Dienstag, 11. Oktober 2011

Vom Nexus One zum Samsung Galaxy S II

Vor 19 Monaten kam mit dem Nexus One das erste Smartphone ins Haus. Es hat die Erwartungen mehr als erfüllt und sich inzwischen in fast jeden Teil des eigenen Lebens gedrängt. Eigentlich wäre allein das einen eigenen Blogpost wert. Vielleicht später einmal. Nachdem in den letzten Monaten aber der Speicher des Nexus den immer gewaltiger werdenden Apps nicht mehr so richtig gewachsen war musste (sic) jetzt ein neues Gerät her.
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Das Samsung Galaxy SII ist dabei zwar schon fast ein halbes Jahr als, hat sich aber offenbar bereits an die 10 Millionen Mal verkauft, muss auch den Vergleich zum gerade erst vorgestellten iPhone 4S nicht scheuen und hat inzwischen ein gesundes Preisleistungsverhältnis. Und einen krassen Bildschirm. Trotzdem ist es eine Umstellung von einem Gerät mit pure Android auf ein Produkt welches einige Anpassungen erfahren hat. Hier meine Gedanken dazu im Zuge der Migration.

Hardware – Leicht und schwarz und schön

Das Galaxy ist eine Schönheit. Punkt. Mögen sich einige über ‘mangelnde’ Wertigkeit des extrem leichten Gerätes (noch mal 12 Gramm weniger als mein deutlich kleineres Nexus) beschweren, für mich liegt es sehr gut in der Hand und wirkt sehr stabil. Auch das einige die extrem dünne Rückwand als zerbrechlich bezeichnet haben lässt sich nicht nachvollziehen:
DSC_5914Man hat eher den Eindruck als ob dieses harte, genau passende Stück Kunststoff erst dem Gerät die enorme Festigkeit verleiht. Und von den unglaublichen Farben des Bildschirms und dem extrem tiefen Schwarz, welches die Grenzen zum Gehäuse verschwinden lässt, haben schon viele geschwärmt. Ich auch.

Kies – Kommt damit etwa ein iTunes ins Haus?

Während das neue Handy noch lädt wird die Kies Software heruntergeladen. Das sind mal eben 82 Megabyte. Die Beschreibung auf der Webseite, die man während der langen Download Zeit schon mal lesen kann, macht mir Angst: Ich will meinen Kalender nicht mit meinem PC synchronisieren! Und auch nicht meine eMails oder Kontakte! Wozu bin ich denn mit Google in die Cloud gegangen? Hoffentlich kann ich auch weiterhin alle Kontakte, Mails und Kalendereinträge ganz normal über das Google Konto installieren.
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Nicht umgehen lässt sich aber offenbar die Kies Software bei der Installation von Android Updates. Damit geht ein Vorteil flöten, mit den ich früher die Apple Fraktion immer geärgert hatte: das mein Android Gerät ein vollständig eigenständiger Computer sei, der es nicht nötig habe (wie ein iPhone) mit einem PC gekoppelt zu werden. Schade eigentlich.

Erstes Einschalten: Problemlos und wie gewohnt

Der Start des SGSII ist dann eigentlich genauso wie beim Nexus One: Verbinden mit dem Android Konto, Start der Synchronisierung und so weiter. Läuft so weit gut, nur das W-LAN Passwort für das heimische Netz kommt nicht mit (oder es dauert mir zu lange). Trage ich also das 50-stellige Zufallspasswort von Hand ein, dann funktioniert der W-LAN Zugriff.
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Beim Installieren von Apps über den Market das erste Problem: Die Downloads starten nicht. Starte das Galaxy neu, danach gehen die Download los. Schön ist der erste Blick in die Speicherverwaltung: Da wo es in meinem Nexus schon monatelang eng war begrüßen mich jetzt 1,9 GB freier Speicherplatz. Das hat Zukunft:)

Firmware Aktualisierung

Damit sich das Problem mit dem Market nicht wiederholt will ich sofort das ja schon verfügbare Update auf Android 2.3.4 installieren, was tatsächlich nur über Kies geht. Also die Software gestartet und das Galaxy per USB angeschlossen. Es wird automatisch erkannt, wobei der ganze Prozess auf dem schon etwas älteren Laptop einige Minuten braucht. Sofort wird die Firmware Aktualisierung angeboten.
Im Dialog verneine bzw. überspringe ich alle Angebote die Daten vom Handy zu sichern, zum einen ist noch nichts drauf, dass nicht auch in der Cloud wäre, zum anderen soll gar nichts in Kies landen. Wenn ich das Gerät erst intensiver nutze wird sich das vielleicht ändern.
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Der erste Installationsversuch geht schnell zu Ende und bricht mit der Meldung ab, dass 3000 MB Platz gebraucht würden! Leider ist die Platte gerade voll, aber völlig unklar ist mir, was in dieser riesigen Datenmenge stecken soll!? Die Android Updates auf dem Nexus waren selbst im größten Fall deutlich kleiner als 100 MB. Was hat Samsung da alles mit reingepackt? Jedenfalls ist es kein Wunder, dass solche Updates nicht über das Smartphone selbst vollzogen werden können.
Aber auch der Download am PC mit unserer 2 MBit Leitung ist nicht lustig und braucht seine Zeit. Das angekoppelte Smartphone kann in dieser Zeit immerhin Strom aus dem USB Anschluss ziehen, dafür lässt sich das Fenster mit der Fortschrittsanzeige auf dem PC nicht in den Hintergrund schieben. So sind im Grunde beide Geräte blockiert.
Irgendwann ist der Download beendet und die neue Firmware wird aufgespielt. Das Smartphone braucht einige Zeit für den Reboot und ist dann auf Android 2.3.4. Für mich ein ‘Rückschritt’, hatte das Nexus One doch vor zwei Wochen das Upgrade auf 2.3.6 erhalten.

Der Android Market im Netz

In der Webversion des Android Markets ist das SGSII nun auch verfügbar als Zielgerät zusammen mit dem Nexus One. Hier kann man schon Software installieren während sich Kies noch mit dem Firmware Update abmüht. Klappt so weit wunderbar.

Spielen mit Kies

Danach will dann Kies ausprobiert werden, nicht dass ich diese Software verdamme und dabei ist sie ganz toll. Das einzig auf Anhieb interessante scheinen die Samsung Apps zu sein. Komischerweise will die gerade frisch installierte Anwendung sie gleich noch mal aktualisieren und meldet dann erst Mal, dass die Apps nicht für mein Gerät verfügbar sein. Davon nicht irritieren lassen, der App Store kommt dann doch noch, nachdem man eine furchterregende Haftungsausschlusserklärung ‘unterzeichnet’ hat.
Komischerweise werden mir lauter Bada Apps angeboten und man muss sich irgendwie bei Samsung anmelden (danach wurde ich früher schon gefragt und habe das verweigert). Also lasse ich Kies dann doch links liegen. Vielleicht komme ich später noch mal zurück, aber nicht heute.
Sehe später, dass der Samsung App Store auch direkt auf dem Smartphone verfügbar ist, so wie es sein sollte. Interessanterweise hat Samsung Android nicht so verändert, dass Installationen von diese Market ohne Warnung funktionieren. Auch hier muss man in den Einstellungen erst die App Installation von Unbekannten Quellen freischalten. Finde ich gut!

