Montag, 9. April 2012

Zum Stand der Browser Kriege || Wühlen in Statistiken 03/2012 und die verlorene ChromeOS Wette

Schon wieder sind  fünf Monate vergangen seit dem letzten Wühlen in Statistiken. Die ‘Browserkriege’ sind weiterhin in vollem Gange, allerdings haben sich in den letzten drei Monaten die beiden wichtigsten Webstatistiken von NetMarketShare und StatCounter nicht mehr nur unterschiedlich schnell bewegt, sondern auch teilweise in unterschiedliche Richtungen. Auch ist es jetzt Zeit meine im Januar 2011 gemachte Wette auf den Marktanteil von Chrome bzw. insbesondere von ChromeOS aufzulösen. Also los:

Die weltweiten Marktanteile Ende März 2012

Hier die Entwicklung der weltweiten Marktanteile der Desktopbrowser bei StatCounter für die letzten 6 Monate:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die genauen Zahlen für diesen Monat der beiden Statistikanbieter sind im Vergleich:

März 2012

NetMarketShare

StatCounter

Internet Explorer

53,83%

34,81%

Chrome

18,57%

30,87%

Firefox

20,55%

24,98%

Safari

5,07%

6,72%

Opera

1,62%

1,78%

In der StatCounter Statistik halten die in den letzten Betrachtungen beobachteten Trends an: Der Internet Explorer (IE) verliert, Chrome steigt auf, Firefox verliert leicht und Safari arbeitet sich langsam nach oben.

In der NetMarketShare Statistik hingegen gibt es seit drei Monaten einen umgekehrten Trend: Hier hatte Chrome seinen bisher höchsten Marktanteil mit 19.11% im Dezember 2011 und befindet sich seit dem auf dem Abstieg. Der Internet Explorer hingegen konnte im gleichen Zeitraum den Trend umkehren und wieder zulegen.

Die Unterschiede zwischen den Statistikern

Die gegenteilige Entwicklung der Browseranteile in den Statistiken macht es notwendig noch einmal genauer zu betrachten worin eigentlich die Unterschiede zwischen den beiden Anbietern herauszuarbeiten. Am Ende soll so noch einmal begründet werden, auf welche Statistik gesetzt wird.

Statistische Basis

Beide Webstatistiker können nur einen kleinen Teil der gesamten Internetnutzung messen und messen dabei auch jeweils unterschiedliche Bereiche. Die spannende Frage wer den repräsentativeren Anteil misst ist von außen nicht zu beantworten, vermutlich wären nur sehr große Seiten wie Google, Baidu, Facebook oder Amazon in der Lage hier einen Vergleich zu liefern.

Bei StatCounter werden angeblich 3 Millionen Websites betrachtet mit heute insgesamt 18 Milliarden Seitenabrufen pro Monat. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Seite bei StatCounter nur 6000 Seitenabrufe pro Monat zählt. Dies kann auf der einen Seite für eine gute Streuung sprechen, auf der anderen Seite gibt es hier immer das Potential einer Verfälschung durch einzelne sehr große Seiten im Mix.

NetMarketShare hingegen sammelt nach eigener Aussage Daten von 40.000 Websites, auf denen im Monat 160 Millionen unterschiedliche Benutzer gewählt werden. Um auf eine Größenordnung bei den Seitenzugriffen zu kommen wie StatCounter müssten die einzelnen Benutzer im NetMarketShare Netzwerk also im Monat mehr als 100 Seiten aufrufen. Das erscheint vergleichsweise viel, daher schätze ich die Anzahl der direkt gemessenen Internetnutzer bei StatCounter als größer ein.

Zählung von Browsernutzern vs. Zählung von Webseitenaufrufen

Der zweite grundlegende Unterschied besteht in der Zählweise: Während StatCounter einfach nur die Anzahl der Seitenabrufe summiert versucht NetMarketShare die dahinter stehenden unterschiedlichen ‘Personen’ zu identifizieren. Beide Zählweisen haben ihre Probleme:

Bei StatCounter wird ein sehr internetaffiner Benutzer einen viel größeren Effekt in der Statistik hinterlassen. Damit sind die modernen Browser im Vorteil, da die Vielnutzer des Netzes vermutlich eher eine bewusste Entscheidung darüber fällen, welchen Browser sie verwenden.

Bei NetMarketShare hingegen ist es im Idealfall unwesentlich wie oft jemand im Netz ist, so lange es wenigstens einmal im Monat ist. Problematisch ist dabei wie immer die Frage ob sich ‘Personen’ wirklich eindeutig identifizieren lassen: Wenn jemand eine Webseite von seinem Büro PC besucht und von seinem Privatgerät wird er vermutlich doppelt gezählt. Insgesamt bevorzugt diese Zählweise vermutlich die Browser, die per Voreinstellung auf PCs installiert sind.

Auf Grund dieser unterschiedlichen Zählweisen würden die Statistiken von StatCounter und NetMarketShare auch dann sehr unterschiedlich aussehen, wenn sie exakt die gleichen Webseiten messen würden. Beide Statistikarten haben ihre eigene Anwendung: Die NetMarketShare Statistik kann eher für Webseitenentwickler interessant sein, die auf eine Masse von Benutzern setzen. Die StatCounter Statistik hingegen zeigt eher die Richtung auf, in welche die internetaffinen Benutzer gehen, und ist damit insbesondere für innovative Seiten interessant.

Hochrechnung der real gezählten Daten vs. direkte Auswertung

Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht in dem Versuch von NetMarketShare die tatsächlich gezählten Webzugriffe auf die Menge aller Internetbenutzer weltweit hochzurechnen. Am Beispiel China lässt sich der Unterschied sehr deutlich machen:

Bei StatCounter geht China beim Anteil der gezählten Seitenzugriffe erst an 23. Stelle in die Statistik ein. Ein Grund für diese niedrige Position ist wohl der, dass die chinesischen Nutzer in von westlichen Anbietern betriebenen Seiten eher unterrepräsentiert sind und chinesische Webseiten offenbar die westlichen Statistikanbieter nicht oft verwenden (können).

Bei NetMarketShare wird man wohl auch nicht mehr chinesische Nutzer messen können, es wird aber versucht an Hand von CIA Statistiken die aus den einzelnen Ländern tatsächlich kommenden Benutzerzahlen auf die gesamte Internetnutzerschaft des jeweiligen Landes hochzurechnen. China ist in der entsprechenden CIA Statistik mit weitem Abstand an erster Stelle. Dies führt dazu, dass in der NetMarketShare Statistik der sehr unbewegliche chinesische Benutzeranteil mit seiner hohen IE Nutzung eine viel größere Bedeutung erhält.

Während die Hochrechnung im Idealfall eine realistischere Statistik über Ländergrenzen hinweg erzeugt bringt sie gleichzeitig zwei neue Fehlerquellen hinein: Zum einen ist die CIA Statistik mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet und stammt auch schon aus dem Jahr 2009. Zum anderen werden etwa im Fall von China Messwerte, die vermutlich auf einer vergleichsweise geringen Nutzerbasis beruhen, sehr stark vergrößert und damit auch alle darin enthaltenen Ungenauigkeiten.

Chrome’s Prerendering Funktion: Was macht NetMarketShare falsch

Beginnend mit Version 13 , herausgekommen im Juni 2011, führte Google in seinem Browser das sogn. ‘Prerendering’ ein. Diese Funktion, die in Version 17 noch erweitert wurde, sorgt dafür, dass Chrome in einigen Fällen Webseiten bereits lädt, während der Benutzer noch die Adresse einträgt. Im Idealfall ist die Seite dann schon geladen wenn die Adresseingabe abgeschlossen ist und erscheint schlagartig.

Für Webstatistiken entsteht durch diese Funktion aber ein Problem durch die Fälle, bei denen eine so vorgeladene Seite nie vom Benutzer betrachtet wird, da er in Wirklichkeit eine ganz andere Seite meinte. Bei NetMarketShare hat man daher angefangen solche Zugriffe zu filtern, da man sie für eine Verfälschung der Statistik hält. Der Anteil dieser Zugriffe wird dabei mit 4,3% der täglichen Chrome Besucher angegeben. Diese Bereinigung  ist eine mögliche Erklärung für das Sinken von Chromes Anteil in der NetMarketShare Statistik.

Natürlich hat sich Microsoft dieser Interpretation gerne angeschlossen und dabei insbesondere gegen StatCounter argumentiert, bei denen ihr IE deutlich schlechter abschneidet. Von StatCounter gab es dazu nur die Äußerung, dass in ihren Statistiken kein Sprung in den Chrome Anteilen zu beobachten sei, der mit der Einführung des Prerenderings zusammenfallen würde.

