung übermäßig pessimistisch und es wird auch nicht so sein, dass Firefox in kürzester Zeit drastisch einbricht, dazu sind die Zyklen in der Entwicklung der Browsermarktanteile bisher immer viel zu träge gewesen. Trotzdem stellt sich die Frage wie sich Mozilla langfristig aufstellen will und dabei ist möglicherweise die Frage des Wettbewerbs um talentierte Entwickler wichtig.

firefox

Heute ist Firefox nur noch in sehr wenigen Stellen führend, so vielleicht in der Anzahl der verfügbaren Erweiterungen. In allen anderen Aspekten haben ihn die Konkurrenten überflügelt und insbesondere Google legt weiterhin ein enormes Tempo bei der Weiterentwicklung seines Browsers vor. Und Microsoft wird so lange nicht nachlassen, wie Google vorlegt.

Bei einem Open Source Projekt stellt sich aber immer auch die Frage ob sich genügend Leute finden lassen, die es so cool und spannend und innovativ finden, dass sie ihre Zeit darin investieren. Und bei Firefox stellt sich nun die Frage warum man seine Zeit in ein Produkt investieren sollte, welches offenbar hoffnungslos hinterher hinkt und – aus meiner Sicht – auch keine realistische Chance auf eine Rückgewinnung der Führungsposition in absehbarer Zeit hat.

Hier ist vielleicht die Vernachlässigung des Mobilbereichs am schädlichsten, da zur Zeit alle spannenden Sachen in Apps und auf Smartphones stattfinden und der “Mobile first!” Slogan geradezu sprichwörtlich geworden ist.

Risiko: Alle Browser in Firmenhänden

Und was wäre so schlimm daran, wenn Firefox dem Weg Netscapes in die Hallen der IT Geschichte folgen würde? Abgesehen von einer gewissen Nostalgie vielleicht einfach die Tatsache, dass danach alle wesentlichen Browser in Firmenhänden wären. Daran ändert auch nur wenig, dass Apples Webkit und Googles ganzer Chrome Browser Open Source sind.

So lange die großen drei Apple, Google und Microsoft noch miteinander konkurrieren wird es Weiterentwicklung geben, was aber, wenn diese sich einmal ‘einig’ werden? Schon heute zeigt die Diskussion um die HTML 5 Video Formate h.264 und WebM die Erstarrung der Webtechnologien in einigen Bereichen, die nur noch von großen Konzernen (im Konkurrenzkampf mit anderen großen Konzernen) aufgebrochen werden kann.

Vielleicht bleibt Mozilla irgendwann nur noch der Weg sich den Open Source Produkten der Industrie anzuschließen, diese zu kuratieren und an einigen wenigen Stellen im Sinne der Endkunden zu verbessern. Das würde vom ursprünglichen Stolz ein weltbewegendes Produkt zu schaffen nicht mehr viel übrig lassen, aber es wäre immerhin eine Möglichkeit grundsätzlich im Spiel zu bleiben. Es bleibt auf jeden Fall spannend…

Dienstag, 25. Januar 2011

Etwas Ordnung in Googles Betriebssystemzoo bringen

Google ist für die meisten weiterhin ein Synonym für die Internetsuche, nicht umsonst ist der Begriff ‘googeln’ bereits seit 2004 im Duden enthalten. Weniger bekannt ist bisher noch, dass Google mittlerweile zu den großen Betriebssystemherstellern gehört: da ist zum einen das Smartphonebetriebssystem Android, welches in 2010 einen rasanten Aufstieg feiern konnte, und zum anderen das von Googles Webbrowser Chrome abgeleitete ChromeOS, welches Mitte 2011 endlich auf den Markt kommen soll.