Produktiv gehen

Ansonsten ist der Umstieg vom reinen Android auf die Samsung Variante bisher schnell gegangen. Praktisch sind die Ordner, die für mich eine bisher verwendete App überflüssig machen und die Möglichkeit einfach Screenshots anzufertigen. Ob ich mich mit den ganzen Samsung Apps anfreunden kann muss die Zeit zeigen, aber man muss ja deshalb auf keine seiner gewohnten Apps verzichten.
Fazit nach 4 Stunden SGSII Besitz: Es gibt keinen Grund es wieder abzugeben:)

Dienstag, 13. September 2011

Baut das Internet neu? Versteht erst einmal das existierende!

Die Internetgesellschaft und ihre Visionäre sind schon einmal abgestürzt. … Im Spätsommer 2011 wird deutlich, dass dem ganzen Internet das Fundament fehlt. Es könnte zum neuerlichen Rückschlag kommen. -- Thomas Fischermann | Götz Hamann in der DIE ZEIT Nr. 37

Mit diesen Worten endet in der aktuellen Ausgabe der ZEIT ein Artikel mit dem Titel ‘Baut ein neues Internet!’. Der Link zur Seite hat sogar einen noch drastischeren Titel: Zerschlagt-das-Internet. Der Artikel ist unglaublich nervig, da er – offenbar als Vehikel zur Präsentation des frisch erschienenen Buchs der beiden Autoren – in plattester Weise auf der Anonymous oder LulzSec zugeschriebenen Hackingwelle der letzten Monate reitet. Aber an statt die Hintergründe aufzuzeigen, Bedrohungen einzuordnen und vielleicht sogar ein paar konkrete Vorschläge (etwa zu sicherem Onlinebanking) zu geben übt sich der Text in einem gnadenlosem Schüren der eh’ schon geradezu sprichwörtlichen deutschen Angst vor dem Neuen, vor allem wenn es so ungreifbar ist wie das weltweite Netz. Das abgründige Niveau des Textes – der nicht wirklich zum sonstigen Stil der ZEIT passt – fordert eine Auseinandersetzung mit seinen Thesen geradezu heraus. Also los:

 

Die Grundthese: Am Internet ist etwas grundsätzlich falsch

Die übergreifende These des Texts – wenn das nicht zu viel gesagt ist – besteht darin, dass das  Internet auf Grund seiner ursprünglichen, hierarchiefreien Struktur für heutige Anforderungen unpassend, ja sogar gefährlich sei. Das wird unterlegt mit aus dem Kontext gerissenen Zitaten verschiedener Gründerväter des Netzes. Leider ist diese These vollkommener Unsinn, und die Art wie sie ‘belegt’ wird mehr als abenteuerlich. Es beginnt schon mit dem Intro.

 

Intro: Facebook wird am 5. November zerstört

Der Artikel startet mit einer Art Teaser auf die uns allen bevorstehenden Internetschrecken und wie bei jedem guten Teaser hält man sich nicht mit Details auf, sondern setzt auf atemlose Spannung: Irgendwelche Hacker haben angekündigt bzw. dazu aufgerufen am 5. November einen Angriff auf Facebook zu starten. Die Autoren nehmen das todernst:

…nun wollen ein paar Hacker darüber entscheiden, ob Facebook existieren darf.

Ob es überhaupt realistisch ist, dass Facebook erfolgreich angegriffen wird? Keine Frage! Als Beleg dafür wird hier Facebooks Belohnungssystem für gefundene Sicherheitslücken angeführt: Wenn Facebook so etwas macht, dann muss doch was dran sein an der Bedrohung! Das etwa Google so ein Belohungssystem schon lange beim Chrome Browser hat? Irrelevant (oder den Autoren nicht bekannt). Überhaupt hat uns die Hackerwelt ja sowieso schon komplett in der Hand:

Hacker-Aktivisten verwirklichen nicht alle ihre Pläne. Aber wenn, dann heben sie die vertraute Internetwelt aus den Angeln.

Ist das so? Während der hier als Referenz genannten Operation Payback habe ich keine Auswirkungen gespürt. Und die Leserinnen und Leser der ZEIT wohl erst recht nicht, Amazon hat schließlich den Angriffen widerstanden. Nachdem man sich hier in einer uninspirierten und undifferenzierten Auflistung einiger Sicherheitsvorfälle ergangen hat folgt schnell das q. e. d. in Form des Satzes

Die Sache ist also ernst, und das wissen auch die Verantwortlichen von Facebook.

Also wenn das nicht überzeugt. Wir sind offenbar wirklich verloren (obwohl, was wäre so schlimm wenn Facebook mal ein paar Tage ausfällt? Etwa der dramatische Anstieg der Produktion durch dann nicht mehr abgelenkte Angestellte?). Vor allem da die Autoren sich ja sogar zu den geheimen Hackertreffpunkten gewagt (wohliges Schaudern beim Leser, vermutlich waren die Autoren auf dieser Seite) und deren geheime Kommunikation (‘DESTROOOOOOOOOOOOOOOOOOOY’) abgehört haben. So sieht investigativer Journalismus im und über das Netz aus. Aber das war nur der Auftakt.

 

Niemand kann den Hackern widerstehen

Im nächsten Abschnitt wird der wilde Ritt durch das schlimme Internet fortgesetzt. Es beginnt mit einem Verweis auf staatliche Hacker, die ja noch viel schlimmer seien als die ‘Halbstarken’ von denen bisher die Rede war. Der dramatische Höhepunkt liegt in der kurz angerissenen Sabotage iranischer Atomanlagen durch den Stuxnet Wurm. Der Name Stuxnet wird den Lesern dabei nicht zugemutet genauso wenig wie die  Information, dass sowohl die Auftraggeber dieses bisher einmaligen Computerschädlings wie auch sein Ziel nur Spekulationen sind. Auch dass das Internet bei diesem Angriff wohl eher keine Rolle spielte wird hier unter den Tisch gekehrt. Schon vorher kommt aber der Hammersatz des ganzen Artikels:

Die Zwischenfälle, die ihnen [den staatlichen Hackern] zugeschrieben werden, wiegen mittlerweile so schwer, dass sie die Sicherheit und den Wohlstand der westlichen Welt bedrohen.

Ja, unter dem Untergang der gesamten westlichen Welt tut es ein Katastrophenjournalist der auf sich hält natürlich nicht. Als Fallbeispiele werden hier der Diebstahl von Konstruktionsplänen eines US-amerikanischen Kampfjets und von Klimazertifikaten genannt. Vor dem Internet gab natürlich keine Industriespionage und Banküberfälle waren quasi unbekannt.

Nun folgt noch eine Trophäenliste der LulzSec Hacker, die sich für den Laien beeindruckend liest und nur den Schluss zulässt, dass niemand diesen Hackern wiederstehen kann. In dieser Liste darf natürlich auch der berühmteste ‘Erfolg’ der Hacker nicht fehlen: Der CIA ‘Hack’ (wieder ein Schaudern beim Leser, vielleicht vermischt mit etwas antiamerikanischer Schadenfreude). Was die Autoren vergessen haben – vielleicht wussten sie es auch nicht besser – ist das Angriffe wie der auf die CIA in Sicherheitshinsicht in etwa so spektakulär sind wie ein umfallender Sack Reis in China. Dieser XKCD Cartoon fasst die Relevanz des CIA ‘Hacks’ und die disparate Wahrnehmung treffend zusammen.