Meine Einschätzung ist dazu noch etwas anders: Wenn ein Webstatistiker Grund dazu hätte das Prerendering herauszufiltern, dann wäre es StatCounter, denn hier werden nur die Webseitenzugriffe gezählt. Dort könnte man zu Recht argumentieren, dass eine Seite, die nie angesehen wurde, nicht in die Zählung eingehen sollte. Aber auch mir ist damals in den Statistiken nichts aufgefallen, was auf einen künstlich aufgeblähten Marktanteil Chromes hingedeutet hätte. Eine Erklärung dafür wäre, dass die wenigen unnötigerweise vorgeladenen Seiten komplett in der Masse der regulär besuchten Seiten untergehen.

Hingegen halte ich die Ausblendung des Prerenderinganteils durch NetMarketShare für methodisch falsch. Natürlich macht es Sinn als Dienstleister für Webstatistiken einer Webseite, der man Besucherzahlen liefern will, nur die anzuzeigen, die die Webseite tatsächlich gesehen haben.

Aber: Für die Berechnung der weltweiten Marktanteile arbeitet NetMarketShare sehr stark mit rein virtuellen Werten etwa wenn sie für ihre Hochrechnungen die tatsächlichen Besucherzahlen ins Verhältnis setzen mit den (geschätzten) weltweiten Internetnutzerzahlen. An dieser Stelle vermuten sie, dass sich der Rest der Internetnutzer, den sie nie auf ihren Webseitenzählern sehen, genauso verhalten würde wie der von ihnen erreichbare. Auch der Versuch einzelne Internetbenutzer zu identifizieren und zu zählen ist eine Aufgabe, die voller potentieller Fehlerquellen steckt.

Nun hätten sie aber mit den Zugriffen aus dem Prerendering tatsächlich harte Fakten: Hier zeigt sich, dass jemand den Chrome Browser tatsächlich nutzt. Warum soll dieses Faktum dann nicht in die Zählung eingehen, selbst wenn dieser Benutzer niemals eine der von NetMarketShare beobachteten Seiten sieht? Wo ist hier der Unterschied zu den rein virtuell hinzugerechneten, niemals irgendwie in Erscheinung tretenden Internetbenutzern?

Eigentlich müsste NetMarketShare daher bei seinen Zählungen differenzieren: In den Statistiken für ihre Kunden müssen sie das Prerendering ausschließen, für die weltweiten Nutzerstatistiken hingegen müssten sie es drin lassen. Da dies aber wohl kaum kurzfristig geschehen wird ist für mich die NetMarketShare Statistik weiterhin die zweifelhaftere Statistik.

Einordnung von Tablets wie dem iPad

Ein letzter Unterschied zwischen NetMarketShare und StatCounter ist schließlich die Zuordnung von Webzugriffen über Tablets, also insbesondere des iPads. Bei NetMarketShare werden diese Benutzeranteile der mobilen Internetnutzung zugeschlagen, also mit Smartphones, Feature Phones und so weiter in einen Topf geworfen. Bei StatCounter ordnet man hingegen mindestens das iPad dem Desktop Bereich zu.

Meiner Ansicht nach ist die Lösung von StatCounter  die ‘bessere’: Die Surfleistung eines iPads liegt viel näher bei der eines normalen PCs als bei einem Smartphone. Da das iPad inzwischen einen signifikanten Anteil an der weltweiten Internetnutzung hat – zumindest bei StatCounter – ist dieser Unterschied relevant.

Allerdings wird es in Zukunft immer schwieriger werden hier eine Grenze zu ziehen: Wie sieht es etwa mit einfachen 7’’ Geräten wie dem Amazon Kindle aus? Oder Geräten wie dem Samsung Galaxy Note mit 5,3’’ Bildschirmgröße?

Weitere Unterschiede

Es gibt offenbar noch weitere Unterschiede etwa bei der Einbeziehung von Browsern mit oder ohne Javascript. StatCounter hat in seiner FAQ Seite eine eigene Gegenüberstellung angefertigt.

Fazit: Weiter mit StatCounter

Nach diesen Betrachtungen zu den Unterschieden zwischen den beiden großen Anbietern von Webstatistiken bleibt nur noch die Frage auf welche ‘Seite’ man sich schlägt: Ich halte es dabei weiterhin mit StatCounter. Zum einen erscheint mir die reine Zählung von Webseitenabrufen ohne Versuche einer Hochrechnung bzw. Aggregierung weiterhin die unproblematischere Statistik zu produzieren. Zum anderen kann man nur beim StatCounter ohne weiteres auf Länderstatistiken zugreifen und so genauer beurteilen, wie sich letztlich die Zahlen bilden. Und auf Länderebene spielen die Versuche einer Hochrechnung keine Rolle. Hier eine Liste der Länder, die in der CIA Statistik als die Länder mit den meisten Internetbenutzern gelten:

  Internet Explorer Chrome Firefox
China 76,89% (-) 11,48% (+) 4,63% (+/-)
USA 41,74% (-) 21,85% (+) 21,47% (-)
Japan 56,14% (+) 16.92% (+) 17,67% (-)
Brasilien 30,61% (-) 45,59% (++) 21,7% (-)
Deutschland 24,76% (-) 15,23% (+) 50,01% (-)
Indien 18,76% (--) 42,42% (++) 34,75% (+/-)
England 38.92% (-) 28,03% (+) 19,79% (-)
Frankreich 31,4% (-) 25,47% (+) 32,87% (+/-)
Nigeria 31,15% (-) 14,5% (+/-) 43,79% (+/-)
Russland 20,21% (+/-) 29,77% (++) 24,75% (-)
Südkorea 79,49% (-) 12,73% (+) 4,31% (+/-)
Mexiko 40,82% (-) 37,88% (++) 16,01% (+/-)
Italien 32,65% (-) 35,79% (+) 23,83% (-)
Spanien 34,59% (-) 33,26% (+) 25,15% (-)
Türkei 43% (-) 42,9% (++) 12,54% (-)
Kanada 39,59% (-) 22,32% (+) 23,12% (-)
Vietnam 21,35% (-) 41,2% (++) 34,59% (-)
Kolumbien 27,4% (-) 55,53% (++) 14,39% (-)
Polen 15,83% (+/-) 26,07% (+) 47,11% (-)
Pakistan 16,76% (-) 45,05% (++) 32,27% (+)
Ägypten 23,62% (-) 27,31% (+) 44,35% (+)

Quelle: StatCounter

Die Zahlen geben die Prozentwerte im Monat März an, die fett markierten Werte zeigen den führenden Browser im jeweiligen Land. Die +/- Angaben zeigen den Trend der letzten 6 Monate, der aber nicht immer ganz klar ist. Der IE ist eindeutig in den drei größten Ländern führend, in China und Japan sogar mit einem extremem Vorsprung. Insgesamt hat er in 9 von den gezeigten 21 Ländern den größten Marktanteil, wobei in der Türkei schon nahezu Gleichstand mit Chrome herrscht. In den allermeisten Ländern befindet sich der IE im Abwärtstrend.

Chrome hat nun schon in 7 Ländern den größten Marktanteil (ohne die Türkei) und befindet sich in nahezu allen Staaten weiterhin im Aufwärtstrend. In Spanien und Mexiko kann schon im kommenden Monat ein Wechsel hin zu Chrome erfolgen. Der Rest der Länder geht an Firefox, der sich allerdings auch eher im Abwärtstrend befindet. Dementsprechend ist die von Browserrank auf den StatCounter Daten generierte Browserweltkarte in den letzten Monaten deutlich bunter geworden:

browserrank

Damit nun weiter zu der gewohnten Einzelbetrachtung der Performance der verschiedenen Browser:

Chrome

Der Google Browser hat in den letzten 5 Monaten einige entscheidende Etappen genommen: Zuerst wurde im November Firefox überrundet, seitdem ist Chrome der Browser mit dem weltweit zweithöchsten Nutzeranteil in der StatCounter Statistik. Seit Mitte Dezember ist die jeweils aktuelle Chrome Version auch die Browserversion, die die weltweit höchste Nutzung hat. Damals überrundete Chrome 15 erstmals den Internet Explorer 8. Heute gilt, dass die jeweils neueste Chrome Version diesen Spitzenplatz in weniger als zwei Wochen erobert. Hier z. B. der Verlauf beim gerade stattfindenden Wechsel von Chrome 17 auf 18:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Version Market Share

Der letzte ‘Triumph’ sind schließlich die vergangenen Wochenenden, an denen Chrome es an einigen wenigen Tagen geschafft hat den IE zu überrunden:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Diese Entwicklung – zum ersten Mal seit ewigen Zeiten überholt irgendein Browser den IE in einer großen Statistik -  hat noch einmal für heftige Wellen in den Techblogs gesorgt und auch Microsoft auf den Plan gerufen, die hier noch einmal bekräftigten, dass sie es lieber mit den NetMarketShare Statistiken halten.