In Berichten über diese beiden Betriebssystemkinder des Suchgiganten taucht immer wieder die Frage auf, warum Google eigentlich zwei oder – nach der erst kürzlich erfolgten Auftrennung von Android in eine Variante für Telefone und eine für Tablets – vielleicht sogar drei Betriebssysteme entwickelt und ob die entsprechenden Ressourcen nicht besser auf ein Produkt fokussiert werden sollten. Meist wird dabei Google nahe gelegt ChromeOS aufzugeben und alle Kräfte auf Android zu konzentrieren.

Dieser Text versteht sich als ein Versuch die Google Betriebssysteme einzuordnen, zu vergleichen, ihre unterschiedlichen Zielsetzungen und die verbindende Strategie herauszuarbeiten. Im Kern geht es natürlich auch bei dieser Aktivität von Google – wie immer - darum das Kerngeschäft der Onlinewerbung zu stärken. Vielleicht aber auch darum die IT Welt etwas einfacher – und damit in gewissem Sinne besser - zu machen.

Ganz kurz: Android versus ChromeOS

Beide Betriebssysteme werden von Google als Opensource Projekte geführt, die jeweiligen Homepages finden sich unter android.com und chromium.org. In technischer Hinsicht haben beide Systeme mit Linux eine gemeinsame Basis, aber hier enden die Gemeinsamkeiten auch schon mehr oder weniger.

Android – der kleine Roboter kämpft um die Weltherrschaft

Android ist ein zunächst für Smartphones entwickeltes Betriebssystem. Ausgelegt für kleine Bildschirmgrößen, die Bedienung per Touchscreen und geringe Prozessorleistungen konkurriert es insbesondere mit Apples iPhone Betriebssystem iOS. Die erste Version konnte man Ende 2008 auf einem Handy kaufen, der entscheidende Durchbruch kam allerdings erst in 2010 parallel mit dem insgesamt stark wachsenden Smartphone Markt. Die Analysten von Canalys schätzen die Anzahl der im 3. Quartal 2010 verkauften Android Handys auf 20 Millionen, gleichzeitig soll Android 25% Weltmarktanteil haben.

Im Gegensatz insbesondere zu Apple besteht Googles Strategie im Mobilbereich dabei nicht darin Software und Hardware herzustellen und zu vertreiben. Google überlässt vielmehr Herstellern wie Samsung, HTC, Motorola, Acer, Dell, etc. die Geräteherstellung und baut im wesentlichen darauf, dass durch die zur Verfügung Stellung der Android Plattform die eigenen Dienste wie Suche, Mail, Maps, etc. verbreitet werden. Auch betreibt Google den Android Market, die offizielle – aber nicht die einzige - Quelle für Android Apps.

Eine oft kritisierte Eigenschaft dieses Arrangements zwischen Google und den Geräteherstellern ist die sogenannte Fragmentierung.  Damit wird der Effekt bezeichnet, dass nicht alle Android Geräte mit der jeweils aktuellsten Betriebssystemversion ausgestattet sind. Für die Fragmentierung gibt es unterschiedliche Gründe, letztlich sind die fehlende Motivation der Geräterhersteller und der Telekomunikationsunternehmen in Aktualisierungen bereits verkaufter Geräte zu investieren und die fehlende Durchgriffsmöglichkeit Googles wohl die wichtigsten.

Die Fragmentierung scheint allerdings Androids Aufstieg zum weltweit meistgenutzten Smartphone Betriebssystem nicht aufzuhalten. Anfang des Jahres stellte Google dann Android Version 3.0 aka Honeycomb vor, diese Version ist für Geräte mit größeren Bildschirmen – insbesondere Tablets – optimiert. Offenbar plant Google hier eine Aufspaltung von Android in zwei Zweige, was die Fragmentierung nicht verringern wird.

Neben Smartphones und Tablets dehnt sich Android auch auf andere Plattformen aus, besonders bemerkenswert hier vielleicht die Fernsehplattform Google TV. Klassische PC- oder Laptopformate mit Android sind hingegen bisher selten geblieben.