Eine besondere Frechheit ist in diesem Kontext die Zitation des renommierten US-Kryptologen Bruce Schneier. Dieser wird mit der Frage zitiert ‘Ist da eigentlich eine Hackerepidemie ausgebrochen?’. Die Antwort, die sich Schneier selbst gibt, wird dem unmündigen Leser allerdings vorenthalten. Sie passt ja auch so gar nicht zu den Thesen des Texts. Hier ist sie, in der Form wie sie sich in Schneiers Cryptogram vom 15. August nachlesen lässt:

 

Is There a Hacking Epidemic?

….

The apparent recent hacking epidemic is more a function of news reporting than an actual epidemic. Like shark attacks or school violence, natural fluctuations in data become press epidemics, as more reporters write about more events, and more people read about them. Just because the average person reads more articles about more events doesn't mean that there are more events -- just more articles.

Schneiers These ist es also, dass es faktisch nicht mehr Hackerangriffe gab, es wurde nur ausführlicher darüber berichtet, ähnlich wie es auch bei anderen spektakulären Angriffen oder Unglücksfällen der Fall ist. Und die Autoren dieses ZEIT Artikels bestätigen Schneiers These sehr eindrucksvoll.

 

Onlinebanking ruiniert uns

Aus der Welt der Staaten und Großunternehmen geht es dann ins Private: Das Onlinebanking, welches nach der These der Autoren die meisten Bürger ja erst ins Netz gebracht hat, wächst sich zu einer enormen Gefahr aus, die uns alle persönlich ruinieren wird. Unterfüttert mit dem ausgewalzten Fallbeispiel einer ausgeplünderten Onlinebankingnutzerin werden hier Thesen gestreut wie die, dass es quasi kein sicheres Onlinebanking gäbe und wir bald alle wieder persönlich zum Bankschalter gehen werden.

Zeigen die Autoren Lösungen auf? Nein, natürlich nicht. Es werden furchterregende Beispiele wie ein gefundener Rechner genannt, auf dem sich tausende von Computerschädlingen getummelt haben sollen. Diese Information ist in etwa so relevant wie die Information das es Leute gibt, die mit 5,6 Promille noch Radfahren können.

Wird Bezug auf aktuelle Rechtsprechungen genommen, in denen selbst grobst fahrlässiges Verhalten von Onlinebankingnutzern zu einer Schadensersatzpflicht für die Banken führt (siehe den Fall des Onlinebankingsbenutzers, der 100 (!) TANs auf einer gefälschten Bankingwebseite eingetragen hat und trotzdem sein Geld von der Bank zurück bekommen hat)? Nein, es wird statt dessen von ‘unbegrenzter Haftung’ für die Onlinebankingnutzer gesprochen. Gibt es Hinweise auf sichere Betriebssysteme wie ChromeOS, Linux oder sogar MacOS, die von den beschriebenen Trojanerangriffen nicht oder fast nicht betroffen sind? Natürlich nicht.

 

Fazit: Weitestgehende Ahnungslosigkeit der Autoren

Der Text geht noch weiter und hält sein niedriges Niveau: Eine Melange aus nur kurz angerissenen Sicherheitsvorfällen, aus dem Kontext gerissenen Zitaten von Personen die mal Gründerväter des Internets waren (und damit dem Artikel nach irgendwie verantwortlich sind für die heutige ‘Misere’) und flankierenden Statements von Wissenschaftlern, deren besonders betonte Eigenschaft der Besitz eines Hauses an einem See ist.

Die ZEIT bringt dann auch noch einen weiteren Text der beiden Autoren mit dem Titel ‘Forderungen an das nächste Netz’ mit einer Sammlung von Forderungen, die zum Teil allseits bekannte Binsenweisheiten sind (Steuerunganlagen von Atomkraftwerken gehören nicht an das offene Internet gekoppelt) und zum Teil Rufe nach noch mehr Regulierung, Strafe und Verfolgung (Schadenersatz bei Datenverlusten) darstellen. Die Frage welcher Schaden den tatsächlich bei Datendiebstählen wie etwa bei Sony entstanden ist scheint die Autoren weniger zu beschäftigen: Wenn alle darüber berichten, dann muss ja ein Schaden entstanden sein.

Die zwischenzeitlich fallenden Sätze wie ‘Die Computer, das Netz, ja die gesamte Informationstechnik versagt nun im großen Stil’ zeigen wie wenig die Autoren gewillt oder in der Lage sind sich in die Thematik wirklich zu vertiefen. Was ist genau das Versagen? Gibt es überhaupt irgendeinen Zusammenhang zwischen einem Stuxnet Wurm und Wikileaks Anhängern, die sich den LOIC installieren um so auf ihre Weise im Netz zu demonstrieren? Fragen über Fragen, aber es wäre wohl zu viel verlangt hier Differenzierung zu erwarten, wo es doch darum geht die GROSSE THESE von der Gefahr (oder dem Gefährder?) Internet aufzubauen.

Und das ist mein größter Vorwurf an diesen Text: Es baut hemmungslos Ängste auf und bietet nicht die geringste Lösung: Wenn die ‘gesamte Informationstechnik’ versagt und die Experten nicht helfen (die einen sind ja inkompetent, die anderen haben sich zurückgezogen und üben sich im Tautreten) was soll es dann bringen ein neues Netz aufzubauen, was ja eine Schlussthese des Textes ist?

Es ist schon irgendwie traurig, dass Die ZEIT die ersten drei Seiten ihres Wirtschaftsteils für so eine armselige Textsammlung vergeudet.

PS: Auf Netzpolitik.org gibt es ein kurzes Statement zu dem Buch, welches die beiden Autoren mit ihren Texten bewerben. Ich werde es mir nicht zulegen.

Donnerstag, 1. September 2011

Zum Stand der Browserkriege || Wühlen in Statistiken 08/2011

Mit dem Eintritt Googles in den Browsermarkt hat ein Kampf um die weltweiten Marktanteile begonnen, der heute immer noch anhält. Da sich gerade so viel bewegt ist es spannend sich einmal mit den aktuellen Statistiken zu beschäftigen.

Stand Ende August 2011

Die beiden großen Webstatistiker geben uns folgende Zahlen zur aktuellen Lage im Browserweltmarkt:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die erste Statistik kommt von NetMarketshare, und die zweite von StatCounter. Beide Dienste werten die Zugriffe auf Millionen von Webseiten aus und ziehen daraus ihre Schlüsse. Hier die 4 wichtigsten Browser im Vergleich:

Browser/Statistik NetMarktshare StatCounter
Internet Explorer 55,3% 41,89%
Firefox 22,6% 27.49%
Chrome 15,5% 23,16%
Safari 4,6% 5,19%

Die deutlichen Abweichungen beider Statistiken erklären sich aus den Auswertungsstrategien: Bei NetMarketshare wird versucht individuelle Browserbenutzer zu ermitteln und zu zählen, bei StatCounter wird die reine Anzahl an Seitenaufrufen gezählt, Browser mit sehr internetaffinen Nutzern haben hier einen Vorteil. In beiden Auswertungen werden inzwischen die mobilen Geräte separat gezählt, gehen also nicht in die Statistiken der Desktopbrowser ein.