Auch in Marketinghinsicht gab es einige Erfolge für Google. So werden die Bemühungen um eine besonders hohe Sicherheit zum Beispiel vom BSI, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, honoriert: Das BSI hat kürzlich den Chrome Browser auf Grund seiner Sicherheitsarchitektur als einzigen für Privatanwender empfohlen.

Im Bereich der Unternehmenskunden konnte Google Anfang März das US State Department vorweisen, welches 58.000 Mitarbeiter in kurzer Zeit auf Chrome umgestellt hat. Auch in Unternehmen wird möglicherweise die Tatsache wichtig, dass Chrome ebenfalls für ältere Plattformen wie Windows XP modernste Browserfunktionalitäten bietet, während Microsoft hier seine Kunden im Stich gelassen hat.

Wichtige Länder

In einer Reihe von wichtigen Ländern hat Chrome die Marktführerschaft übernommen oder steht kurz davor und sich dabei sowohl gegen den Internet Explorer wie auch gegen Firefox durchgesetzt:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es gibt nur wenige Länder (siehe unten den Abschnitt  zum IE), in welchen Chromes Marktanteil auch bei StatCounter wieder sinkt. In Asien hat Chrome den Firefox insgesamt überholt, in Südamerika seinen Vorsprung weiter ausgebaut und in Afrika den IE vom zweiten Platz verdrängt.

Die verlorene ChromeOS Wette oder: Windows ist noch lange nicht am Ende

Der weiterhin anhaltende Siegeszug von Chrome hatte aber nicht zur Folge, dass Googles Browserbetriebssystem ChromeOS ebenfalls eine signifikante Verbreitung erreicht hat. Im Januar 2011 hatte ich einen enthusiastischen Blogpost über die glänzenden Zukunftsaussichten dieses radikal neuen Betriebssystemansatzes von Google verfasst und am Ende prognostiziert, dass der Chrome Marktanteil in 12 Monaten durch ChromeOS bei NetMarketShare auf 25% gestiegen sein würde. Dies hat sich nicht erfüllt.

Zwar ist ChromeOS pünktlich Mitte 2011 herausgekommen und konnte von da an auf sogn. ChromeBooks verwendet werden. Doch in den Webstatistiken ist davon nichts zu sehen, hier müsste sich ChromeOS auf den Anteil an Linuxrechner auswirken. Linux taucht aber nur in sehr sehr wenigen Ländern (z. B. Uruguay) überhaupt mit Anteilen oberhalb von einem Prozent auf.

Für Microsoft muss die Konkurrenz durch Google auf Betriebssystemebene daher bis heute kaum beunruhigend sein. In Bezug auf die zukünftigen Browsermarktanteile bedeutet dies Microsoft kann weiterhin davon ausgehen, dass mit jedem Generationswechsel eines PCs der eigene Browser weiterhin gute Chancen hat wieder ins Spiel zu kommen.

Chrome auf (fast) allen Plattformen

Für Google bedeutet dies – trotz der immer wiederholten Aussage es ginge gar nicht primär darum Chromes Marktanteil zu steigen, sondern um die allgemeine Verbesserung der verschiedenen Webbrowser – auch langfristig die Notwendigkeit Chrome immer wieder auf neue Rechner bringen zu müssen. Wichtig hierfür ist die Schaffung einer Bindung der Benutzer an den Browser, die stärker ist als die Bindung an das jeweilige Betriebssystem bzw. den konkreten Rechner.

Schon auf dem PC ist es mit Chrome seit langer Zeit möglich Browserinstanzen auf verschiedenen Geräten so stark zu synchronisieren, dass ein Wechsel von Rechner zu Rechner kaum noch stört. Inzwischen hat Google auch für Android eine Chrome Version herausgebracht, die noch weitergehende Synchronisierungen bis hin zu den geöffneten Tabs ermöglicht.

Letztlich führt auch dieser Ansatz zusammen mit der Verfügbarkeit von Chrome für Windows, MacOS und Linux dazu den jeweils verwendeten Rechner unwesentlich werden zu lassen, ähnlich wie ChromeOS. Für den eingeschworenen Chrome Nutzer ist daher der erste Schritt bei der Inbetriebnahme eines neuen Rechners die Installation und Synchronisation von Chrome.

Wenn es Google gelingt diese Bindung an den Browser noch weiter zu stärken ist der Marktanteil von Chrome möglicherweise in Zukunft nicht mehr so anfällig für Generationswechsel bei Rechnern.

Die Macht das Internet zu ändern

Mit dem wachsenden Marktanteil von Chrome hat Google heute eine vermutlich zuvor nie dagewesene Gestaltungsmacht über das Internet bekommen: Nicht nur betreibt das Unternehmen einige der wichtigsten Internetdienste der Welt, hat vermutlich die mit Abstand größte Zahl von Internetservern in Betrieb und verantwortet wesentliche Anteile des weltweiten Internetverkehrs, durch Chrome haben sie nun auch die Clientseite der Internetnutzung unter ihrer Kontrolle.

Diese Konstellation ermöglicht es Google als wohl erstem Anbieter überhaupt die grundlegenden Internetprotokolle und –standards weiterzuentwickeln. Ein Beispiel ist das SPDY Protokoll, welches HTTP ersetzen bzw. verbessern soll. Google konnte dieses neue Protokoll vergleichsweise schnell zu einer so hohen Reife bringen, dass es inzwischen zur Standardisierung eingereicht wurde. Der dazu notwendige Nachweis einer perfekten Funktionsweise mit echten Vorteilen konnte nur durch die Reifung im Zusammenspiel von Implementierungen auf Googles Servern und Googles Chrome Browser erfolgen.

Ein weiteres Beispiel wird möglicherweise die neue Programmiersprache DART sein. Google möchte diese Sprache als Nachfolger bzw. bessere Alternative zu Javascript positionieren. Noch ist DART nicht im Browser lauffähig, aber auch hier wird die Reifungsphase durch Implementierungen in Chrome und erste Nutzungen in Googles Diensten erfolgen. Durch die riesigen Nutzerzahlen kann Google hier zum einen schnell lernen und optimieren, auf der anderen Seite auch Druck auf andere Anbieter ausüben – direkt oder indirekt.

Da Google seine Vorhaben als Opensource Projekte durchführt und wie im Fall von SPDY versucht nach den Entwicklung zu standardisieren kann man diese Entwicklungen heute wohl uneingeschränkt positiv sehen.

Firefox

Für Mozillas Firefox Browser ging es seit der vorherigen Betrachtung zunächst weiterhin bergab, erst in den letzten beiden Monaten gab es so etwas wie eine Konsolidierung. Allerdings ist der Abstand zu Chrome inzwischen auf fast sechs Prozentpunkte angewachsen. Trotzdem könnte es Anzeichen für eine Trendwende sehen wenn man sich die Statistik für Afrika ansieht:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in Ländern wie Indien geht es anscheinend wieder bergauf:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Insgesamt darf man daher hoffen, dass Firefox noch nicht vor dem unmittelbaren Ende steht.

Der Google Weg

Ein Grund für die Stabilisierung ist vielleicht das Lernen von Chrome: Firefox ist inzwischen in einem etablierten schnellen Updatezyklus angekommen, der ungefähr so rasch ist wie der von Chrome, und die Verbesserungen am Browser nun viel schneller zu den Benutzern bringt. Bald soll auch der letzte Schritt vollzogen und auf stille Updates umgestellt werden.

Allerdings schleppt Firefox immer noch einen Anteil von Benutzern der Version 3.6 mit sich herum (heute ca. 3 Prozentpunkte im gesamten Firefox Anteil), die sich den schnellen Updates verschlossen haben. Die Mozilla Corporation muss hier den Spagat erbringen auf der einen Seite bei der Entwicklungsgeschwindigkeit mit Google mithalten zu wollen und auf der anderen Seite insbesondere die Unternehmensanwender bei der Stange zu halten, für die Updates Arbeit bedeuten. Dies scheint noch nicht vollständig gelungen zu sein, aber man ist offenbar auf dem Weg.

Auch bei den Browserfunktionen orientiert man sich an Google: So soll Firefox nun auch eine Seite für Webanwendungen erhalten, die ähnlich wie der Chrome Web Store funktionieren wird, die Synchronisierungsfunktion wird erweitert um auch Addons mitzunehmen und das SPDY Protokoll soll integriert werden.