ChromeOS – die visionäre Unbekannte

Ende 2008 startete Google seinen eigenen Internetbrowser Chrome, der heute nach Analysen etwa von Netmarketshare einen Marktanteil von weltweit ca. 10% hat. Google nannte bei seinem Chrome Event am 7.12.2010 eine aktive Nutzerschaft von 120 Millionen. Dies ist ein erheblicher Erfolg für ein so junges Produkt, der noch nicht an seinem Ende angekommen zu sein scheint.

Google bewirbt seinen Webbrowser als besonders schnell und hat ein Rennen zwischen den anderen Browserherstellern insbesondere bei der Javascript Performance ausgelöst, welches heute noch anhält. Weitere Neuerungen von Chrome waren automatische und stille Aktualisierungen und sowie besondere Sicherheitsfunktionen.

ChromeOS stellt kurz gesagt die Verknüpfung eines Linux Betriebssystems mit dem Chrome Webbrowser dar, auf der sonst keinerlei Anwendungen installiert werden können. Eine genauere Beschreibung der speziellen Eigenschaften von ChromeOS habe ich schon einmal in dem Blogpost ‘Warum ChromeOS ganz groß wird’ geliefert und spare sie mir daher.

Warum habe ich ChromeOS im Titel als ‘visionäre Unbekannte’ bezeichnet? Visionär ist für die Meisten noch die Vorstellung keine Dateien und ‘echte’ Programme auf dem eigenen Rechner zu halten, selbst wenn sie selbst die meiste Zeit bereits jetzt im Netz verbringen. Google allerdings arbeitet schon seit langem daran alle relevanten Tätigkeitsfelder mit webbasierten Diensten abdecken zu können, seien es eMail, Textverarbeitung, Präsentationserstellung, Kontaktverwaltung, etc. pp.

Eine Unbekannte ist ChromeOS unter anderem deshalb, weil es grundlegende Umwälzungen sowohl in den IT Betrieben großer Organisationen wie auch im Privaten verspricht und noch nicht abzusehen ist, wie schnell und wie umfangreich diese Umwälzungen kommen werden.

Zu ChromeOS gehört der Chrome Web Store, welcher sozusagen das Pendant zum Android Market ist, allerdings für Webanwendungen. Obwohl ChromeOS erst in Mitte 2011 auf endgültigen Geräten erhältlich sein soll ist der Web Store bereits seit Dezember 2010 online und kann im Chrome Browser verwendet werden. Er ergänzt das schon florierende Angebot an Erweiterungen für den Chrome Browser und wird spätestens seit dieser Woche von Google massiv mit Anzeigen im Internet beworben.

Google nimmt hier also offenbar einen langen Anlauf, damit ChromeOS Start gelingt. Auch der Chrome Browser wird weiterhin massiv beworben, inzwischen sogar selbst in Deutschland mit Plakatwerbung in den Innenstädten. Eine entsprechende Kampagne hat es für Android übrigens nie gegeben.

Kann es nur eines geben?

Google investiert in beide Betriebssysteme ganz massiv, wobei Android inzwischen wohl als Selbstläufer betrachtet werden kann. Bleibt nun die Frage, ob und wenn ja wie sich die beiden Angebote überhaupt abgrenzen lassen und ob es nicht reicht, nur eines der beiden Produkte überleben zu lassen. Betrachten wir daher zunächst beide Optionen der Frage, ob es nur eines geben kann:

Kann ChromeOS Android ersetzen?

Diese Frage wird eigentlich nur der Vollständigkeit halber gestellt: angesichts des gigantischen Erfolgs von Android, welches zur Zeit als einziges Smartphone Betriebssystem Apple mit seinen i* Produkten Paroli bieten kann, ist eine Aufgabe zu Gunsten ChromeOS völlig illusorisch. Vermutlich würden sich – sollte Google tatsächlich auf so eine Idee kommen – die Gerätehersteller den frei verfügbare Android Code nehmen und selbst weiter entwickeln. Auch ist ChromeOS nicht für Touchscreen Bedienung optimiert und erst recht nicht für kleine Bildschirme.