In den folgenden Ausführungen wird auf die StatCounter Statistiken gesetzt, da sich hier Teilauswertungen nach Regionen und Ländern frei abrufen lassen. Es werden dabei immer die letzten 6 Monate betrachtet. Nach meinem Eindruck ist die Auswertung nach Seitenabrufen an Stelle von Nutzern auch die letztlich sinnreichere Strategie, da sich hier Veränderungen im Verhalten der Browsernutzer schneller ausdrücken.

Wie sieht die Entwicklung weltweit aus:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Kurz gesagt fällt der IE, Firefox stagniert mit negativem Trend, Chrome steigt weiter auf und Safari wächst minimal. Was bedeutet das im Detail und welche Besonderheiten gibt es?

Chrome

Das Wachstum des Chrome Browsers geht scheinbar ungebrochen weiter, er saugt die Verluste der anderen Browser mehr oder weniger komplett auf. In Südamerika ist der Browser besonders erfolgreich:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Südamerika könnte damit zum ersten Kontinent werden, in dem Chrome der führende Browser wird. In einzelnen Ländern ist Chrome bereits der mit Abstand führende Browser, wobei die Philippinen darunter wohl das Land mit den meisten Internetnutzern sind:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Hier liegt der Anteil bereits bei mehr als 50%. In Europa hat Chrome im vergangenen Monat in England den Firefox überrundet, in Italien wird dies im kommenden Monat der Fall sein:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es gibt nur wenige Länder in denen Chrome stagniert, eines davon ist Deutschland (siehe den Chart im Abschnitt zum IE). Spannend wird es sein, wie lange Google den bereits unglaublich lange anhaltenden Aufstieg von Chrome fortsetzen kann.

Firefox

Firefox konnte im August mit Indien das Land mit der drittgrößten Zahl an Internetnutzern der Welt gewinnen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Allerdings wird dieser Sieg wohl nur einen Monat Bestand haben, danach muss die Krone an Chrome weitergereicht werden. In Afrika könnte Firefox bald die Vorherschaft über einen Kontinent gewinnen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

In Europa, wo der Browser am Jahresanfang für kurze Zeit die Marktführerschaft errang, nur um sie wenig später wieder an den IE abzugeben, bleibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Deutlich wird allerdings, dass der Firefox im wesentlichen stagniert. Die Überrundungen des IE an einigen Stellen sind dem Chrome Browser zu verdanken, der weiterhin Marktanteile des IE aufsaugt und diesen damit unter die gleichbleibenden Firefox Anteile drückt. In angestammten Firefox Ländern wie Deutschland sieht es sogar eher schlecht aus (siehe den folgenden Abschnitt zum IE), hier verliert der Browser stark. Insgesamt scheint Firefox daher mit seinem neuen schnellen Releasezyklus noch keine positive Wirkung auf seinen Marktanteil entfaltet zu haben.

Internet Explorer (IE)

Der Internetexplorer fällt zwar weiterhin in den meisten Regionen, aber es gibt Beispiele wie Deutschland, in denen er sich seit einigen Monaten wieder im Aufwand befindet:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in anderen eher ‘wohlhabenden’ Ländern kann man diese Tendenz beobachten und vermuten, dass sie mit der Verbreitung von Windows 7 und dem nur auf diesem Betriebssystem verfügbaren IE 9 zusammenhängt. Der IE 9 hat mehr oder weniger Anschluss an den technischen Stand von Chrome gefunden und bietet weniger Anlass für einen Browserwechsel als die Vorgängerversionen.

In den ‘ärmeren’ Ländern wie dem oben gezeigten Indien befindet sich der IE hingegen weiterhin in einer Art freiem Fall. Trotzdem hat der IE weiterhin weltweit seine großen Bastionen, die scheinbar nicht zu bewegen sind. Das deutlichste Beispiel ist hier China:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es wäre interessant einmal eine weltweite Browserstatistik zu erhalten, in der nur China herausgerechnet ist. Vermutlich würde der IE dann gleich ein ganzes Stück abrutschen.

Safari

Apples Browser spielt vermutlich nur auf Apple Rechnern eine Rolle, auch wenn er für Windows verfügbar ist. Er sollte sich damit in etwa parallel zum Wachstum der MacOS Rechner ausbreiten. Interessanterweise hat seine Nutzung aber gerade in Nordamerika, wo er mit einem Anteil von >10% eine vergleichsweise hohe Verbreitung hat, im letzten Monat einen kleinen Rückgang erfahren:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Was könnte hierfür die Erklärung sein? Vielleicht das überdurchschnittlich viele Apple Kunden auch gleichzeitig ein iPad besitzen und einen immer größeren Teil ihrer Onlinezeit auf diesem Gerät verbringen und so den Safari Anteil kannibalisieren?

Weitere Trends

In den kommenden Monaten wird es neben den Auseinandersetzungen zwischen den Desktopbrowsern auch spannend sein zu beobachten, wie sich das Verhältnis zwischen Desktop- und mobilem Browsen verschiebt:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share

Mit der schnell wachsenden Zahl von Smartphones und Tablets entsteht hier ein ganz anderes Browserschlachtfeld, in dem noch viel mehr Akteure eine Rolle spielen und dementsprechend noch mehr Dynamik zu finden ist:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile OS Market Share

Es bleibt spannend!

Dienstag, 5. Juli 2011

Google+ macht Picasa zum GMail der Onlinefotoalben

Es kommt nur noch selten vor, aber manchmal stößt man noch auf sie: Die Nutzer von eMaildiensten wie web.de, bei denen man ein Mailkonto mit Größenbeschränkungen von wenigen Megabyte (kein Tippfehler) erhält. Dann fühlt man sich wie aus der Zeit gefallen, ist man doch inzwischen seit mehr als einen halben Jahrzehnt an Gratispostfächer mit vielen Gigabyte Speicherplatz gewöhnt. Es ist an dieser Stelle wert sich noch einmal daran zu erinnern wie es zu diesem explosionsartigem Wachstum kam, war es doch bis 2005  Gang und Gäbe nur wenige Megabyte große Postfächer zu haben: 

Der ‘Aprilscherz’ GMail

Der Anstoß wurde hier von Google mit der Einführung von GMail gegeben. GMail bot am Anfang 1 GB Speicherplatz, eine damals so ‘unvorstellbare’ Größe, dass die zufällig auf den 1. April 2004 gefallene Ankündigung des Dienstes zunächst für einen Aprilscherz gehalten wurden. Sieben Jahre später haben die meisten Freemailanbieter nachgezogen, auch wenn GMail mit heute ca. 7,6 GB Speicherplatz weiterhin einen der umfangreichsten Speicherplätze anbietet.