Der Google Geldsegen

Große Diskussionen gab es im Netz zum Dezember 2011 hin, als das vorherige Finanzierungsabkommen zwischen Google und Mozilla auslief. Für Mozilla war dies eine Zukunftsfrage, kommen doch die allermeisten Einnahmen bisher von Google. Einige in den konventionellen Bahnen des Konkurrenzdenkens gefangene Blogger sagten voraus, dass Google Mozilla jetzt fallen lassen würde um sich ‘eines Konkurrenten’ zu entledigen. Das Ergebnis war dann aber gänzlich anders:

Nicht nur verlängerten  Google und Mozilla die Kooperation um 3 Jahre, die von Google gezahlten Summen sind offenbar  auch noch um ein Vielfaches gestiegen. Offenbar erreichen die Zahlungen in den drei Jahren fast die Summe von einer Milliarde Dollar. Auch wenn diese Zahlen weder von Mozilla noch von Google bestätigt wurden wird allgemein davon ausgegangen, dass sie stimmen.

Damit hat Mozilla nun für die kommenden Jahre ein sehr großzügiges Finanzpolster, welches es ihnen nicht nur ermöglicht ihre bekannten Produkte wie den Firefox Browser weiterzuentwickeln, sondern auch innovative Projekt wie die mobile Boot2Gecko Plattform zu beginnen.

Internet Explorer

Für Microsoft bietet die StatCounter Statistik weiterhin keinen großen Grund zur Freude. Am besten dürfte ihnen noch der Verlauf der Browserversionen in Japan gefallen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Version Market Share

Hier sieht man den IE 9, der kurz davor ist seinen Vorgänger IE 8 als meistverwendete Browserversion abzulösen. Ganz grundsätzlich scheint sich der Marktanteil des IE in den Industrieländern besser zu entwickeln, da dort der Wechsel zu auf neue PCs mit Windows 7 schnell voranschreitet. Microsoft nennen dementsprechend auch als einzige für sie relevante Statistik den Marktanteil des IE 9 auf Windows 7.

Allerdings ist der IE 9 heute auch bereits mehr als ein Jahr alt. In technischer Hinsicht gibt es eigentlich keine Gründe ihn dem Chrome oder Firefox Browser vorzuziehen, die in der Zwischenzeit bereits wieder große Fortschritte gemacht haben. Spannend wird es sein zu sehen, ob sich der Aufwärtstrend des IE in der NetMarketShare Statistik fortsetzen wird oder umgekehrt, ob der Abstieg in den StatCounter Statistiken endet. Falls nicht, so erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass der IE bei StatCounter bald seine Position als ewiger Erster abgeben muss.

Safari

Schaut man sich die Verteilung der Browserversionen für den Monat März an, so sieht man dort auch den iPad Safari, der inzwischen einen Anteil von 1,89% weltweit erreicht hat:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Version Market Share

Damit hat er den Opera Browser überrundet, obwohl dieser in einigen Ländern sehr intensiv verwendet wird. Dies zeigt die Macht der Tablet Computer, die in den kommenden Jahre eine der wesentlichen Kräfte bei der Formung des Internets sein werden.

Der Desktop Safari hat sich nicht deutlich weiterentwickelt, auch wenn um die Weihnachtszeit ein kleiner Anstieg sichtbar war. Erstaunlich ist immer wieder, dass Chrome einen so rasanten Aufstieg hingelegt hat, während Safari – von dem Chrome einen Teil seiner technischen Basis übernommen hat – mehr oder weniger auf die Apple Rechner beschränkt geblieben ist.

Fazit

Als wesentliche Fazits kann man wohl diese ziehen: Der Wettlauf der Browserhersteller ist offenbar noch lange nicht an seinem Ende angekommen und die Frage was wirklich ‘da draußen’ bei den Nutzern geschieht ist schwerer zu beurteilen als je zuvor. Zwei Aspekte der sich verändernden Browserlandschaft sind aber denke ich besonders bemerkenswert:

Der Aufstieg der Webkit Browser

Die auf Apples Webkit basierenden Browser sind die neue Macht, gerade in Bereich der mobilen Nutzung. Da sowohl der Safari Browser auf iPhone und iPad wie auch der Android Browser auf Webkit beruhen ist hier ein Quasistandard entstanden. Dieser Quasistandard kann über Frameworks für die Entwicklung von Webanwendungen, die zunächst auf die mobilen Plattformen zugeschnitten waren, über kurz oder lang auch Rückwirkungen auf die Desktop Browser haben. Analog zu Apples Weigerung Flash auf seinen Mobilgeräten anzubieten, was zu einer allmählichen Ablösung von Flash auch bei Desktopversionen von Webseiten führt.

Der Aufstieg der Browser mit schnellem Updatezyklus

Mit Chrome und Firefox gibt es jetzt zwei Webbrowser mit sehr schnellem Updatezyklus. Je nach Statistik vereinigen diese beiden Browser von knapp unter 40% bis über 50% der Webnutzung. Damit sind sie eine wesentliche Einflussgröße geworden über die sich Änderungen an den wesentlichen Internetstandards tatsächlich in Zukunft einfacher lassen durchsetzen dürften als dies in den Zeiten des Microsoft Monopols der Fall war.

Zumindest können diese beiden Browseranbieter neue Standards viel schneller reifen und damit für die Standardisierung bereit werden lassen als dies früher der Fall war. Man kann als annehmen, dass dem Web heute weniger die Gefahr einer Versteinerung in veralteten Formaten und Protokollen droht als früher.

Links

Montag, 5. März 2012

Lust und Frust mit dem Android Tablet

Seit einigen Monaten steht mir jetzt ein Android Tablet zur Verfügung und zwar ein Motorola XOOM. Inzwischen ist es auf Android Version 3.2 (Honeycomb) aktualisiert und hoffentlich kommt bald Version 4 (Ice Cream Sandwich ICS). Zeit für ein Zwischenfazit: Lohnt sich so ein Tablet im Allgemeinen und lohnt sich ein Android Tablet im Speziellen? Und was lässt sich zum XOOM sagen, dem ersten Honeycomb Tablet überhaupt?

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Das Tablet an für sich: Überflüssig, aber trotzdem schnell unverzichtbar

Die Geräteklasse der Tablets ist eigentlich überflüssig: Im Vergleich zu einem modernen Smartphone Boliden mit großem Display ist das Tablet viel weniger portabel. Und die Produktion von Texten ist auf einem Laptop immer noch um Welten besser (jedenfalls muss ich mir den Laptop nicht irgendwie zwischen die Beine klemmen, so wie ich es gerade mit dem Tablet tue um auf eine halbwegs adäquate Tippgeschwindigkeit zu kommen).

Trotzdem: Ist ein Tablet erst einmal verfügbar drängt es sich schnell in die tägliche Routine des digitalen Menschen. Der erste Einstieg ist das Surfen auf der Couch. Dort verdrängt es mit seinem größeren Bildschirm schnell das Smartphone und mit seinem geringeren Gewicht den Laptop. Auch eBooks lassen sich etwa mit Amazons Kindle App gut lesen und selbst einfache Bildbearbeitungen machen Spaß.

In der Arbeitswelt gelingt der Einstieg ebenfalls: Unter der Voraussetzung, dass man seine wesentlichen Arbeitsmaterialien bereits im Netz hat (wohl dem, der schon vor Jahren ein entsprechendes Wiki aufgebaut hat) kann das Tablet sofort in Meetings produktiv eingesetzt werden. Auch zum einfachen Herumzeigen von Webseiten oder Dokumenten in kleinen Gruppen eignet es sich besser als ein PC oder Laptop, da der Arbeitsstil am Tablet eher der gemeinsamen Arbeit an einem Stück Papier ähnelt und nicht so hierarchisch ist wie das Nutzen eines PCs, bei dem immer nur einer Klicken kann.

Mir kommt es auch sehr entgegen, dass man sich hinter einem Tablet nicht so 'versteckt' wie hinter einem Laptop (sofern man sein Gerät nicht mit einer dieser monströsen Klapp-Aufsteller-Taschen verschandelt) und das heimliche Schreiben einer kleinen eMail zwischendurch durch das fehlende Tastaturgeklapper nicht so stört :-)

Im Privaten wird das Gerät schnell zum Mittel der Wahl wenn es darum geht die eigenen Digitalfotos herum zu zeigen. Oder zum Kochbuchersatz, dem es weniger als einem Laptop ausmacht, wenn man es einmal mit bemehlten Fingern anfasst. Aus meiner Sicht ist die Konsequenz klar: Tablet Computer werden sich ausbreiten, vor allem wenn sie erst einmal in erschwinglichere Preisregionen vorstoßen. Wobei der Nutzungsfokus wohl dauerhaft auf dem Konsum von Inhalten liegen wird.