Sollte ChromeOS zu Gunsten von Android eingestellt werden?

Diese Forderung findet man immer mal wieder im Netz, ganz subjektiv gewinnt man den Eindruck sie würde insbesondere von Personen gestellt, die selbst sehr enthusiastische Android Fans sind und/oder die sich überhaupt nicht mit der Vision eines Betriebssystems anfreunden können, an dem man nicht mehr selbst herumbasteln kann. Gerade aus der Android Perspektive gibt es auch noch so viele Baustellen (eine der größten ist sicher der Android Market), dass eine Konzentration Googles auf diese Plattform höchst positiv wirken würde.

Das Ziel Googles mit ChromeOS sind jedoch die klassischen Domänen von Microsofts Windows Betriebssystemen - PCs, Laptops und Netbooks - Rechner also mit Tastatur, Maus und ‘normal’ großen Bildschirmen. Dies sind Geräte, die viel stärker als Smartphones und selbst Tablets für produzierende und eingebende Tätigkeiten verwendet werden und daher kaum geeignet scheinen für die Bedienung über eine Touchscreenoberfläche.

Schließlich gibt es noch ein betriebliches Argument: Mit ChromeOS wird die komplette Austauschbarkeit der Hardware zum obersten Ziel erhoben: sowohl kann ich von Rechner zu Rechner wechseln und habe immer meine Daten und Anwendungen vor mir, als auch können sich viele Personen den gleichen Rechner teilen und müssen dabei keine Vorkehrungen treffen um den gegenseitigen Zugriff auf private Daten zu verhindern.

Dies ist ein entscheidender Unterschied zu Android: Auch wenn es vergleichsweise einfach ist auf ein neues Android Gerät wieder mit den eigenen Kontaktdaten und Anwendungen zu bespielen sind die einzelnen Geräte letztlich weiterhin sehr stark personalisiert und können nicht einfach geteilt werden. Gerade in großen Organisationen ist dies ein entscheidender Unterschied in Bezug auf die Betriebskosten.

Schließlich gibt aus Sicht von Google möglicherweise noch das Argument des besseren Durchgriffs: ChromeOS wird nach allen heute bekannten Informationen keine Fragmentierung erleiden, da die Gerätehersteller keine Anpassungen daran vornehmen können und sich das Betriebssystem wie der Chrome Browser selbstständig aktuell hält. Google kann hier also ein ungebremstes Innovationstempo fahren sein.

Android und ChromeOS als zwei Elemente einer gemeinsamen Strategie

Beide Google Betriebssysteme haben damit offenbar ihre ganz eigene Daseinsberechtigung, wobei die einzige Überschneidung heute im Bereich der Tablets vermutet werden kann, auch wenn weder von Android 3.0 noch von ChromeOS bisher marktreife Tablets verfügbar sind. Der Tablet Bereich ist aber möglicherweise das Anwendungsfeld, in dem der gemeinsame Kristallisationspunkt beider Strategien sichtbar wird, und der besteht in webbasierten Anwendungen.

Google wird gelegentlich – zum Beispiel von Microsoft Chef Steve Ballmer – als ‘one trick pony’ bezeichnet, wobei dieser einzige Trick eben in dem Verdienen von Geld über Onlinewerbeanzeigen besteht. Tatsächlich ist Google auch nach seinem letzten Quartalsbericht weiterhin zum allergrößten Teil abhängig von Werbeeinnahmen. Allerdings beherrscht Google diesen seinen einzigen Trick unglaublich gut und man kann eigentlich nahezu alle wesentlichen Aktiviten des Konzerns irgendwie darauf zurückführen, diesen Trick zu stärken.