ScreenShotGMail

Es ist auch für Vielmailer relativ schwierig dieses Volumen auszufüllen und mit dem Luxus des scheinbar niemals endenden Speicherplatzes gingen tiefgreifende Veränderungen in der Nutzung von eMail einher. Das gilt zumindest für mich, aber über ähnliche Beobachtungen habe ich schon oft im Netz gelesen:

  1. Es wird keine eMail mehr gelöscht. Wozu auch? Und wer weiß, wofür man sie noch einmal braucht? Der wichtigste Schalter in der GMail Oberfläche ist ‘Archivieren’, welcher eine eMail einfach in die endlose Liste der empfangenen Mails einreiht. Man denkt gar nicht mehr darüber nach ob eine eMail Wert des Aufhebens ist und spart allein dadurch schon jede Menge Zeit bei der Mailbearbeitung.
  2. Suchen statt ordnen: Durch das permanente Wachstum des eMailarchivs, welches inzwischen Jahrzehnte überspannen kann (viele haben beim Umstieg auf GMail ihre Archive von anderen Adressen mitgebracht) wird das Suchen wichtiger. Es ersetzt das sinnlos gewordene Kategorisieren, Sortieren und Eintüten in hunderte von Ordnern, welches wohl jedeR einmal am Anfang seiner oder ihrer Mailkarriere versucht hat. Und gescheitert ist. Oder irgendwann das Fazit zog, dass Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen. In GMail kann man eMails kategorisieren, aber die Nutzung der Suchfunktion ist unendlich viel effizienter.

Natürlich macht die Großartigkeit von GMail mehr aus als nur das reine Speichervolumen. Aber das war es, was damals die eigentlichen Sensation bei der Einführung war. Und möglicherweise stehen wir nun wieder an einer ähnliche Schwelle, nur dass es dieses Mal um die Verwaltung von Bildern im Netz geht. Und möglicherweise sind die zu erwartenden Veränderungen in unserem Verhalten genauso umfassend, wie es bei der eMail war.

Google+

Erst vor wenigen Tagen hat Google sein brandneues Projekt Google+ gestartet, welches gemeinhin als nächster Versuch eines Einstiegs in die sozialen Netze und damit als Konkurrenz zu Facebook und Twitter angesehen wird. Der Fokus der Diskussion liegt heute meist noch auf neuartigen Funktionen wie dem Gruppenvideochat, aber das eigentlich spannende sind die Veränderungen, die mit Google+ an dem bisher etwas angestaubt wirkenden Bilderdienst Picasa vollzogen worden sind:

Faktisch unbegrenzter Bildspeicherplatz im Netz

Bisher schon konnte man Bilder im Gesamtvolumen von 1 GB hochladen, danach musste weiterer Speicherplatz von Google gemietet werden. Anfang 2011 gab es die erste Änderung: von da an zählten Bilder mit einer maximalen Seitenlänge von 800 Pixeln nicht mehr auf dieses Quota. Solche Bilder sind allerdings nur für einige Darstellungen im Web geeignet und kein Ersatz für eine Originaldatei.

Mit dem Start von Google+ hat Picasa zum einen die sehr wichtige Funktion für das Teilen und Veröffentlichen von Bildern erhalten. So ist es mit wenigen Klicks und in Sekundenschnelle möglich aus einen speziellen Album (den Instant Uploads oder Sofort-Uploads) heraus Bilder online zu stellen.

Wichtiger ist aber die Erhöhung der Schwelle bis zu der nun Bilder nicht mehr unter das Quota fallen: Dies sind nun satte 2048 Pixel. Damit sind Bilder bis zu einer Größe von 2.048 * 2.048 = 4.194. 304 Pixeln plötzlich unbegrenzt speicherbar! Bei mir hat dies zum Beispiel dazu geführt, dass nach meiner Freischaltung für Google+ mein schon halb volles Picasa Konto nun nur noch einen Füllstand von 17% aufweist.

ScreenShotGooglePlusUpload

Und da 2048 Pixel für heutige Bildschirmgrößen völlig ausreichend sind kann man nun tatsächlich ernsthaft in Erwägung ziehen sein komplettes Bildarchiv (völlig gleichgültig, wie groß es ist!) in hoher Qualität online abzulegen. Google macht den Upload einfach: Wenn man über Google+ die Bilder hochlädt werden sie automatisch skaliert. Man kann natürlich weiterhin die Picasa Desktop Software nutzen, allerdings bietet diese zur Zeit noch keine Skalierung auf den Wert von 2048 an, sondern nur auf 1600.

Automatischer Upload vom Smartphone

Eine weitere revolutionäre Idee ist bereits in der Android App von Google+ verwirklicht: Diese kann alle auf dem Smartphone neu abgelegten Bilder (aber auch alte) automatisch zu Picasa hochladen, wobei auch hier die automatische Skalierung auf 2048 Pixel gemacht wird.

Dieser automatische Upload funktioniert völlig reibungslos und im Regelfall findet man seine zuletzt geschossenen Bilder bei Wechsel an den Laptop bereits bei Google+ vor, wo man sie dann entweder veröffentlichen, bearbeiten, in andere Alben verschieben oder einfach vergessen kann.

Und an dieser Stelle schließt sich für mich der Kreis zur GMail Einführung: In den ersten Tagen der Nutzung von Google+ und der Android Bildsynchronisierung hat man noch das Bedürfnis die schlechten Bilder zu löschen. Aber je vertrauter der Anblick der automatisch einströmenden Bilder und je deutlich die ‘Unendlichkeit’ des gebotenen Speicherplatzes wird, desto weniger interessiert man sich hier – wie schon früher bei den eMails – für das Aufräumen. Und wer weis für welchen Verfremdungseffekt man ein verwackeltes Bild noch mal brauchen kann?

Es entsteht hier quasi ein automatisches Fototagebuch, zumindest dann, wenn man sein Smartphone tatsächlich zum Fotografieren nutzt. Was daraus einmal entstehen wird ist noch völlig unabsehbar. Aber es wird zumindest mein Verhältnis zu den selbst gemachten Bildern noch einmal nachhaltig verändern.

Kein vollständiges Backup

Bei alle der Euphorie muss klar sein, dass Picasa oder – wie es offenbar bald heißen wird – Google Photo kein vollständiger Ersatz für ein normales Backup der gemachten Bilder ist, da abgesehen von ganz simplen Handykameras in jedem Fall eine gewisse Verschlechterung der Bilder durch die Skalierung beim Hochladen eintritt. Um also sicher zu gehen einen vielleicht wirklich wichtigen / schönen Schnappschuss auch später noch in Postergröße entwickeln lassen zu können muss man die Bilddaten zumindest vorerst noch direkt vom Handy auf irgendeine Sicherung übertragen. Zu diesen Originaldateien kann man dann über den in Picasa sichtbaren Dateinamen gelangen.

Aber wer weis: vielleicht sind einem diese höher aufgelösten Bilddateien bald gar nicht mehr so wichtig?

Fazit

Ähnlich wie mit GMail wird Google mit Picasa in Google+ unser Verhältnis zur Onlinespeicherung von Daten erneut nachhaltig verändern. Mit vermutlich ähnlich weitreichenden Konsequenzen etwa für die Bereitschaft (und überhaupt Fähigkeit) Bilder mit Freunden und der Welt zu teilen. Es wird spannend werden zu sehen, was daraus entsteht und wie unsere Bildertagebücher in einigen Jahren aussehen werden.

Montag, 28. Februar 2011

Welchen Wert haben Umfragen im Netz bei politischen Themen?

Eine der Parteien in unserer Heimatstadt hat auf ihrer Homepage einen Onlinefragebogen zu einem der strittigen Neubauthemen in Borgholzhausen geschaltet um auf diese Weise einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung zu leisten.