Was am Tablet nervt

Unabhängig von den später behandelten Mängeln eines Android Tablets gibt es eine Sache, die wohl bei allen Produkten nerven wird: Man will schnell zu viel und dieses zu viel bezieht sich insbesondere auf die Erstellung von Inhalten. Liegt man erst einmal gemütlich mit dem Tablet auf dem Sofa stört es plötzlich kolossal wieder zum Laptop wechseln zu müssen. Und so ein Wechsel ist eigentlich immer notwendig wenn es darum geht mal mehr als nur einen 140-Zeichen-Tweet zu schreiben. Denn auch mit der ausgefeiltesten Android Tastatur und der besten Wortvorhersage erfordert es ungleich viel größere Konzentration längere Texte zu erstellen als auf einer richtigen Tastatur und das Ergebnis ist meist immer noch deutlich schlechter.

Natürlich steht man dann doch nicht vom Sofa und wechselt das Gerät. Sondern quält sich an dem langen Blogpost mit der Tablettastatur ab und ist am Ende stark genervt. Und wenn dann noch die Android Macken dazu kommen ist man gelegentlich willens das Gerät direkt in die Ecke zu pfeffern. Natürlich sind das reine Luxusprobleme (wie ja auch das Tablet ein reines Luxusprodukt ist).

Android auf dem Tablet: Eine Enttäuschung

Selbst für einen großen Android Verfechter wie mich ist es schwierig ein Android 3 Tablet zu empfehlen. Man muss dazu sagen, dass ich außer dem XOOM kein anderes Android Tablet verwendet habe und vielleicht haben Anbieter wie Samsung einige der größten Macken ausgebügelt. Aber ich kann es mir nicht so richtig vorstellen. Fangen wir mit dem kleinsten Problem an:

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Wenige Apps, schlecht angepasste Apps

Nahezu jede Kritik an Android Tablets nennt das Fehlen von zehntausenden von speziell auf das Tabletformat zugeschnittenen Apps als Hauptgrund für den bisher ausgebliebenen Erfolg der mit dem Google Betriebssystem ausgestatteten Tablets. Ich sehe das nicht ganz so: Für meine Zwecke gibt es eine ausreichende Auswahl von Apps.  Das Problem entsteht für mich eher dadurch, dass sich eine wesentliche Menge von Apps zwar installieren lässt, dann aber sofort abstürzt. Oder das die laufenden Apps auf einem großen Display einfach hässlich aussehen und den Raum nicht gut nutzen. 

Ärgerlicher aber als Probleme mit Apps von irgendwelchen Anbietern ist die fehlende Anpassung der direkt von Google stammenden Anwendungen. Hier die ärgerlichsten Beispiele:

  • Google Earth: Diese App schaffte es regelmäßig das gesamte Tablet zum Einfrieren zu bringen. Erst ein Update vor wenigen Wochen behob das Problem. Warum dauerte es Monate bis so ein heftiges Problem behoben wird?
  • Google+: Dies ist eine an Tablets 'angepasste' App. Woran man das sieht? Es wird bei ihr keine Option zum zoomen angeboten. Trotzdem geht sie genauso ineffizient mit dem Displayplatz um wie etwa die nicht angepasste Twitter App.
  • Google Docs: Dies war lange Zeit das größte Ärgernis, da es schlicht und einfach keine Möglichkeit gab effektiv mit Google Docs auf einem Tablet mit Google Betriebssystem zu arbeiten. Das Update vor einigen Tagen hat die App immerhin etwas hübscher gemacht, aber für die Produktion von Inhalten ist sie weiterhin nur eingeschränkt geeignet.

Es ist wirklich schade, dass Google sich hier so eine Blöße gibt, vor allem da andere App Anbieter bisher noch nicht richtig auf den Android Tablet Zug aufgesprungen sind.

Das Betriebssystem an sich: Hoffen auf Android 4

Beim Android 3 Betriebssystem an sich bin ich gespalten: Auf der einen Seite bringt ein Tablet die Android Spezialität der Widgets noch besser hervor. Auch sind einige Dinge wie das Hinzufügen von Elementen auf den Homescreens verbessert worden und die Auswahl der laufenden/zuletzt verwendeten Apps über eine eigene Taste ist eine sehr nützliche Idee.

Die Idee der nur auf dem Bildschirm angezeigten Menütasten hinterlässt einen gemischten Eindruck: Der offensichtliche Vorteil der Benutzbarkeit des Gerätes in allen Positionen wird schnell genutzt, meistens interessiert man sich für das Oben und Unten erst wieder bei der Suche des Ausschalters. Leichter zu erklären wird die Bedienung dadurch allerdings nicht: Während man jemandem bei einem iPad nur den einzigen Hardware Schalter zeigen muss sind hier mindestens drei Schalter zu erläutern. Durch die Positionierung der Menütasten am linken unteren Rand kommt es bei einer Weitergabe des Geräts auch oft zu versehentlichen Bedienungen, gerade für neue Benutzer ist das sehr irritierend.

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Dieses Problem betrifft in geringem Maße alle vier Ecken des Gerätes, denn Google hat in jeder Ecke irgendeine Funktion untergebracht: unten rechts die Benachrichtigungen und Einstellungen (wobei die Einstellungen immer noch drei Tipps weit entfernt sind), oben rechts die App Liste und oben links die Suche. Man hat also auf der einen Seite viel Strecke auf dem Bildschirm zurück zu legen, auf der anderen Seite muss man sich an jeder Stelle vor versehentlichen Bedienungen hüten. Das ist nichts, was man nicht lernen kann, aber es wirkt nicht richtig rund.

Nicht rund sind auch die Menü Anzeigen bei Apps: Bei einem Teil wird hier ein weiterer Menüschalter unten links angezeigt, bei anderen oben rechts. Und ich hatte wenigstens eine App wo beides gezeigt wurde. Wieder etwas, dass einen zwar nicht an der Nutzung hindert, aber die Bedienung verkompliziert.

Richtig katastrophal ist aber eine Sache und das ist ausgerechnet der Webbrowser: Dieser Webbrowser, der die angenehme Funktion hat sich mit den Chrome Lesezeichen vom PC zu synchronisieren, ist so instabil, dass er einen quasi in die Verwendung von Apps zwingt (aber die gibt es ja auch nicht so richtig, siehe oben). Dabei hat der Browser von Android 3.0 bis zu 3.2 sogar eine Entwicklung zum Schlechteren hin gemacht: Bis Android 3.1 startete sich der Browser nach einem der häufigen Abstürze blitzschnell neu und lud dabei die gleichen Seiten wie zuvor. Das geschah schnell und vermutlich hat ein Teil der Benutzer gar nicht gemerkt was eigentlich passiert war. Jedenfalls konnte man so direkt weiterarbeiten. Ab Android 3.2 aber stürzt der Browser so ab wie man es etwa von Windows gewohnt ist. Die App ist also 'weg', alle geöffneten Tabs verschwunden und man darf wieder von Null starten.

Nun gibt es natürlich eine Reihe von anderen Browsern, die sich an Stelle des mitgelieferten nutzen lassen. Aber warum Google, das mit Chrome ein Browser Produkt hat dessen Stabilität geradezu sprichwörtlich geworden ist, es nicht geschafft hat seinem Betriebssystem für Tablets einen Browser mitzugeben der wenigstens halbwegs vernünftig funktioniert ist ein echtes Rätsel. Gerade der Browser wäre doch eigentlich das Mittel um den Mangel an angepassten Apps auszugleichen und das freie Web in seiner Konkurrenzfähigkeit mit den geschlossenen App Store Welten zu stärken. Und das sich auch nach zwei Betriebssystem Updates keine Verbesserung eingestellt hat ist ziemlich traurig.

Aber vielleicht liegt das daran, dass das Android Team wohl im ganzen Jahr 2011 stark unter Druck stand dem iPad etwas entgegen zu setzen. Und unter diesem Druck ein Produkt rausgehauen hat, welches eigentlich noch einige Zeit in der Entwicklung hätte verbringen sollen. Das zum Beispiel Apps wie das zuvor erwähnte Google Earth es schaffen können das Tablet komplett unbrauchbar zu machen (zumindest so lange, bis man an einem anderen Rechner die Tastenkombination zum Reset ergooglet hat) sollte bei so einem System eigentlich nicht passieren. Jedenfalls sind die immer wieder auftauchenden Macken im System noch ein Grund, warum man ein Android 3 Tablet meiner Meinung nach nicht wirklich empfehlen kann.

Das Motorola XOOM

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Gerät: Das XOOM war das erste Android 3 Tablet und sollte damals einen heftigen Preis kosten, der noch jenseits des Preises des iPads lag. Leider gab es überhaupt keinen Grund, der diese hohen Preis rechtfertigte und als nur wenig später das iPad 2 herauskam mit größerer Leistung, besserer Batterielebensdauer und einem deutlich geringeren Gewicht sah das XOOM sofort sehr alt aus.