Ein entscheidender Teil von Googles Strategie scheint es dabei schon seit Jahren zu sein die Menschen länger ins Netz zu bringen, da man in Mountain View offenbar zuversichtlich ist sie dann an die eigene Suchmaschine binden zu können. Ein Beispiel sind die Google Docs:

An statt stundenlang mit Microsoft Word zu arbeiten und nie ins Netz zu gehen öffnet man hier den Browser und schreibt dort seinen Text. Damit ist man schon viel näher an die nächste Google Suche heran gekommen also zuvor. ChromeOS kann nun als Schlusspunkt dieser Strategie gesehen werden: hier ist man immer online und hat sogar eine Suchen-Taste. Selbst wenn Microsoft seine komplett Office Suite ebenfalls ins Netz bringen sollte –wozu sie zumindest in Teilen gezwungen sein werden – hat Google unabhängig vom letztlichen Erfolg seiner Google Docs gewonnen.

Ähnlich kann man die Notwendigkeit für Google herleiten Android zu produzieren: vielleicht hat man in beim Suchmaschinenriesen früher als an anderen Stellen erkannt, dass mit Apple ein Konkurrent erscheint, der in wenigen Jahren das Potential, die Möglichkeit und auch den Willen haben könnte eine hoch attraktive, aber auch komplett geschlossene Plattform in Händen zu halten, in welcher er ganz eigene Regeln für den Werbemarkt definieren kann.

Trotz des Erfolgs von Android kann man – insbesondere angesichts des bis jetzt eher vernachlässigten Android Markets – gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass Google nicht ‘ganz bei der Sache’ ist. Vielleicht ist das auch gar nicht notwendig, da sich Android ja trotzdem auf einem scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch befindet.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich Google bei ‘richtigen’ Webanwendungen einfach eher zu Hause fühlt als bei den kleinen Apps und damit kommen wir zur abschließenden These:

Der Chrome Web Store als Scharnier zwischen Android und ChromeOS

Die für mich spannendste Frage an das neue Android 3.0 ist die, wie leistungsfähig der mitgelieferte Webbrowser sein wird: ist es schon ein vollwertiger Chrome Browser? Wenn dies so ist, dann könnte der Chrome Web Store mit seinen Web ‘Apps’ ganz neue Nutzungsszenarien ermöglichen:

Als Nutzer des Chrome Browsers auf meinen Desktop PC installiere ich mir die gewünschten Web Apps in meinem Browser. Über die Synchronisationsfunktion wandern diese Apps auch gleich auf mein Android Tablet. Und wenn ich doch mal viel Tippen muss öffne ich das ChromeOS Netbook und finde dort auch alle Apps automatisch vor. Noch etwas weiter gedacht könnten sich die Web Apps auf Android 3.0 Geräten eigentlich komplett mit ‘normalen’ Android Apps vermischen.

Was sich hier also abzeichnet ist daher eine alle heutigen und kommenden Gerätearten  überspannende Anwendungsplattform, die den Nutzern einen völlig bruchlosen Übergang ermöglicht. Ausgenommen sind davon nur die klassischen Smartphones mit kleinen Bildschirmen und geringer Prozessorleistung.

Die Vision geht vermutlich sogar  noch weiter: Da die Apps im Chrome Web Store auf Techniken wie HTML 5 setzen sind sie vermutlich auch direkt auf Apples iPad einsetzbar und auch auf allen anderen jetzt entstehenden Tablet Plattformen dem Playbook von RIM und WebOS von HP, sofern entsprechende Browser verfügbar sind. Dies gilt natürlich auch für andere Webbrowser auf dem PC.

Gemäß der angenommenen Logik von Google, wonach es das Wichtigste ist die Nutzer überhaupt erst ins Netz zu bringen, kann ein solches Szenario nur einen Gewinn bedeuten. Und hier rundet sich für mich die Strategie von Google mit seinen beiden Betriebssystemen ab gemäß der alten Logik des getrennten Marschierens und gemeinsamen Zuschlagens.