Zum Fragebogen 'Soll Ihrer Meinung nach der Hardenberg bebaut werden?' der SPD

Nun stößt man im Netz permanent auf Fragebögen, in denen man seine Meinung zu unterschiedlichsten Themen mit einem Klick kundtun kann. Nichts ungewöhnliches also.

Ein Problem wird ein solcher Onlinefragebogen aber dann, wenn sein Ergebnis in einen politischen Meinungsbildungsprozess eingebracht und dabei sein Ergebnis unhinterfragt akzeptiert wird. Vor allem wenn – wie in diesem Fall – der Fragebogen mit einfachsten technischen Mitteln umgesetzt wird.

Meiner Ansicht nach ist der Fragebogen in seiner jetzigen Form weitestgehend wertlos und das gerade angezeigte Ergebnis nach ca. 2.600 Stimmabgaben:

  • Ja, warum nicht?  20%
  • Ja, auch mit einen neuen Markt. 26%
  • Nein, auf keinen Fall.  48%
  • Wenn überhaupt nur Wohnbebauung. 1%
  • Mir egal 2%

kann von jeder beliebigen Person bis zum geplanten Abstimmungsende am 6.3. in jede beliebige Richtung verzerrt werden. Warum das so ist und wie man es vielleicht besser machen könnte, darum soll sich der Rest des Textes drehen.

On the Internet, nobody knows you’re a dog

Das Hauptproblem dieser Art von Fragebogen liegt in der Anonymität des Internets: Die Personen, die einen Fragebogen ins Netz stellen, wissen nicht wer auf ihre Webseiten klickt.hund_im_netzx Oder um ein altes Netzsprichwort zu zitieren: ‘Im Netz weiß niemand, dass Du ein Hund bist’ (Quelle).

Eigentlich ist die Anonymität im Internet bei solchen Befragungen sehr nützlich: Da niemand fürchten muss mit seiner Meinung in Verbindung gebracht zu werden, kann man eine höhere Beteiligung und vielleicht auch eine ehrlichere Stimmabgabe erwarten, ganz wie bei einer richtigen Wahl mit Urne und Wahlkabine.

Aber die Anonymität hat einen Nachteil, der die Vorteile überwiegt: Da der Fragebogen (bzw. das technische System dahinter) nicht erkennen kann wer ihn ausfüllt, kann eine mehrfache Stimmabgabe nicht wirksam verhindert werden. Und während niemand auf die Idee kommen würde sich bei der Bundestagswahl gleich mehrere Stimmzettel vom Stapel zu nehmen (er/sie würde daran auch hoffentlich von den Wahlhelfern gehindert), kann jeder bei einer Internetumfrage so oft abstimmen bis das Ergebnis passend ist oder ihn die Lust verlässt.

Der einzige Ansporn ‘anständig’ zu wählen sind die jeweiligen moralischen Maßstäbe und die kleine technische Hürde, die sich leicht überwinden lässt:

Kleiner Umfragefälscherleitfaden für Anfänger

Der bei der Hardenberg-Umfrage verwendete Gratisdienst verhindert – wie die meisten derartigen Dienste – scheinbar die mehrfache Stimmabgabe: wenn man mit seinem Webbrowser den Fragebogen später erneut besucht, sieht man nur das aktuelle Ergebnis, findet aber die Auswahlmöglichkeit nicht mehr vor. Also hat sich der Fragebogen doch gemerkt, dass man schon abgestimmt hat. Aber wie macht er das?

Der Fragebogen hinterlässt dazu im eigenen Webbrowser ein kleines Datenpaket, einen sogenannten Cookie (engl. für Keks), der ihm sagt, dass man schon abgestimmt hat.  Der einfachste Test ist es jetzt den Fragebogen noch einmal von einem anderen Rechner aus aufzurufen und voila, man kann ein zweites Mal abstimmen. Oder man installiere noch einen anderen Webbrowser auf seinem PC. Und schon kann man drittes Mal abstimmen. Und ein viertes, fünftes, sechstes Mal.

Aber es geht auch schneller und mit weniger Mühe als mit einem Rechnerwechsel oder einer Softwareinstallation: Man muss einfach nur den Cookie des Fragebogens im eigenen Browser löschen. Wie das geht, kann man für jeden Browsertyp leicht über eine Internetsuche herausfinden. Ein noch einfacherer Weg sind die Möglichkeiten zum anonymen Surfen die Browser wie Firefox oder Chrome bieten. Hier kann man so oft abstimmen wie man will. Ein oder zwei Dutzend Abstimmungen lassen sich so in einer Minute schaffen, die Zeit eines langweiligen Tatorts sollte damit reichen um der eigenen Meinung im Umfrageergebnis ein ordentliches Gewicht zu verleihen.

Umfragefälschung für Profis

Aber das ist noch nicht das Ende: Wenn jemand etwas tiefer gehendes technisches Verständnis hat, so kann er sich leicht ein kleines Programm erstellen, welches automatisiert abstimmt. Dabei kann man so vorgehen, dass die ‘Abstimmung’ langsam vor sich geht und nicht weiter auffällt. Höchstens dadurch, dass irgendwann einmal mehr ‘Personen’ abgestimmt haben als Borgholzhausen Einwohner hat.

Fazit: Die Umfrage wird ein beliebiges Ergebnis haben

Die gerade beschriebenen Wege zur Überwindung der Fragebogentechnik sind keine besonders raffinierten Tricks oder gar illegal. Es gibt auch eine genügend große Anzahl von Personen, die auf diese Weise mit Internetseiten umgehen können. Selbst wenn es nur eine einzige Person gibt, die über die notwendigen technischen Fertigkeiten verfügt (und selbst im Nest Borgholzhausen gibt es entsprechend kompetente Personen) so ist die Aussagekraft des Fragebogens komplett in das Belieben dieser einen Person gestellt, und nicht wie es eigentlich sein sollte in das der kompletten Bürgerschaft.

Das Ergebnis des Fragebogens – sowohl das aktuelle wie auch das endgültige - erlaubt daher keinerlei Rückschlüsse auf das tatsächliche Meinungsbild in der Bevölkerung, zumindest kann man von niemanden ernsthaft erwarten, das Ergebnis der Umfrage anzuerkennen. Damit ist sie für eine politische Meinungsbildung ungeeignet.

Wie könnte man es besser machen?

Bei allen Onlinebefragungen gibt es immer das Spannungsfeld zwischen den Aspekten:

  • Anonymität der Beteiligung,
  • Zuverlässigkeit der Abstimmung,
  • Aufwand und nicht zuletzt der
  • Repräsentativität

In der Hardenberg-Umfrage ist die Anonymität hoch und der Aufwand niedrig, aber die Zuverlässigkeit wie beschrieben zu gering. Im Bereich der professionellen Evaluierungen, in denen sowohl Anonymität als auch Zuverlässigkeit hoch sein müssen, wird oft mit Fragebögen gearbeitet, die eine pseudonyme Nutzung ermöglichen: Dazu erhält jeder potentielle Teilnehmer einen eigenen Schlüssel, der aber vorher verteilt werden muss. Hier ist also der Aufwand entsprechend hoch.