Letztlich ist das heute schon fast nur noch von historischer Bedeutung, auch wenn man das XOOM weiterhin erwerben kann. Für meinen Geschmack ist das Gerät zu schwer. Laut den Angaben in der Wikipedia ist meine WiFi Version mit 730 Gramm ähnlich schwer wie das iPad 1 in der 3G Version. Aber wenn ich mir mal ein neues Gerät zulegen sollte, so muss es deutlich leichter sein, maximal so um die 600 Gramm.

Ansonsten ist das Gerät natürlich deutlich dicker als die heute angesagten Modelle. Die runden Ränder sind angenehm beim Halten, haben aber zusammen mit dem hohen Gewicht auch den Nachteil, dass sich das XOOM auf fast keinem Untergrund richtig hinstellen lässt ohne aufwändige Stützkonstruktionen. Wenn man das schwere Gerät mit nur einer Hand hält hat man gelegentlich das Gefühl die Bildschirmeinfassung wegzudrücken. Dauerhafte Schäden sind aber bisher nicht entstanden.

Insgesamt hat man das Gefühl eines nicht wirklich runden Produkts, bei dem die Soft- und Hardware nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Sichtbar wird dies z. B. im Browser: Gibt man hier einen Suchbegriff ein versucht das Gerät schon während der Eingabe Suchen durchzuführen, bremst einen dabei aber bei der Eingabe so sehr aus, dass man schließlich nicht mehr weis was man schon eingetippt hat und was nicht. Hier wird zu viel gewollte und zu wenig geliefert.

Hoffnung: Ice Cream Sandwich und Chrome für Android

Natürlich bleibe ich trotzdem ein großer Fan der Android Plattform. Hoffnung auf eine Verbesserung gibt es ja auch bereits in zwei Schlüsselbereichen: Zum einen hat Google bereits im letzten Jahr die Android Version 4 (Ice Cream Sandwich ICS) herausgebracht. Diese Version ist nicht mehr wie Android 3 nur für Tablets, sondern für alle Bauformen und Größen. Diese Version scheint nicht nur optisch ein enormer Fortschritt zu sein.

Und dann ist da der erst kürzlich herausgegebene Chrome Browser für Android. So merkwürdig es erscheinen mag, dass Google für sein eigenes Betriebssystem noch einen zweiten Browser herausbringt, das Ergebnis ist offenbar sehr überzeugend.

Leider ist Chrome nur für ICS Geräte erhältlich, kann also das Browser Problem auf den Android 3 Tablets nicht heilen.

Auch wenn es in diesem Moment nur ein einziges Tablet mit Android 4 gibt, so kann man in 2012 auf etwas mehr Bewegung im zur Zeit komplett von Apple dominierten Tabletmarkt hoffen. Und dann vielleicht auch nicht so technisch versierten Freunden und Bekannten ohne Angst vor zu viel Supportaufwand ein Android Tablet empfehlen:)

Samstag, 3. März 2012

Galaxy Tuning: Bauhaus

Beim Stöbern im Android Market stolperte ich über die installierbare Schriftart Bauhaus FlipFont. Die Kosten von 80ct stellten kein Hindernis dar und so wurde der Kauf schnell abgeschlossen. Erst nachdem die App auf dem Motorola Tablet installiert war stellte ich mir die Frage wie man sie überhaupt nutzt. Wie sich dann zeigte ist die Nutzung nur auf bestimmten Geräten möglich, auf dem XOOM Tablet lässt sie sich zum Beispiel nicht verwenden. Aber zum Glück auf dem Samsung Galaxy SII. Dort kann man in den Systemeinstellungen unter Anzeige >> Bildschirm >> Schriftstil nun Bauhaus auswählen:

SC20120303-081344 Das Ergebnis ist ziemlich überzeugend: Sowohl im System selbst, in den einzelnen Apps bis hin zum Webbrowser ist die Schriftart nun in Verwendung:

SC20120303-081417

SC20120225-184220

SC20120303-081154

Nur an wenigen Stellen kommt es zu Fehldarstellungen durch die veränderten Schriftzeichen, z. B. hier in der MyTracks App:

SC20120225-135743-1

Insgesamt eine einfache und günstige Lösung seinem Galaxy SII einmal ein ganz neues und frisches Äußeres zu geben. Im Android Market findet man bei der Suche nach FlipFont übrigens noch eine ganze Reihe von Schriftarten, mit denen man spielen kann.

Montag, 5. Dezember 2011

Hinterlässt Chrome trotz Autoupdate eine wachsende Schar von alten Versionen?

Beim Lesen einer Heise Meldung zu einem Sicherheitsupdate des Chrome Browsers stößt man im Forum auf einen kurzen Thread, in dem verschiedene Benutzer von Problemen mit dem automatischen Update berichten. Zwar sind es nur vereinzelte Meldungen, aber wenn sie zutreffen sollten wäre das durchaus bemerkenswert für diesen Browser, der es seit seinem Erscheinen im September 2008 bereits bis auf Version 15 gebracht hat. Und der von Google nur deshalb so schnell weiterentwickelt werden konnte, weil Chrome der erste Browser war, der sich automatisch und still aktualisierte.

chrome_heise

Ein Blick in die Zahlen der großen Webstatistikanbieter sollte die Frage beantworten können, ob tatsächlich ein Teil der Chrome Benutzer zurück bleibt und wenn ja wie groß dieser Teil ist:

StatCounter GlobalStats

In dieser Statistik wird Chrome insgesamt für die letzten 4 Wochen ein

Weltmarktanteil von 25,71%

zugeschrieben. Schaut man sich zum Vergleich die Statistik für die einzelnen Browserversionen an, so kommt die aktuelle Chrome Version 15 auf einen

Weltmarktanteil von 22,96%

Wo steckt die Differenz von 2,75%? Zwar zeigt die Graphik keine weiteren Chrome Versionen an, aber in der abrufbaren CSV Datei sind noch deutlich mehr Details enthalten. Hier sind die genauen Angaben für die verschiedenen Chrome Versionen:

Chrome Version Marktanteil in %
15 22.96
16 0.32
17 0.15
15 + 16 + 17 23.43
   
14 0.64
12 0.31
13 0.3
11 0.2
10 0.19
6 0.15
8 0.1
5 0.1
9 0.08
4 0.08
7 0.07
3 0.04
2 0.02
1 0.01

Die Versionen 15, 16 und 17 sind die aktuellen und können daher für die Frage der verschleppten Aktualisierung zusammengerechnet werden. Version 14 wurde Ende Oktober von Version 15 als stabiler Version abgelöst. Man könnte hier großzügig sein und diesen Anteil auch noch zu den ‘problemlosen’ Browsern hinzuzählen.

Dann käme man auf 24.07% von problemlosen Chrome Installationen und im Umkehrschluss auf einen Anteil von möglicherweise 1.64% problematischen Installationen (wobei StatCounter nicht versucht individuelle Chrome Installationen zu zählen, daher ist die Gleichsetzung der Internetnutzungsanteile mit der Anzahl von Chrome Installationen nicht völlig zutreffend). Nach dieser etwas gewagten Rechnung wäre dann jeder 20te Chrome Benutzer betroffen.

Gibt es nun ein Problem?

Insgesamt wäre ein Anteil von ca. 6.5% der Chrome Nutzer, der nicht mehr von den automatischen Updates profitieren würde, schon ein besorgniserregender Anteil. Dies trifft insbesondere deshalb zu, weil man es als Chrome Benutzer nicht mehr gewohnt ist sich um die Frage zu scheren ob der Browser aktuell ist.

Ein echtes Problem läge allerdings nur vor, wenn der Updatemechanismus tatsächlich schon auf Seiten der installierten Chrome Version versagt und damit dauerhaft kein Update möglich wäre. Allerdings könnten auch andere Gründe existieren, die die Updates verhindern. Zum Beispiel diese:

  1. Langsame Datenverbindungen: Gerade in eher schlecht angebundenen Gegenden könnte der inzwischen recht große Chrome Download schlicht und ergreifend einfach scheitern.
  2. Experimentelle / seltene Nutzung: Benutzer, die Chrome nur für Tests installiert haben und einfach nicht so lange nutzen, dass ein Update erfolgen kann.
  3. Staatliche Eingriffe: Der Diginotar Hack, bei dem auch Zertifikate für Google Internetseiten gefälscht wurden, hat gezeigt wie weit autoritäre Regime (etwas das iranische) zu gehen bereit sind um ihre Bevölkerung zu kontrollieren. Da Chrome solche gefälschten Zertifikate nicht akzeptiert (Public Key Pinning) würde in einer so angegriffenen Umgebung auch kein Update mehr erfolgen.
  4. Veraltete Unternehmensinstallationen: Chrome kann inzwischen unternehmensweit installiert werden. Dabei erhalten Administratoren auch die Option die automatischen Updates zu unterdrücken.

Wie sieht es bei anderen Browsern aus

Von den anderen großen Browsern lohnt sich nur der Vergleich mit Firefox. Beim Internet Explorer gibt es die bekannten Update Probleme, durch die immer noch große Teile der Nutzer mit der grausamen Version 6 unterwegs sind, gleichzeitig verspricht Microsoft für die nächste Version seines Browsers schon jetzt 10 Jahre Support. Also das genaue Gegenteil der Chrome Strategie.

Bei Firefox hingegen hat die Mozilla Corporation beginnend mit der Version 4 ebenfalls auf einen sehr schnellen Versionswechsel umgestellt und ist dadurch inzwischen bei Version 8 angekommen. Der Vergleich hinkt trotzdem etwas, da Firefox noch keine stillen Updates hat (dies ist erst für 2012 geplant). Die Version 8 ist am 8. November veröffentlicht worden. Hier ist die Versionverteilerung so:

Firefox Version Marktanteil in %
9 0.27
8 10.57
8+9 10.84
   
7 4.99
6 1.17
5 0.81
4 0.9
4-7 7.87
4-9 18.71
   
3.6 5.38

Die Versionen kleiner gleich 3.6 sind hier nicht relevant, da diese Benutzer offenbar zögern die neue schnelle Updatepolitik mitzugehen. Von den 18.71% Firefox Marktanteil, die auf die Versionen ab 4 fallen, befinden sich nun schon 7.87% in veralteten Versionen. Das sind mehr als 40% der entsprechenden Firefox Nutzer. Im Vergleich dazu schneidet Chrome sehr gut ab, vor allem wenn man die bei Chrome noch viel größere Versionsanzahl mit einbezieht.

Abwarten

Ob sich das Update’problem’ bei Chrome wirklich zu einem echten Problem auswächst muss wohl noch abgewartet werden. Mit steigender Verbreitung des Browsers – das Wachstum scheint noch nicht an seinem Ende angekommen zu sein – wird man genauer beobachten wie sich der Anteil der zurückbleibenden Benutzer verhält.

Trotzdem kann man nach nun 3 Jahren Chrome Browser das sichere Fazit ziehen, dass sich stille Updates für eine globale Nutzerschaft mit einer der Größe von mehreren hundert Millionen realisieren lassen und unvergleichliche Vorteile bringen.

Dienstag, 1. November 2011

Zum Stand der Browserkriege || Wühlen in Statistiken 10/2011

Seit dem ersten Wühlen in Statistiken Ende August hat sich wieder einiges bewegt: So musste der Internet Explorer gleich auf zwei Kontinenten (Afrika und Südamerika) die Marktführerschaft abgeben und auf einem dritten Kontinent (Europa) muss er sie teilen.

Der Chrome Browser ist erstmals für jeden vierten gezählten Webseitenzugriff im StatCounter Netzwerk verantwortlich und das iPad taucht in einigen Ländern deutlich sichtbar in den Statistiken der Desktopbrowser auf, gleichzeitig nimmt in einigen Ländern der mobile Webzugriff drastisch zu. Die massiven Verschiebungen in der weltweiten Browsernutzung sind also noch lange nicht an ihrem Ende angekommen.

Warnung vor der Statistik

Eine Warnung bzw. Erinnerung vorweg: Alle Aussagen hier beruhen auf Statistiken, deren genaue Entstehung nicht weiter überprüft werden kann. Und dabei gibt es Merkwürdigkeiten: So zeigten die StatCounter Statistiken im Monat September eine Zeit lang einen starken Anstieg des Internet Explorers (allein ein Deutschland waren es fast 3 Prozentpunkte), so dass man fast vermuten konnte Microsoft habe die Kehrtwende geschafft. Im Monat Oktober wurde dieser Entwicklung aber komplett rückgängig gemacht und insgesamt betrachtet erscheint das ‘Aufblühen’ des Internet Explorers als eine Anomalie, die sich nur mit Problemen oder Umstellungen in der Erstellung der Statistik erklären lässt. Von daher sollte man zu kleinteilige Interpretationen der Zahlen vermeiden und versuchen den generellen Trend zu erkennen:

Stand Ende Oktober 2011

Hier wieder die Statistiken für den Monat Oktober 2011 von den beiden großen Statistikanbietern:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die erste Statistik kommt von NetMarketshare, und die zweite von StatCounter. Wie diese Dienste ihr Zahlen ermitteln und warum sie so unterschiedlich sind hatte ich schon im letzten Post kurz beschrieben. Hier die aktuellen Werte im Vergleich:
Browser/Statistik NetMarktshare StatCounter
Internet Explorer 52,63% 40,18%
Firefox 22,51% 26.39%
Chrome 17,62% 25%
Safari 5,43% 5,93%

In den folgenden Ausführungen wird wieder auf die StatCounter Statistiken gesetzt, da sich hier Teilauswertungen nach Regionen und Ländern frei abrufen lassen. Es werden dabei immer die letzten 6 Monate betrachtet. Hier die weltweite Entwicklung:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Die Trends von der letzten Betrachtung setzen sich also offenbar fort: Der Internet Explorer bröckelt, der Firefox ebenfalls, Chrome kann fast alle diese frei werdenden Marktanteile aufnehmen und für Safari bleibt auch noch etwas übrig.

Chrome

Für Chrome waren es wieder gute Monate: Der Aufstieg des jüngsten Browsers der großen Vier setzt sich immer noch fort und es wurden zwei wichtige Meilensteine erreicht. So hat Chrome jetzt einen weltweiten Marktanteil von 25% und liegt damit nur noch knapp hinter dem Firefox. Google selbst gab kürzlich bekannt, dass Chrome nun 200 Millionen Nutzer habe. Gleichzeitig hat Chrome den ersten Kontinent ‘gewonnen’ und in Südamerika den bisher führenden Internet Explorer überrundet:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Der Aufstieg hat sich dabei in den letzten Monaten offenbar noch beschleunigt und es sieht nicht so aus, als ob hier schon das Ende erreicht wäre. Auch in Asien gab es einen wichtigen Fortschritt, dort hat Chrome den Firefox von der Position 2 verdrängt:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

In den industrialisierten Ländern hat Chrome hingegen meist bei weitem noch nicht so hohe Marktanteile errungen, aber auch hier gibt es Fortschritte. So hat Chrome inzwischen nicht nur in England den Firefox überholt, sondern auch in Italien, Norwegen und den Niederlanden.

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in Spanien wird es vermutlich bald so weit sein. Schwer tut sich Chrome weiterhin in Deutschland (siehe die Graphik  im Abschnitt zum Internet Explorer). Interessant ist, dass von ChromeOS, dem Browserbetriebssystem von Google, in den Statistiken noch keine Spuren zu finden sind.

Firefox

Der Firefox ‘gewinnt’ mit Afrika einen Kontinent vom Internet Explorer:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Auch in Europa ist der Browser – wie schon zu Beginn 2011 – wieder an den IE herangekommen, hier ist es zur Zeit ein Kopf-an-Kopf Rennen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Trotzdem zeigen diese ‘Erfolge’ nicht die Stärke, sondern die Schwäche des Firefox, sind sie doch nicht durch eigenes Wachstum errungen worden, sondern nur durch den Abstieg des Internet Explorers bzw. den Aufstieg Chromes. Auch in Ländern wie Indien, in denen der Firefox ein starkes Wachstum zeigt, wächst Chrome noch schneller:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Insgesamt ist es also eine bestenfalls gemischte Bilanz: Auch wenn es noch Länder gibt in denen der Firefox gewinnt, so wiegt dies offenbar nicht die Verluste an anderer Stelle auf, etwas in klassischen Firefox Ländern wie Deutschland. Falls sich dieser Trend nicht schnell und deutlich ändert wird Chrome Firefox noch in diesem Jahr den lange gehaltenen Titel des zweitwichtigsten Browsers der Welt abnehmen (zumindest in dieser Statistik, bei Netmarketshare ist der Abstand noch größer). 