Als Alternative zu solchen Arten der Befragung findet man heute immer stärker Gruppen in sozialen Netzwerken wie Facebook: Die Abstimmung erfolgt hier einfach durch das Anklicken von ‘Gefällt mir!’ an der entsprechenden Stelle. Hier ist recht zuverlässig sichergestellt, dass eine Person nur einmal abstimmt. Allerdings sind dafür die Hürden für die Teilnahme viel höher: nicht nur ist eine Mitgliedschaft im entsprechenden Netzwerk notwendig, zusätzlich müssen die Abstimmenden bereit sein ihre Einstellung zumindest ihrem Umfeld im Netz öffentlich zu dokumentieren.

Ganz grundsätzlich muss man schließlich bei reinen Onlinebefragungen weiterhin die Repräsentativität in Frage stellen, denn für wesentliche Teil der Bevölkerung ist es noch nicht selbstverständlich sich im Netz zu bewegen, selbst wenn ein Internetzugang vorhanden sein sollte.

Von daher ist die Zeit für Onlineumfragen im politischen Bereich einfach noch nicht gekommen.

Samstag, 26. Februar 2011

Javascript Performance von Android Browsern

Nachdem ich in der vergangenen Woche die Zukunftsaussichten von Firefox unter anderem deshalb bezweifelt hatte, weil die Unterstützung der Mobilplattformen so schlecht scheint, überrascht uns Mozilla in dieser Woche mit einer neuen Beta Version von der die Firefox Entwickler selbst behaupten, sie würde den mit Android mitgelieferten Browser in allen Javascript Tests schlagen, in einigen dabei sogar sehr deutlich. Da vorgestern Abend endlich das Gingerbread Update auf mein Nexus One kam will ich das einmal selbst testen.

Bei den Tests habe ich zum Vergleich meinen aktuellen PC Browser ganz an den Anfang gestellt und noch ein paar andere Android Browser zum Vergleich hinzugezogen. In allen Fällen wurden die Tests jeweils mindestens drei Mal ausgeführt und das beste Ergebnis genommen. Die Tests mit den Android Browsern wurden dabei in einem Rutsch auf dem Nexus One gemacht, es wurden keine anderen Apps in der Zwischenzeit gestartet.

Browser/JS Test SunSpider v 0.9.1
(kleiner ist besser)
V8 v 6
(größer ist besser)
Chrome 10.0.648.119 auf PC mit Win XP mit Intel Core i5 CPU, 2,53GHz, 3GB RAM (Batteriebetrieb)
318 ms

7815
Android 2.3.3 Stock Browser 5599 ms 226
Firefox 4 Beta v 4.0b5 2843 ms 380
Opera Mini v 5.1.1 Bleibt mittendrin hängen Nicht ausführbar oder extrem langsam
Dolphin HD v 4.3.0 5534 ms 214
Skyfire (beta)  v 3.2.1 5781 ms 199
Mirren v 1.2 5302 ms 232

Zwar hatte ich einige Probleme damit den Firefox überhaupt zur Ausführung des V8 Tests zu bewegen (oft blieb der Bildschirm leer und andauernd kommt ein Warnfenster hoch), aber das Ergebnis ist in der Tat eindeutig: Der Firefox schlägt sich in den Tests hervorragend.

Wenn bald die stabile Version in den Market kommt und dabei kleinere Fehler wie das unglückliche Rendering von kleiner Schrift beseitigt werden könnte Firefox davon profitieren, dass es für Google auf Grund der Fragmentierung von Android keine richtige Möglichkeit gibt den mit dem Betriebssystem verbundenen Browser zu aktualisieren. Hier könnte es viele Besitzer von Android Geräten mit früheren Versionen reizen tatsächlich den Wechsel zu machen.

DSC_0650

Und hoffentlich motiviert Firefox Google auf diese Weise dazu neben all den anderen Android Themen auch noch an seinen Browser zu denken:)

Sonntag, 20. Februar 2011

Hat Firefox eine Zukunft?

“For the first time in years, energy and resources are being poured into browsers, the ubiquitous programs for accessing content on the Web. Credit for this trend—a boon to consumers—goes to two parties. The first is Google, whose big plans for the Chrome browser have shaken Microsoft out of its competitive torpor and forced the software giant to pay fresh attention to its own browser, Internet Explorer. Microsoft all but ceased efforts to enhance IE after it triumphed in the last browser war, sending Netscape to its doom. Now it's back in gear. “ - Rich Jaroslovsky in der Business Week vom 25.02.2010.

Wirft man einen Blick in die aktuellen Webbrowser Nutzungsstatistiken von StatCounter für Europa, so sieht man etwas Bemerkenswertes:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Im vergangenen Dezember hat Firefox zum ersten Mal seinen alten Rivalen – den Internet Explorer von Microsoft – überholt! Zwar sieht die weltweite Statistik noch anders aus und in anderen Statistiken wie denen von Net Applications nimmt sich der Anteil von Firefox bescheidener aus, aber trotzdem ist das ein enormer Erfolg, wenn man an die absolute Dominanz des IE denkt, die die Mozilla Gemeinschaft Schrittchen für Schrittchen gebrochen hat. Ist also alles Gut im Hause Firefox?

Stillstand ist Rückschritt

Wenn man sich den weltweiten Verlauf der Browserverteilung für die vergangenen 12 Monate anschaut, so ist neben dem permanenten Fallen des IE Marktanteils und dem ungebrochenen Aufstieg von Google Chrome vor allem die Stagnation des Firefox Anteils auffällig:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Offenbar gehen die vom IE verlorenen Marktanteile nicht mehr wie in früheren Jahren direkt auf Firefox über, sondern im wesentlichen an Chrome. Wie dieser Wechsel tatsächlich vor sich geht kann nur vermutet werden, aber da Chrome in technisch orientierten Webseiten einen noch höheren Marktanteil hat kann man vermuten, dass weiterhin ein signifikanter Wechsel von IE Nutzern zum Firefox stattfindet, gleichzeitig aber Firefox bei den Nutzern, die viel im Web unterwegs sind, an Chrome verliert.

Die Frage ist an dieser Stelle welche Konsequenzen sich daraus für eines des besten Beispiele für erfolgreiche Open Source Produkte ergeben. Steht Firefox ein massiver Absturz bevor, sobald Microsoft mit dem IE 9 herauskommt und Google sein ChromeOS veröffentlicht?

Microsoft nahm Firefox nie ernst und wird es auch nie tun

Warum hat Microsoft in den vergangenen Jahren eigentlich mehr oder weniger untätig zugesehen, als der Marktanteil des eigenen Browsers immer weiter abnahm? Weil Firefox nie eine ernsthafte Bedrohung des MS Geschäftsmodells darstellte.

Erst nach Googles Einstieg in den Browsermarkt hat sich Microsoft plötzlich wieder gerührt und steht jetzt kurz davor mit der Version 9 des IE einen Browser zu veröffentlichen, der tatsächlich von sich behaupten kann in nahezu allen relevanten Bereichen State-of-the-Art oder gar führend zu sein, sei es Geschwindigkeit, dem Datenschutz und auch bei der Befolgung von Standards.

Warum hat es Google gebraucht um Microsoft hier aufzuwecken bzw. auf einen Weg zu schicken, den sie vielleicht nie gehen wollten? Weil sich bei Google der Browser mit einer Strategie verbindet, die die Microsoft Geldkühe Windows und Office ersetzen will. Dazu brauchte es einen Browser der extrem schnell, besonders sicher und vom Benutzerinterface her besonders schlank ist. Keine dieser Eigenschaften traf auf Firefox zu als Google Chrome Ende 2008 veröffentlicht wurde.

Heute hat es sogar den Anschein als seien auch Apples Safari und Opera an Firefox an vielen Stellen vorbeigezogen, allen bisherigen Bemühungen Mozillas zum Trotz.

In der Zange der Großindustrie

Nicht nur wenn man sich die Browsercharts ansieht kann man den Eindruck gewinnen, dass Firefox zunehmen in die Zange zwischen Microsoft und Google gerät: Was hat Firefox einem extrem verbesserten IE 9 entgegen zu setzen, hinter dem die riesigen Entwicklerressourcen eines Unternehmens stehen, welches sich in seinem ureigenstens Geschäft bedroht sieht?

Wie kann man mit Google konkurrieren, dass seine ubiquitären Marketingmöglichkeiten im Netz für eine massive Bewerbung seines Browsers nutzt und sogar die Städte mit Plakaten übersät? Ganz abgesehen davon, dass Chrome schneller, sicherer und einfacher ist und mit unglaublicher Geschwindigkeit weiter entwickelt wird?

Es ist daher nicht unrealistisch anzunehmen Firefox habe seien absoluten Höhepunkt erreicht und vermutlich schon überschritten. In diesem Jahr wird vermutlich der Abstieg beginnen, wozu neben der erstarkten Konkurrenz auch die Versäumnisse in folgenden Bereichen beitragen werden:

Vertane Chance 1: Der Browser als Betriebssystem

Google wird in wenigen Monaten Chrome OS herausbringen, ein auf Linux basierendes Betriebssystem, welches als einzige Anwendung den Chrome Browser zur Verfügung stellt. In diesem System ist der Browser und der Internetzugriff alles, jeder genutzte Dienst ist webbasiert. Auf der anderen Seite kann auf dieser Plattform kein anderer Browser installiert werden, jeder mit Chrome OS verkaufte Rechner ist dauerhaft ein Chrome Nutzer mehr im globalen Marktanteil.

chrome

Im Grunde hätte sich die Grundidee eines Linux System mit Browser auch gut mit Firefox implementieren lassen und tatsächlich gab es auch kleinere Versuche in dieser Hinsicht. Allerdings sah man nie die große Vision und die Antriebskraft im Mozilla Umfeld, um auf diese Weise einen echten Gegenentwurf zur Microsoft Welt zu schaffen, wie es Google jetzt versucht.

Eher wahrscheinlich ist es das Microsoft oder vielleicht Apple einen ähnlichen Weg gehen wie Chrome OS und stark reduzierte Versionen ihrer Betriebssysteme auf dem Markt bringen, auf denen natürlich die eigenen Browser dominieren werden.

Vertane Chance 2: Die mobilen Plattformen

Wenn man nach Firefox mobile sucht gelangt man in diese Seite des Mozilla Projektes. Dort kann man Firefox für Nokia Geräte herunterladen. Keine Links zu Android oder gar iOS Versionen. Zwar gibt es eine Android Version, aber die ist noch im Beta Stadium und spielt heute keine Rolle.

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Mit dem rasanten Aufstieg von iPad und Android im vergangenen Jahr und der in 2011 erwarteten Flut von Tablets sollte man meinen auch die Firefox Entwickler hätten sich diesem Feld zugewandt. Aber dem ist nicht so. Statt dessen dominieren die von Apple und Google mitgelieferten Browser (die auch ganz hervorragend sind) sowie Opera.

Angesichts der technologischen Rückständigkeit z. B. bei der Geschwindigkeit und der bisher geringen Erfahrungen mit Touch Screen Oberflächen ist hier ein großer Durchbruch auch nicht zu erwarten. Schon heute taucht hingegen der iOS Browser gelegentlich in globalen (und nicht mobilspezifischen) Statistiken auf, ein klares Zeichen dafür, dass die mobilen Browser die Gesamtmarktanteile in Zukunft stark beeinflussen werden. Auch hier steht Firefox also unter Druck.

Problem: Wer will schon für den Drittbesten arbeiten

Vielleicht wirkt meine Betrachtung übermäßig pessimistisch und es wird auch nicht so sein, dass Firefox in kürzester Zeit drastisch einbricht, dazu sind die Zyklen in der Entwicklung der Browsermarktanteile bisher immer viel zu träge gewesen. Trotzdem stellt sich die Frage wie sich Mozilla langfristig aufstellen will und dabei ist möglicherweise die Frage des Wettbewerbs um talentierte Entwickler wichtig.

firefox

Heute ist Firefox nur noch in sehr wenigen Stellen führend, so vielleicht in der Anzahl der verfügbaren Erweiterungen. In allen anderen Aspekten haben ihn die Konkurrenten überflügelt und insbesondere Google legt weiterhin ein enormes Tempo bei der Weiterentwicklung seines Browsers vor. Und Microsoft wird so lange nicht nachlassen, wie Google vorlegt.

Bei einem Open Source Projekt stellt sich aber immer auch die Frage ob sich genügend Leute finden lassen, die es so cool und spannend und innovativ finden, dass sie ihre Zeit darin investieren. Und bei Firefox stellt sich nun die Frage warum man seine Zeit in ein Produkt investieren sollte, welches offenbar hoffnungslos hinterher hinkt und – aus meiner Sicht – auch keine realistische Chance auf eine Rückgewinnung der Führungsposition in absehbarer Zeit hat.

Hier ist vielleicht die Vernachlässigung des Mobilbereichs am schädlichsten, da zur Zeit alle spannenden Sachen in Apps und auf Smartphones stattfinden und der “Mobile first!” Slogan geradezu sprichwörtlich geworden ist.

Risiko: Alle Browser in Firmenhänden

Und was wäre so schlimm daran, wenn Firefox dem Weg Netscapes in die Hallen der IT Geschichte folgen würde? Abgesehen von einer gewissen Nostalgie vielleicht einfach die Tatsache, dass danach alle wesentlichen Browser in Firmenhänden wären. Daran ändert auch nur wenig, dass Apples Webkit und Googles ganzer Chrome Browser Open Source sind.

So lange die großen drei Apple, Google und Microsoft noch miteinander konkurrieren wird es Weiterentwicklung geben, was aber, wenn diese sich einmal ‘einig’ werden? Schon heute zeigt die Diskussion um die HTML 5 Video Formate h.264 und WebM die Erstarrung der Webtechnologien in einigen Bereichen, die nur noch von großen Konzernen (im Konkurrenzkampf mit anderen großen Konzernen) aufgebrochen werden kann.

Vielleicht bleibt Mozilla irgendwann nur noch der Weg sich den Open Source Produkten der Industrie anzuschließen, diese zu kuratieren und an einigen wenigen Stellen im Sinne der Endkunden zu verbessern. Das würde vom ursprünglichen Stolz ein weltbewegendes Produkt zu schaffen nicht mehr viel übrig lassen, aber es wäre immerhin eine Möglichkeit grundsätzlich im Spiel zu bleiben. Es bleibt auf jeden Fall spannend…