Internet Explorer

Der Internet Explorer hat es in den industrialisierten Ländern teilweise vermocht den Abwärtstrend zu stoppen, so z. B. in den USA:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Es ist allerdings schwer zu sagen ob dies der neuen Version 9 geschuldet ist, die nur auf Windows 7 nutzbar ist, oder andere Gründe hat. Auch hat es den Anschein als würde sich der IE ‘auf Kosten’ des Firefox sanieren, während der Aufstieg von Chrome – dem eigentlichen Feindbild Microsofts – nicht aufgehalten wurde. In Deutschland hat der Internet Explorer im letzten halben Jahr – trotz der merkwürdigen Schwankungen in den letzten beiden Monaten – einige Marktanteile gutgemacht:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Hier kann man möglicherweise einen direkten Zusammenhang mit der neuen Politik von Mozilla herstellen neue Browserversionen genauso schnell wie Google zu veröffentlichen, eine Politik die insbesondere bei Firmenanwendern nicht gut ankam. Möglicherweise haben sich hier einige große Nutzer von Firefox abgewandt. Wichtig ist es auch sich immer mal wieder die große Dominanz des IE in China, Japan und Südkorea in Erinnerung zu rufen:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Warum ist der IE hier eigentlich so vorherrschend? Liegt es an einer besseren Sprachanpassung? Selbst wenn Chrome hier nach und nach kleine Anteile gewinnt würde es bei diesem Tempo noch viele Jahre dauern, bis der IE erreicht wird. Auf der anderen Seite gibt es Länder wie die Philippinen, in denen der IE in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten droht:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Market Share

Safari / iPad

Die Nutzung von Apples Safari Browser scheint weiterhin stark an Apples Hardware gekoppelt zu sein und wächst daher nur in den reichen Ländern signifikant. Interessant ist es aber zu sehen, dass der iPad Browser jetzt in ersten Länderstatistiken der Desktopbrowser auftaucht, wie etwa in Australien:

Source: StatCounter Global Stats - Browser Version Market Share

Auch dieser Effekt ist bisher nur in den reichen Ländern zu beobachten, aber er zeigt sicher einen Trend für die Zukunft, in der sich zwischen die Smartphones und die klassischen Desktop Browser noch die Kategorie der Tablets schieben wird und zwar mit einem signifikanten Anteil an der Internetnutzung. Entsprechende Ergebnisse zeigt auch eine aktuelle Studie zur Tablet Nutzung, nach der das Surfen im Netz weiterhin deutlich vor der Nutzung von Apps kommt.

Mobile Internetnutzung

Zum Ende noch einen kurzen Ausblick auf einen weiteren wichtigen Faktor, der die weltweite Internetnutzung in den kommenden Jahren stark beeinflussen wird: der mobile Zugriff mit dem Smartphone. Mit Ländern wie Indien und Südkorea gibt es Beispiele, in denen bereits ein Großteil der Bevölkerung über mobile Geräte ins Netz geht:

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share

Source: StatCounter Global Stats - Mobile vs. Desktop Market Share

Die Gründe sind hier vermutlich ganz unterschiedlich: In Indien kommt möglicherweise ein großer Teil der Bevölkerung überhaupt erst durch günstige internetfähige Telefone ins Netz, während in Südkorea offenbar inzwischen 40% der Bevölkerung ein Smartphone besitzen, wobei die Durchdringung mit normalen PCs vermutlich schon bei nahezu 100% liegt.

Dieser Trend ist vielleicht sogar noch massiver als die Umwälzungen im Bereich der Desktopbrowser, da er alle Teile der Welt betreffen könnte.

Fazit und Ausblick

Insbesondere durch das ungebrochene Wachstum von Googles Chrome Browser gibt es heute in vielen Ländern drei ‘große’ Browser, deren Marktanteile gemeinsam in einem Korridor von 10-15 Prozentpunkten liegen. Wenn man die Wichtigkeit unterschiedlicher Browser an Hand ihrer Marktanteile einschätzen möchte ist dies heute also schwieriger als jemals zuvor.

Dieser Zustand wird in der Zukunft vermutlich zur Normalität werden, sieht es doch so aus als ob die großen Browser inzwischen alle ihre jeweiligen Bastionen haben, von denen sie sich nicht einfach verdrängen lassen werden. Und den kleinsten der Vier, Apples Safari Browser, kann man auf Grund seiner speziellen, kaufkräftigen Nutzerschaft ebenfalls nicht ignorieren.

Und schließlich müssen auch die mobilen Internetnutzer bedient werden, die eine noch größere Vielfalt von Geräten und Browsern mitbringen und eigene Optimierungen für ihre kleinen Bildschirmgrößen benötigen.

Im positiven Fall könnte dies bedeuten, dass in Zukunft die Standardkonformität zu einem höheren Gut wird wird sowohl für die Browserhersteller wie auch für die Webseitenersteller. Selbst Microsoft scheint unter dem Marktdruck inzwischen auf diese Linie eingeschwenkt zu sein. Nur gibt es beispielsweise bei HTML 5 noch keinen Standard und wird ihn wohl auch in absehbarer Zeit nicht geben.

Im schlechtesten Fall steht uns eine fragmentierte Browserlandschaft bevor, in der es kaum möglich sein wird mit vertretbarem Aufwand funktionierende Webangebote für die Masse der potentiellen Nutzer zur Verfügung zu stellen. Mit einem möglichen Ergebnis, dass sich insbesondere die Nutzer von Smartphones und Tablets noch stärker in die mehr oder weniger gehegten und beschränkten App Stores des großen Anbieter gedrängt fühlen. Ob so eine Entwicklung vielleicht bereits stattfindet lässt sich leider nicht aus den Webstatistiken herauslesen.

Was die individuelle Entwicklung der Browser angeht, so sieht die Zukunft wohl für Chrome und den iPad Safari am rosigsten aus: Google wird Chrome weiterhin in dem rasenden Tempo weiterentwickeln, welches zu einem der Markenzeichen dieses Browsers geworden ist und so die Grenzen des im Internet machbaren erweitern. Die letzten großen Neuerungen sind hier der Native Client und die angekündigte neue Sprache für das Web DART. Bemerkenswert ist dabei, dass es Google bisher gelungen ist die hohe Qualität ihres Produktes zu halten, es also z. B. keine gravierenden Sicherheitslücken gab. Zusätzlich fährt Google weiterhin umfangreiche Werbekampagnen selbst im Fernsehen. Offenbar lohnt sich nach der Meinung einiger Analysen für Google die Investition in solches Marketing bzw. in Chrome generell ganz unmittelbar, da mit jedem gewonnenen Chrome Nutzer auch ein potentieller Nutzer der Google Suche gewonnen wird. Und diese Art von Traffic Acquisition Cost (TAC) ist offenbar günstiger als die Arten, die Google sonst nutzt. Für Google macht es demnach unmittelbaren finanziellen Sinn sein Browserprodukt so stark zu pushen wie es nur geht.

Das iPad verkauft sich weiterhin in riesigen Stückzahlen und Apple ist es bisher gelungen die Konkurrenz hier auf Abstand zu halten. Gerade im privaten Bereich scheint sich nach dem Erwerb eines Tablets ein wesentlicher Teil der Internetaktivitäten auf dieses Gerät zu verlagern, daher ist der Aufstieg dieser Nutzergruppe sicher noch ganz am Anfang.

Microsoft hat mit seinem aktuellen Internet Explorer 9 sicher ein Produkt, welches zu seinem Erscheinungsdatum zu den anderen Browsern aufgeschlossen hat. Da der IE 9 aber nur auf Windows 7 läuft hat Microsoft sich selbst in seiner Konkurrenzfähigkeit eingeschränkt. Dies eröffnet Konkurrenten wie Google ein möglicherweise sehr großes Zeitfenster um Nutzer zu gewinnen, die sich auf ihren weiterhin gut funktionierenden Windows XP Rechnern von Microsoft vernachlässigt fühlen. Trotzdem hat Microsoft natürlich den Vorteil mit ihrem Browser auf nahezu jedem verkauften PC bereits vertreten zu sein, während die Konkurrenten es erst schaffen müssen installiert zu werden. Die größte Bedrohung für Microsoft sind daher wohl Ansätze, die alle Dienste ins Web verlagern und damit das Betriebssystem mehr oder weniger irrelevant machen. Allerdings darf man sich nichts vormachen: Microsoft wird noch auf viele Jahre hin einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung des Netzes sein, egal wie erfolgreich die Konkurrenten sind.

Am schlechtesten sieht es im Moment wohl für den Firefox aus: Bisher hat es das Mozilla Projekt nicht wirklich vermocht dem Aufstieg von Chrome etwas entgegen zu setzen. In den letzten Monaten hat es auch den Anschein, als ob Chrome nicht mehr nur vom IE zehren würde, sondern nun auch vom Firefox. Der Sprung auf die mobilen Plattformen ist ebenfalls nicht in dem Umfang gelungen, wie es beispielsweise Opera geschafft hat. Auch wird Firefox wohl langfristig mit dem Nachteil kämpfen müssen, dass der Browser auf keinem Betriebssystem der ‘Hausbrowser’ ist. Die Frage ist daher eigentlich nicht mehr, wann der 2. Platz in der Browserhierarchie verloren gehen wird und ob er zurück erobert werden kann, sondern ob und wann Firefox noch weiter nach unten durchgereicht wird und vielleicht Safari Platz machen muss.